Bestechungs-Prozess hat begonnen

Ex-Mitarbeiter von MAN Roland mit Millionen geschmiert

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Symbolbild

Offenbach - Ein Prozess gegen ehemalige Mitarbeiter des Offenbacher Druckmaschinenherstellers MAN Roland begann gestern mit beinahe einjähriger Verzögerung. Vor dem Darmstädter Landgericht werden die Bestechungen und Veruntreuungen nun aufgearbeitet. Von Silke Gelhausen-Schüßler 

Ursprünglich sollte der Prozess im Mai letzten Jahres geführt werden. Weil ein Richter der Wirtschaftsstrafkammer erkrankt war, musste die Verhandlung gegen MAN Roland ausgesetzt werden. Für eine Verjährung der Taten reicht das noch nicht aus: Vor Gericht geht es um aufgedeckten Bestechungen und Veruntreuungen zwischen 2005 und 2007. Damals soll es bei Vertriebs- und Abteilungsleitern inklusive Vorstand gängige Arbeitspraxis gewesen sein, Druckmaschinenaufträge durch Schmiergeldzahlungen an Land zu ziehen. Eine eigene Vertriebstochter, die Firma Votra in Lausanne, soll dazu gedient haben, die Gelder freizusetzen.

Insgesamt rund vier Millionen Euro Firmengelder sollen auf ein Schweizer Bankkonto geflossen und von den Angeklagten zur Bestechung potenzieller Käufer veruntreut worden sein. Völlig unspektakulär ging gestern der Prozessauftakt vonstatten. Alle sechs Angeklagten im Saal zehn des Darmstädter Landgerichts zeigten sich von ihrer kooperativen Seite, indem sie nach Verlesung der Anklageschrift ein Rechtsgespräch anregten. Sowohl die Oberstaatsanwaltschaft als auch die 18. Strafkammer ließen sich darauf ein. Schon nach 30 Minuten Verhandlungsdauer wurde das Ergebnis verkündet: Im Falle geständiger Einlassungen sollen die ehemaligen führenden Mitarbeiter mit zwischen 14 Monaten und zwei Jahren Haft auf Bewährung davon kommen, andernfalls droht ein Einsitzen in der JVA von zwei Jahren und drei Monaten bis zu zwei Jahren und neun Monaten.

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Alle sechs Angeklagten ließen sich auf den Deal ein und packten aus. Auch das ehemalige Vorstandsmitglied Gerd F. (58) aus Neusäß gibt zu, er habe von den unlauteren Vorgängen gewusst. Der 61-jährige Georg Sp. wird als Haupttäter angesehen. Er war in den Nullerjahren als Bereichsleiter Controlling in Offenbach tätig und erinnert sich gut an den Alltag bei MAN Roland. Der Vorsitzende Richter Thomas Hanke fragt nach dem Motiv für die Schmiergeldzahlungen – firmenintern „Sonderprovisionen“ genannt – woraufhin Sp. ein „ehrwürdiges“ Motiv anführt: „Es war ein hartumkämpfter Markt und die ersten Anzeichen der Krise waren nicht zu übersehen. Wir hatten vier- bis fünftausend Mitarbeiter in Augsburg und Plauen!“ Hanke: „Ihnen war aber bewußt, dass dieses Vorgehen illegal war?“ Das bejaht Sp. klar.

Alwin St. (53) wurde Anfang 2005 Regionalvertriebsleiter. Auch er bestätigt, dass der Vorstand entgegen der Aussage von F. involviert war. „Die Verwendung der Beraterhonorare war klar, auch dem Vorstand. Sonst hätte der mal nachgefragt, als er die Unterlagen gesichtet hat!“ Diese so genannten Beraterhonorare wurden von der Tochterfirma Votra an das Mutterunternehmen in Rechnung gestellt, Beraterleistungen gab es dafür aber keine. Sie dienten nur dazu, die Schmiergelder auf das Schweizer Konto zu überweisen, von dem aus sie gleich wieder in bar abgehoben und von den deutschen Vertriebsleuten in einem DIN A5-Umschlag auf dem Rückweg „re-importiert“ wurden.

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Ein finanzieller Schaden scheint dem Unternehmen durch die Zahlungen nicht entstanden zu sein, denn die Bestechungsgelder wurden geschickt in die Käufer-Kalkulationen unter der Position „Beraterkosten“ mit eingepflegt. Und die seien auch in Höhe von 125 000 Euro durchaus realistisch gewesen. Vertriebsleiter St.: „Bei einer Druckmaschine von mehreren Millionen Euro können solche Kosten zum Beispiel für Planungsleistungen und Gewerkeoptimierung anfallen.“ Als weitere Beschuldigte sitzen Klaus J. (67), Dirk R. (45) und Bernhard B. (58) auf der Anklagebank. Der Prozess soll laut Richter Hanke am nächsten Montag beendet sein.

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