Der ewige Lockruf der Narretei

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Als Untote recht lebhaft: Die Tanzgruppe des Konzertorchesters Offenbach begeisterte die Gäste.

Offenbach ‐ Mochte man dem Vereinsheft des Gesangverein Mozart und dessen Vorsitzenden Heinz „Rico“ Longerich Glauben schenken, so mussten sich die Besucher der Elfersitzung auf eine Epidemie einstellen. War da doch von einem „Virus Karneval“ die Rede. Von David Heisig

Im Gegensatz zur Schweinegrippe war Ansteckung jedoch erwünscht. So füllten zahlreiche Freunde des MGV und seinen beiden Abteilungen das Bürgerhaus. Gute Voraussetzungen also für den Einzug des Elferrats mit Sitzungspräsident Longerich. Schwergefallen ist diese Amtshandlung den Sängern nicht, hatten sie doch hoheitlichen Beistand im Schlepptau. Das Bürgeler Kinderprinzenpaar, Prinzessin Alicia und Prinz Andre, schritt majestätisch vorneweg. Inklusive eigener Entourage der Ranzengarde mit Hofdame, Mohr und Elferrat.

In guter Tradition erklang das „Gud Stuss, Ahoi“ im mit Ballons bunt geschmückten Saal. „Ich steh´ vor Euch in voller Pracht als Prinz Karneval“, proklamierte Andre, während Prinzessin Alicia verdeutlichte, dass sie „die Weiblichkeit, die Schönheit, den Esprit“ verkörpere. Auch wenn hier schon anklang, was an diesem Abend Thema für den humoristischen Schlagabtausch sein sollte, stand fest: Das Kinderprinzenpaar bereitete dem Frohsinn den Weg. Dann die erste Schunkelrunde: „An der Nordseeküste...“. Zudem führten die Elfen der DJK Mühlheim einen Regentanz auf.

Mehr Fotos vom Mozart-Elferrat:

Der ewige Lockruf der Narretei

Der niedlichen Aufführung zu „Raindrops are falllin’ on my head“, folgte ein Wiedersehen. Nach fünfjähriger Pause zeigte Silvia Moog (Tanzsportclub Fantasy) erstmals auf der „Mozartbühne“ wieder einen Solotanz. Im Anschluss sprachen Vanessa, Stella und Gabriele Kozak, Melanie und Margot Goy, Birgit und Christiane Adam und Cornelia Peukart in ihrem Showtanz vielen aus der Seele, denen Schnee und Eis langsam gegen den Strich gehen. „So schmeckt der Sommer“ lautete die Devise der Blau-weiß-roten Mozart-Husaren. Es folgte die Tanzgruppe des Konzertorchesters Offenbach unter der Leitung von Ute Schulz. Als Zombies begeisterten sie zu Michael Jacksons „Thriller“. Die Guggemusik der Stadtgarde Offenbach – die Icebreakers – übernahmen dann mit brasilianischen Rhythmen, Trommelnwirbeln und Ohrwürmern die Kontrolle über den Saal, was allein durch die Anzahl der Musiker, die Kraft der Instrumente und die Begeisterung des Publikums kein Wunder war. Dann war es endlich soweit. Die lederanischen Tollitäten, Prinzessin Carolin und Prinz Matthias, betraten die Bühne und Präsident Longerich fragte ins Rund: „Seh´n die net´ goldisch aus?“

Dschungelbuch, König der Löwen und Tarzan

Prinz Matthias konnte das nur bestätigen: „Isch kann’s net glaube, doch ich bin’s, enn goldisch Fassnachtsprinz“. Prinzessin Carolin konterte geschickt und auch hier merkte man: Prinz und Prinzessin sind für einander geschaffen... Die Tanzdarbietung der „Power angels“ des Karnevalvereins aus dem unterfränkischen Hausen und ein zweiter Auftritt der Gardetanz-Truppe der Mozart-Husaren – dieses Mal mit männlicher Unterstützung durch Trainer Santo Barth – führten dann zum ersten Vortrag, laut Präsident Longerich „auch unserem einzigen“. Frieder Gruber griff in seiner Büttenrede wieder das altbekannte Thema auf: „Gott erschuf, er war ein Kenner, heldenhaft uns Männer...“ Ganz klar: „Wir Männer sind des Lebens Würze.“ Zum Ende kam aber auch er zum Schluss, dass Männer ohne Frauen nicht können, was wohl auch umgekehrt gilt.

Einziger Büttenredner des Abends: Frieder Gruber

Zum Abschluss des ersten Sitzungsteils schickten die Damen der Schelmengarde Gelnhausen mit ihrem „teuflisch heißen“ Showtanz Männerherzen genau in die Hölle, die Schlagerbarde Wolfgang Petry im Song „Wahnsinn“ besingt. Nach der Pause bewiesen die männlichen Geschöpfe des „Fusion-Männerballets“, bestehend aus jeweils einer Gruppe der Ranzengarde Bürgel und der Mozart-Husaren, dass nicht nur die Damen sich mit Anmut und Stil tänzerisch bewegen können.

Zu einem Medley aus Dschungelbuch, König der Löwen und Tarzan brachten die Tänzer das Blut des Elferrats so ins Kochen, dass dieser die erste – und einzige – Rakete des Abends steigen ließ. Dass Gardetanz auch sportliche Höchstleistung ist, bewies danach Elena Agnetelli von der Schelmengarde Gelnhausen, von einer Dame aus dem Publikum ehrfürchtig als „Höhepunkt des Abends“ angekündigt. Dass dort auf der Bühne eine Europa-, deutsche und Hessenmeisterin zu Gang war, erschloss sich selbst dem Tanzlaien.

Ein Blick in das Vereinsheft verrät: Neue Mitglieder sind immer willkommen – sei es aktiv oder als finanzielle Unterstützer. Info: Tel.: 83 32 52. Der Männergesangverein Mozart lockt ins Bürgerhaus. Viele folgen dem närrischen Ruf. Die schunkeln, tanzen und klatschen sich in Laune.

Nicht zu Unrecht zeigte Agnetelli ihr Können auch im Fernsehfasching des Hessischen Rundfunks. Fest im Griff hatte auch Schlagersängerin Silvia Martens das Publikum. Ihre eigenen Songs, aber auch Versionen von Gassenhauern wie „Viva Colonia“ oder „Ein Festival der Liebe“ verführten die Zuschauer zu einer spontanen Polonaise durch das Bürgerhaus. Ein schöner Tanzabend klang mit Darbietungen des Tanzsportclubs Fantasy Offenbach, des Hausener Karnevalsvereins und der Freien Turner Oberrad aus. Aber dann hauten „die Pitschedabber“ aus Fechenheim mit ihrer Guggemusik sprichwörtlich noch einmal auf die Pauke.

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