Kriminell Kredite vergeben

Haft für Ex-Mitarbeiterin der Städtischen Sparkasse

Offenbach - Das Amtsgericht hat gestern eine ehemalige Mitarbeiterin der Städtischen Sparkasse wegen Betrugs und Untreue zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre beantragt , die Verteidigung Freispruch gefordert. Von Matthias Dahmer 

Die Verurteilte geht wahrscheinlich in Berufung. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Manfred Beck sah es aufgrund der Zeugenaussagen als erwiesen an, dass sich die bis dahin unbescholtene 29-jährige Bahar M., die in der Filiale am Starkenburgring als Kreditsachbearbeiterin tätig war, in insgesamt 13 Fällen des gewerbsmäßigen Betrugs und der Untreue schuldig gemacht hat.

Im Zusammenspiel mit Hintermännern, welche die Geschäfte einfädelten, und den äußerst klammen Kreditnehmern, die nie die Absicht hatten, die Beträge zurückzuzahlen, hat die 29-Jährige von August 2011 bis November 2012 jeweils Kredite bis maximal 15.000 Euro bewilligt – bis zu dieser Summe durfte sie allein entscheiden. Zu diesem Zweck hatte sie unter anderem Angaben in den Antragsformularen gefälscht. Einen Teil des Geldes hat Bahar M. nach Überzeugung des Gerichts als „Gebühr“ für sich behalten. Die Sparkassen-Filiale am Starkenburgring, das war im Verlauf des mehrtägigen Prozesses deutlich geworden, galt seinerzeit in gewissen Kreisen offenbar als Geheimtipp, wenn es darum ging, schnell und leicht an Geld zu kommen.

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„Leicht an Geld zu kommen“

Von den ursprünglich 17 angeklagten Fällen flossen letztlich 13 in die Verurteilung ein, der Rest wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft gestern eingestellt. Der Schaden der Sparkasse war zunächst auf mehr als 300.000 Euro beziffert worden. Mit einigen der Darlehensnehmer waren nach Kündigung der Kredite Sondevereinbarungen zur Rückzahlung getroffen worden. In wenigen Fällen wurde die jeweilige Summe komplett, in einigen zum Teil beglichen. Aktuell beläuft sich der Schaden der Sparkasse deshalb auf 255.000 Euro.

Während die Staatsanwältin der Angeklagten eine hohe kriminelle Energie bescheinigte, sah der Verteidiger von Bahar M. seine Mandantin als Opfer: Sie sei einem Betrügerring aufgesessen und habe überhaupt kein Motiv für die Taten gehabt. Dieser Einschätzung wollte das Schöffengericht nicht folgen. „Dann hätten alle Zeugen sich absprechen und lügen müssen. Das ist nicht wahrscheinlich“, sagte Beck. Im Übrigen, so der Richter weiter, hätte eine Falschaussage für die teils schon wegen Kreditbetrugs verurteilten Zeugen nur Sinn gehabt, wenn sie sich damit vollständig entlastet hätten.

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Manfred Beck wollte nicht ausschließen, dass die nicht vorbestrafte und bis dahin korrekt arbeitende Bahar M. in die ganze Sache hineingeschlittert ist. Über das Warum könne man nur rätseln. Möglicherweise sei es Freundschaft oder Liebe zu einem der Hintermänner gewesen. Sicher sei jedoch: Nachdem Bahar M. die ersten Kredite auf die Weise vergeben habe, hätten die Hintemänner sie im Griff gehabt. Für eine Bewährungsstrafe sah Manfred Beck keinen Spielraum mehr.

Die 29-Jährige mit deutschem Pass war im Mai 2010 von der Deutschen Bank zur Sparkasse gewechselt. Dass ungewöhnlich viele der von ihr vergebenen Kredite notleidend wurden, fiel Anfang 2012 auf. Kurz darauf wurde via interner Anweisung die Praxis geändert, bei den bewilligten Anträgen auf private Kleinkredite auf Kopien von Arbeitsverträgen und Gehaltsbescheinigungen zu verzichten. Anzeige gegen Bahar M. erstattete die Sparkasse nachdem ein Kreditnehmer mit seinem Anwalt dort erschien war und geschildert hatte, wie es in seinem Fall gelaufen war.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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