Mangelhafte Entwässerung an Neubauten

Regenrohre durchnässen Passanten: Keine Reaktion der Bauaufsicht

Unscheinbar, aber bei Starkregen für eine Dusche gut. Die Regenrohre aus Metall (rechts oben).
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Unscheinbar, aber bei Starkregen für eine Dusche gut. Die Regenrohre aus Metall (rechts oben).

Der Ex-Chef der Offenbacher Bauaufsicht, Helmut Reinhardt, bemängelt die Entwässerung an Neubauten. Eine Antwort bekommt er jedoch nicht.

Offenbach – Wenn sich einer in Offenbach mit Gebäuden auskennt, dann ist es Helmut Reinhardt. Als langjähriger Leiter der städtischen Bauaufsicht und des Denkmalschutzes hat er es Hauseigentümern zwar nicht immer leicht gemacht, handelte aber stets nach den Buchstaben des Gesetzes. Auch im Ruhestand geht Helmut Reinhardt mit dem geschärften Blick des Fachmanns durch die Stadt. Anfang des Jahres sind ihm seiner Meinung nach baurechtswidrige Zustände aufgefallen, was er mit seiner ehemaligen Arbeitsstelle, der Bauaufsicht klären wollte. Doch Reinhardt – und das ist unabhängig vom bautechnischen Streit das Bemerkenswerte – hat von seiner Nachfolgerin im Amt über Monate keine Auskünfte erhalten. Erst auf Anfrage unserer Zeitung gab es eine ausführliche Stellungnahme.

Helmut Reinhardt geht es um die „Kappushöfe“. Die Bebauung des namensgebenden ehemaligen Firmengeländes erstreckt sich zwischen Luisen-, Geleits- und Ludwigstraße. Ende Januar ist ihm aufgefallen, dass an den am weitesten fortgeschritten Gebäuden in der Geleitsstraße aus den Loggien und den Brüstungsmauern der Dachterrassen lange Metallrohre hervorragen, die offensichtlich der Wasserableitung von den Loggien und den Terrassen dienen sollen.

Ex-Chef Offenbacher Bauaufsicht: Regenrohre durchnässen Passanten

Ähnliches hat er auch an dem in Fertigstellung begriffenen Gebäude auf dem ehemaligen Kolping-Gelände in der Luisenstraße beobachtet: Auch hier ragen Regenrohre aus den Loggien beziehungsweise Terrassen auf die Straße. „Bei Regen würden Passanten durch das herabschießende Wasser durchnässt und riskierten zusätzlich erhebliche Verletzungen aufgrund der sich in Bauchhöhe befindlichen Metallrohre in der Erdgeschoßzone“, befürchtet Helmut Reinhardt. Zugleich weist er darauf hin: Laut Bauordnung sei das auf einem Grundstück anfallende Oberflächenwasser immer auf dem eigenen Grundstück abzuleiten.

Reinhardt informierte hierüber die Bauaufsicht mit einer ersten Mail am 30. Januar und legte dem Schreiben entsprechende Fotos bei. „Es entwickelte sich daraufhin eine lockere Korrespondenz, bei der meine Argumente offensichtlich nicht wirklich ernst genommen wurden“, so der ehemalige Amtsleiter. Die Rohre sollen dazu dienen, bei einem „Jahrhundertereignis“ das Wasser abzuführen, welches von den Regenfallrohren nicht aufgenommen werden kann, zitiert Reinhardt die Antwort der Bauaufsicht. „Diese Aussage hat mich nicht überzeugt. Ich übersandte in den folgenden Monaten weitere Schreiben und Photos, da die gleiche bauliche Ausbildung auch inzwischen an der Ludwig- und der Luisenstraße zu beobachten war“, so Reinhardt. Eine letzte, für ihn nach wie vor unbefriedigende Antwort habe er von der zuständigen Sachbearbeiterin Mitte April erhalten. Daraufhin wandte sich Reinhardt Mitte Juli an die Amtsleiterin. Von seiner Nachfolgerin sei er dreimal vertröstet worden, auf sein letztes Schreiben vom 30. August habe er überhaupt keine Reaktion erhalten, so Reinhardt. „So sollte eine Behörde nicht mit Bürgeranliegen umgehen“, sagt er.

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Bemängelte Abflüsse: Offenbacher Bauaufsicht sieht keinen Handlungsbedarf

Die Bauaufsicht teilt auf unsere Anfrage hin mit, sie sehe keinen Handlungsbedarf. Zum einen handele es sich bei den bemängelten Abflüssen nicht um die regulären Wasserabläufe, sondern lediglich um Notüberläufe für außergewöhnliche extreme Wetterlagen. Zum anderen seien die Wasserspeier an dem schon in Betrieb befindlichen Bauteil an der Geleitsstraße im Erdgeschoss auf Veranlassung der Bauaufsicht zur Vermeidung einer Verletzungsgefahr erheblich eingekürzt worden.

Im Einzelnen sei es im vorliegenden Fall so, dass die reguläre Regenentwässerung entsprechend den bauordnungsrechtlichen Vorgaben über ganz normale Regenfallrohre in den Eckbereichen der Loggien auf eigenem Grundstück laufe. Diese regulären Entwässerungsleitungen habe man keineswegs erst nach den Schreiben des Herrn Reinhardt eingebaut. Im Übrigen sei die Beeinträchtigung durch die Notüberläufe zumutbar und stelle keine Gefahrensituation dar, da sie ausschließlich bei einem Jahrhundertregen mit entsprechenden Wassereintrag in diese Loggien überhaupt benötigt würden.

Bemängelte Abflüsse: Bauaufsicht reagiert nicht

„Das mit den Notüberläufen für extreme Wetterlagen halte ich für ein nachträglich konstruiertes Ammenmärchen“, kontert Helmut Reinhardt. „Der Bauherr der Kappushöfe wäre vermutlich einer der wenigen, der so fürsorglich vorausdenkt und Geld für so etwas ausgibt.“ Es sei vielmehr geplant gewesen, diese Art der Entwässerung als einzige und endgültige vorzusehen. Es sei erst verändert worden, als er der Bauaufsicht seine Bedenken mitgeteilt habe, so Reinhardt. Dass die vortretenden Rohre nachträglich eingekürzt wurden, spreche für sich selbst. Was überhaupt nicht in der Stellungnahme zur Sprache komme, sei die Nichtreaktion der Bauaufsicht über einen so langen Zeitraum. (Matthias Dahmer)

Unstimmigkeiten gibt es derzeit auch um die Zukunft der Offenbacher Innenstadt. Ist der Umzug der Stadtbibliothek schon beschlossene Sache?

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