Auf ewige Verbundenheit

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Die neue Gegengerade im Sparda-Bank-Hessen-Stadion ist noch nicht fertig, schon ist ein Streit um den künftigen Namen entbrannt.

Offenbach  - Die OFC-Fans kämpfen oft verbissener als die Fußballer, die sie lautstark anfeuern. Eine Gruppe verfolgt seit Monaten das Ziel, die alte Flutlichtanlage zu erhalten. Ein Slogan: „Kickers Offenbach – Nur echt mit zwei Masten. Von Martin Kuhn

“ Jetzt soll eine weitere Tradition gepflegt werden: „Block zwo“ will den Namen Waldemar-Klein-Tribüne erhalten.

Für Mittwoch, 14. September, ruft die Initiative vor dem Spiel gegen VfB Stuttgart II zur Demonstration auf. Bevor’s auf den Bieberer Berg geht, treffen sich die Anhänger um 17.30 Uhr auf dem Stadthof, um ihrer Forderung am Rathaus Nachdruck zu verleihen. „Wer sich uns erst unterwegs anschließen kann, ist willkommen“, betonen die Fans.

„Block zwo“ ist gegen die Vermarktung des Heiligtums

Auf diese kurze Formel darf es gebracht werden: Die Fans sind gegen die Vermarktung ihres Heiligtums. Wenn schon nicht die altehrwürdige Kampfbahn zu erhalten war, wollen sie wenigstens den Namen ihrer Tribüne retten – und damit das Andenken an den verstorbenen Ehrenpräsident der Kickers. „Waldemar und seine Freunde auf der Gegengeraden, das war zu Lebzeiten dieses verdienten Mannes eine Einheit, und so soll es auch nach seinem Tod bleiben“, fordert Oliver Gottwald stellvertretend für „Block zwo“. Gemeinsam wollen die Anhänger erreichen, „dass der Name unserer Tribüne erhalten bleibt. Das sind wir unserem Freund schuldig!“

Solche und ähnliche Gedankengänge und Schlussfolgerungen kann Oberbürgermeister Horst Schneider sicher nachvollziehen; schließlich ist er bekennender Kickers-Fan und verpasst selten ein Heimspiel. Als Verwaltungschef verfolgt er aber auch andere Interessen. Er sagt: „Unser Ziel muss es sein, am Bieberer Berg Einnahmen zu erwirtschaften.“ Es ist keinesfalls eine Kampfansage an die Fans, wenn er nochmals auf die Besitzverhältnisse hinweist: „Das Stadion gehört nicht dem Verein und auch nicht den Fans, sondern der SBB.“ Heißt: Die Stadt ist über ihr Konzerngeflecht mit Stadtwerke-Holding und Stadiongesellschaft Bieberer Berg Eigentümerin.

Das alles will Horst Schneider der Gruppe und der IG Stadionbau um Volker Goll in der nächsten Woche persönlich näher bringen. Wobei er einräumt, dass es derzeit keine aktuellen Anfragen für die Namensrechte der Tribünen gibt. In Zeiten des finalen OB-Wahlkampfs macht der SPD-Politiker also keine voreiligen Versprechungen – hält allerdings einen Trumpf in der Hinterhand.

Neue Heimat für den OFC

Schneider hat vor geraumer Zeit eine Idee der Jungen Union aufgegriffen und inzwischen in der Verwaltung auf den Weg gebracht. Der Platz vor dem Stadion, der künftig neu gestaltet und öffentlich ist, um den Zugang zu Sparda-Bank-Filiale, Bäckerei und Kickers-Geschäftsstelle zu ermöglichen, soll den Namen des Ehrenpräsidenten tragen. Der OFC wäre also nicht mehr an der Bieberer Straße 282 beheimatet, sondern am Waldemar-Klein-Platz 1. „Eine solche Adresse hätte eine hohe Relevanz.“

Dem OB schwebt zudem vor, Kleins Konterfei – nach dessen Tod per Spraydose am Stadion verewigt – auf die neue Nordtribüne übertragen zu lassen. „Die Fans unter Waldemars Blick – das hat doch was.“ Auf der restlichen Brüstung oberhalb der Stehränge wäre noch reichlich Platz für Porträts rot-weißer Idole – Herrmann Nuber, Gerd Kaufhold, Berti Kraus, Siggi Held , Erwin Kostedde...

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