Ex-Kassierer der Kleintierzüchter zieht Berufung zurück

„Märtyrer“ akzeptiert Haftstrafe

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Der Neubau des KTZV.

Offenbach - Nachdem ihn das Amtsgericht wegen Veruntreuung von Vereinsgeld zur einer Gefängnisstrafe verurteilt hatte, legte Ronald M. , Ex-Kassierer des 1. Offenbacher Kleintierzuchtvereins, Berufung ein. Gestern zog der diese zurück. Von Silke Gelhausen-Schüßler 

Unglücklich sieht Ronald M. aus, wie er da im Saal zwei des Landgerichts Darmstadt zur Linken seines Anwalts sitzt. Auf eigenen Wunsch hin ist er ein weiteres Mal vor die Justiz getreten, weil er sich alles andere als gerecht behandelt fühlt. Alles habe er seit 1974 für den Verein getan, und nun wartet am Ende das Gefängnis auf ihn: Amtsrichter Manfred Beck hatte den 62-jährigen Frührentner am 12. Januar wegen Veruntreuung von 100.500 Euro Vereinsgeld zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. M. ging in Berufung und musste sich gestern vor der achten Strafkammer verantworten.

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Dass der Verein 2011 überhaupt über solches ein Vermögen verfügte, lag an der Großzügigkeit der Stadt, die die Kleintierzüchter „zwangsumsiedelte“, weil auf ihrem angestammten Areal am Buchhügel das neue Polizeipräsidium entstehen soll. Insgesamt 400.000 Euro wurden für eine Ausstellungshalle zugesichert. Das Geld sollte vom Budget der Stadtwerke-Tochter OPG je nach Baufortschritt in mehreren Raten auf das Vereinskonto fließen. Ausführende Firma war die Obertshausener Rudolf Bau GmbH, die wie vereinbart 2011 mit dem Rohbau begann. Irgendwann jedoch stellte Rudolf die Arbeiten ein: außer einem Kleckerbetrag von 8950 Euro kam von den Züchtern kein Geld rüber.

Akribisch liest Richter Lothar Happel alle 52 angeklagten Fälle vor. Von April bis Ende Dezember 2011 hob M. zwischen 300 und 6000 – und einmal 50 000 Euro – vom Vereinskonto ab. Manchmal ging er mehrmals am Tag zum Geldautomaten. „Ich hab das nicht als Untreue empfunden, sondern nur zweckentfremdet“, verteidigt sich M. vor Happel, den er ehrfürchtig mit „Hohes Gericht“ anredet. „Ich habe überall Löcher gestopft.“ Bereits als er das Amt 2005 übernahm, habe der Verein mit 20.000 Euro in der Kreide gestanden. „Ich hatte mit der Firma Rudolf eine Vereinbarung getroffen, dass er uns die Halle für 300.000 fertig macht. Den Rest des Geldes von der Stadt wollte ich da reinbuttern, wo es notwendig war!“ Auch seine eigenen Ersparnisse aus Altersvorsorge und bescheidenem Erbe habe er auf diese Weise „zweckentfremdet“.

Selbst wenn dies alles der Wahrheit entsprechen sollte, hätte M. sich trotzdem der Untreue schuldig gemacht. Denn das Geld war zweckgebunden und durfte nicht ohne Vereinsbeschluss für anderes verwendet werden. Während des 15-minütigen Vortrags von M. rutscht dem Richter denn auch zweimal eine Kommentierung mit dem Wort „Märtyrer“ heraus, denn M. scheint nach wie vor jegliches Unrechtsbewusstsein für sein eigenmächtiges Handeln zu fehlen. Dass er auch in zweiter Instanz wohl keine Chance auf mildernde Umstände gehabt hätte, scheint M. zu spüren. Mit den Worten „Ich bin froh, dass das jetzt zu Ende ist“ zieht er die Berufung zurück. Sein Herz arbeite nur noch zu 30 Prozent, er sei sehbehindert und Diabetiker. Er wolle jetzt das Gefängnis überstehen und danach noch „ein paar Tage“ in seinem Elternhaus in der Rhön verbringen.

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