Expedition ins Tierreich

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Die Stühle im Sitzungssaal des Rathauses reichten nicht aus. Mehr als 250 Schüler waren der Einladung von Stadtschülerrat sowie Kinder- und Jugendparlament zu einer Diskussion mit den Oberbürgermeister-Kandidaten gefolgt. Am Ende war das am 4. September noch nicht wahlberechtigte Publikum zur OB-Wahl aufgerufen. Ergebnis: SPD Amtsinhaber Horst Schneider machte mit rund 65,5 % der Stimmen eindeutig das Rennen. Es folgten Birgit Simon (Grüne) mit 18,5%, Peter Freier (CDU) mit 9,8 % und Uwe Kampmann (parteilos) mit 6,2 %.

Offenbach - „Mathe kann man beim Abitur nicht mehr abwählen. Da müssen mittlerweile alle durch. Viel Glück, Herr Freier“. Von Matthias Dahmer

Der souveräne Moderator mit der Zahnspange, der stellvertretende Stadtschulsprecher Andre Veit, macht dem Oberbürgemeister-Kandidaten der CDU höflich, aber unmissverständlich klar, dass er keine Chance hat zu kneifen. Freier, der zuvor keinen Hehl daraus gemacht hat, dass Mathe nicht unbedingt zu seinen Lieblingsfächern in der Schule gezählt hat, fügt sich in sein Schicksal, schafft in den vorgegeben sieben Minuten immerhin einen Teil der nicht einfachen Aufgaben.

Das Abfragen von Schulwissen gehört als Auflockerung zum Programm, das sich das Team um Stadtschulsprecher Philipp Despot und Vize Veit für gestern Vormittag ausgedacht hat. Im großen Sitzungssaal des Rathauses, dort, wo sonst das Stadtparlament tagt, fühlen Schüler den vier OB-Kandidaten auf den Zahn. Mehr als 250 von ihnen und ein knappes Dutzend Lehrer sind der Einladung von Stadtschülerrat sowie Kinder- und Jugendparlament gefolgt. Dass die noch nicht wahlberechtigte Zukunft der Stadt die Diskussionsveranstaltung nicht lediglich als unterrichtsfreie Zeit ansieht, beweisen die vielen gezückten Schreibblöcke und Kugelschreiber.

Erfrischend frei von politischen Ritualen und Parteizwängen, bringen einerseits die jungen Fragesteller ihren Blickwinkel den Kandidaten näher. Andererseits sind die bemüht, verständlich die politischen Zusammenhänge zu erklären.

Ratlosigkeit auf den Rängen

Das gelingt nicht immer. Begriffe wie „Landesausgleichsstock“ oder „politische Adaption“ lassen schon mal Ratlosigkeit auf den Rängen aufkommen. Meist jedoch ist die Botschaft klar: Der Sparzwang lässt nicht viel Spielraum in Offenbach, das machen alle vier in unterschiedlicher Intensität deutlich. Lediglich bei den Schulen und den Kitas sollen keine Abstriche gemacht werden.

Während für CDU-Mann Peter Freier die Zeit für Versprechungen vorbei ist, kann sich Amtsinhaber Horst Schneider (SPD) noch das eine oder andere Projekt vorstellen. So etwa die Umgestaltung des Marktplatzes oder weitere Kunstrasenplätze am Wiener Ring und auf der Rosenhöhe. Birgit Simon (Grüne) würde bei der „Gewichtung umsteuern“. Nach Schulen und Kitas ist für sie der Klimaschutz wichtig, müsse zudem mehr in die Erhaltung und Sanierung des Bestehenden investiert werden. Der parteilose Kandidat Uwe Kampmann möchte in einem Offenbach, das „so gut wie pleite ist“, gerne „die Menschen bewegen und motivieren“.

Erhöhte Aufmerksamkeit ist Jessica aus der Albert-Schweitzer-Schule sicher, als sie befürchtet, dass der Beach-Club auf der Hafeninsel der Bebauung zum Opfer fällt. Während OB Schneider das vehement bestreitet und mit dem Satz „dort könnt ihr chillen bis ihr 30 seid“ Applaus bekommt, will Bürgermeisterin Simon von der städtischen Mainviertel GmbH, die für die Entwicklung des Hafens zuständig ist, andere Signale erhalten haben.

Schneider wirbt für Menschenkette

Fürs junge Publikum ist das ähnlich unbefriedigend wie die Antworten zum zunehmenden Fluglärm, die ein Rudolf-Koch-Schüler unter Applaus einfordert. Der Ausbau sei eine schlechte Entscheidung des Landes für Offenbach gewesen, räumt Horst Schneider ein. Die Stadt klage dagegen und zumindest könne die Erwartung gehegt werden, dass es nachts nur noch 17 Flüge gebe. Birgit Simon weist darauf hin, dass die Grünen für null Flüge in der Nacht seien, im Übrigen werde sie sich in Sachen Fluglärm weiter für „Entlastung und Verteilung“ einsetzen. Schneider wirbt bei den Schülern zudem für die Beteiligung an der für den 17. September geplanten Offenbacher Menschenkette gegen den Flughafenausbau. „2500 Leute brauchen wir. Also, alle mitmachen.“

Gleich zu Beginn der Podiumsdiskussion ist von den Kandidaten nicht bekanntes Wahlprogramm, sondern Kreativität gefragt: „Wenn ich ein Tier wäre - welches wäre ich und warum“ lautet die Eingangsfrage.

Peter Freier entscheidet sich für den Tiger. Ein schönes, anmutiges Tier, das ihn schon immer fasziniert habe, sagt der CDU-Kandidat. Politisch wolle er diese Entscheidung aber nicht verstanden wissen.

Für Uwe Kampmann ist klar: „Ich würde fliegen.“ Eine Möwe oder ein Condor zu sein, das könnte er sich vorstellen.

Ausführlicher erläutert Horst Schneider, warum er den Elefanten favorisiert: Der habe ein gutes Gedächtnis, sei ein Herdentier und besitze Ausdauer. „Alles, was man braucht, um einen Laden wie die Stadt Offenbach zusammenzuhalten“, meint Schneider.

Das Zebra hat es Birgit Simon angetan: Das sei ein bisschen wild, habe seinen eigenen Kopf, lebe in freier Natur aber dennoch in der Herde, beschreibt die Grünen-Politikerin.

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