EVO-Zukunft: Karten liegen auf dem Tisch

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Stadtkämmerer Michael Beseler.

Offenbach ‐ Nach vielmonatigem Verhandlungspoker mit der Mannheimer MVV Energie AG über die Zukunft der Energieversorgung Offenbach (EVO) legt die Stadt ihre Karten auf den Tisch. Von Marcus Reinsch

Keine echte Überraschung mehr, aber ein beruhigendes Gefühl für viele Beteiligte: Der Vertrag zwischen der Mannheimer EVO-Mehrheitseignerin und der Offenbacher Stadtwerke Holding (SOH), die der Stadt als Eigentümerin von 49 Prozent der Aktien jährlich rund 10 Millionen Euro Rendite überweist, ist unterschriftsreif.

Er soll der EVO Existenz und Eigenständigkeit, ihren 880 Mitarbeitern die Arbeitsplätze und der Stadt eine elementare Einnahmequelle sichern. Wenigstens vorerst. Die Laufzeit ist auf fünf Jahre angesetzt. Das begründeten Bürgermeisterin Birgit Simon und Stadtkämmerer Michael Beseler gestern vor allem mit der Schnellebigkeit des Energiemarktes, was künftig vielleicht „andere Konstruktionen“ gebiete.

Der nun vorliegende Vertrag verlängert aber zunächst einmal quasi den vor zehn Jahren mit dem Verkauf der EVO-Mehrheit an die MVV verabredeten und Ende September ausgelaufenen Bestandsschutz für die EVO. Offenbacher Magistrat, SOH und MVV seien sich einig, dass die EVO „als rechtlich eigenständiges Energieunternehmen mit Sitz, tatsächlicher Hauptverwaltung und wesentlichen Unternehmensfunktionen einschließlich Vorstand in Offenbach erhalten“ bleibt. Das gilt auch für die Arbeitsplätze. Betriebsbedingte Kündigungen werden bis Ende September 2016 ausgeschlossen, zusätzliche Jobs ausdrücklich gewünscht.

Schwerpunkt bei den erneuerbaren Energien

Die MVV sichere außerdem zu, dass die Marke EVO Bestand habe und Offenbach Sitz der EVO-Abrechnungs- und Messableger „24/7 United Billing“ und 24/7 Metering“ bleibt. Entscheidungs- und Steuerungskompetenzen des EVO-Vorstandes sollen unbeschnitten, die Informations- und Zustimmungsrechte des Aufsichtsrates unverändert bleiben. Vor allem Letzteres gilt als wertvoll, weil die Stadt über den Aufsichtsrat unmittelbaren Einfluss auf die EVO-Ausrichtung hat.

Die wird im Vertrag letztlich wie gewünscht festgeschrieben. Der Wachstumsschwerpunkt des Unternehmens, heißt es, liege bei den erneuerbaren Energien und den Energiedienstleistungen. Neue Märkte sollen mit der Ausdehnung des Geschäfts mit Windenergie, Holzpellets, Strom und Gas auf ganz Hessen und gerne darüber hinaus erschlossen werden.

Bevor die Füller für den Vertrag aufgeschraubt werden dürfen, ist der Segen des Stadtparlaments nötig. Die Kommunalpolitik hatte Ende September Mindestanforderungen formuliert und kann in ihrer Novembersitzung grünes Licht für den Vertrag geben.

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