Prozess gegen Ex-Mitarbeiterin der Städtischen Sparkasse

„Leicht an Geld zu kommen“

Offenbach - Die Sache dürfte bei der Städtischen Sparkasse mächtig Staub aufgewirbelt haben: Eine ehemalige Mitarbeiterin soll gegen Bestechung Kredite an nicht kreditwürdige Kunden vergeben haben. Schaden: Insgesamt 308.000 Euro. Von Matthias Dahmer 

Der Fall wird seit gestern vor dem Amtsgericht verhandelt. Angeklagt sind die 29 Jahre alte Bahar M., ehemalige Kreditsachbearbeiterin der Sparkasse in der Filiale am Starkenburgring, sowie der Libanese Said K. (27) und der Kroate Goran M. (28), die beide Kredite von Bahar M. erhalten haben sollen. Laut Staatsanwaltschaft soll das Ganze so funktioniert haben: Die seriös wirkende 29-jährige Hauptangeklagte mit deutschem Pass hat von August 2011 bis November 2012 in insgesamt 17 Fällen im Zusammenspiel mit den jeweiligen Kreditnehmern Beträge bis maximal 15.000 Euro bewilligt – bis zu dieser Summe durfte sie offenbar allein entscheiden. Einen Teil dieser Summe, welche dann nicht zurückgezahlt wurde, hat Bahar M. kassiert.

Zu diesem Zweck, so die Anklage, hat sie die Angaben in den Formularen gefälscht. So wurden etwa Beruf und Gehalt frei erfunden, teilweise sind den Anträgen fingierte Bescheinigungen beigelegt worden. Von der von ihr bewilligten Kreditsumme gingen dann sofort bis zu 10 000 Euro in bar direkt an die windigen und zum großen Teil mittlerweile schon verurteilten Kreditnehmer. In einigen Fällen sind bis zu 2 000 Euro als Sicherheit für die ersten Raten auf einem Konto verblieben, den jeweils variierenden Rest des Geldes erhielt Bahar M. Die Mitangeklagten räumen gestern die ihnen zur Last gelegte Beihilfe zur Untreue ein. Beide berichten übereinstimmend, dass sie über Mittelsmänner an Bahar M. gekommen seien. Die Filiale am Starkenburgring galt seinerzeit offenbar in gewissen Kreisen als Geheimtipp: „Über Bekannte habe ich erfahren, dass ich dort leicht an Geld kommen kann“, sagt Said K., der wegen anderer Delikte derzeit in Haft sitzt. Noch wenige Tage vor der Kreditvergabe im September 2011, merkt Richter Manfred Beck an, habe der drogen- und spielsüchtige K. einen Offenbarungseid geleistet.

Er und Goran M. geben an, Bahar M. habe in der Bank alles für sie erledigt. Sie hätten weder Sicherheiten noch irgendwelche Belege vorweisen müssen. Auch die Termine am Starkenburgring seien wohl über die Mittelsmänner ausgemacht gewesen. Dass Bahar M. direkt Geld genommen habe, wollen die beiden Angeklagten indes nicht gesehen haben. Said K. will nur beobachtet haben, wie bei der Geldausgabe ein Umschlag auf dem Schreibtisch der angeklagten Sachbearbeiterin gelandet sei. Den anderen mit 10.000 Euro darin habe er mitgenommen. Goran M., der damals von Hartz IV lebte und mittlerweile den Kredit zurückzahlt, sagt aus, er habe zunächst 12.500 Euro in bar mitgenommen, einen Tag später jedoch 2500 Euro dem Mittelsmann übergeben, der es an Bahar M. weiterleiten wollte.

Die Tricks der Daten-Hacker

„Mir war bewusst, dass bei diesem Geschäft ein bestimmter Betrag rüberwandern musste. Ich war ja finanziell gar nicht in der Lage, den Kredit zurückzuzahlen“, so der Kroate. Was die Angaben auf dem Kreditformular anging, betont er, ihm sei völlig egal gewesen, was darauf gestanden habe. „Man hätte beim Beruf auch Stewardess reinschreiben können. Ich wollte nur das Geld.“ Wie der Betrug letztlich aufflog, kam gestern nicht zur Sprache. Vermutlich fiel irgendwann der Innenrevision der Sparkasse auf, dass die Kredite notleidend waren. Der Anwalt von Bahar M. fand gestern – vermutlich auch aus prozesstaktischen Gründen – deutliche Worte zum damaligen System der Kreditvergabe bei der Städtischen Sparkasse: Wegen der mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen seien dort dem Kreditbetrug Tür und Tor geöffnet gewesen. Mit Verweis auf das laufende Gerichtsverfahren wollte sich die Sparkasse gestern zu diesem Vorwurf nicht äußern.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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