Anleger kaufen Fonds oft zum falschen Zeitpunkt

Experten: Nicht überschätzen

Dreieich/Neu-isenburg - Gehören Sie zur besseren Hälfte der Autofahrer? Vermutlich bejahen Sie diese Frage, wie so viele andere auch. Das Ergebnis eines Experiments aus dem Jahre 1999, welches in den USA und Kanada durchgeführt wurde, sorgte für großes Aufsehen.

In dem Experiment wurde Autofahrern ebenfalls die Frage gestellt. 93 Prozent schätzen sich für überdurchschnittlich gut ein. Besonders Männer und jüngere Kandidaten neigten zu einer extrem positiven Bewertung. Was hat dieses Experiment mit Kapitalanlagen zu tun? „An der Börse glauben viele Anleger, ebenfalls zu den Besten zu gehören und versuchen daher den Markt zu schlagen. Oftmals endet das reale Experiment mit schmerzhaften Verlusten“, erklärt Guido vom Schemm, geschäftsführender Gesellschafter der GVS Financial Solutions GmbH mit Sitz in Dreieich. Gier und Selbstüberschätzung seien zwar menschliche Charakterzüge, aber an den Börsen fehl am Platz. „Die Masse der Anleger kauft und verkauft häufig zum falschen Zeitpunkt“, sagt Frank Haser von der gleichnamigen Vermögensverwaltung aus Neu-Isenburg.

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Auswertungen der Fondsindustrie würde diese These untermauern. An den Nettomittelzuflüssen in Aktienfonds Ende der neunziger Jahre lasse sich dies gut ablesen. Der Höhepunkt an Nettofondskäufen sei im Jahr 2000 gewesen, kurz vor dem Absturz. Der Rest ist Geschichte. „Sind aber nur Privatanleger von diesem Phänomen betroffen?“, fragen die Vermögensverwalter. Mitnichten. „Professionelle Fondsmanager und ihr Analystenheer versuchen ihre jeweilige Benchmark, also eine Vergleichsgröße wie beispielsweise den Dax für deutsche Aktienfonds, zu schlagen.“ Laut Auswertungen von iShares schafften dies knapp 28 Prozent aller Fondsmanager bezogen auf ein Jahr. Über drei Jahre hinweg sei dies lediglich knapp 5 Prozent gelungen. Die Fähigkeiten vieler Fondsmanager würden überschätzt.

„Ein Blick auf die Rangliste der besten Fonds im letzten Jahr reicht nicht aus. Die Perlen unter den Fonds findet man eher bei unabhängigen Fondsboutiquen mit einem klar definierten Investmentansatz“, erklärt vom Schemm. „Diese Fonds werden jedoch in den seltensten Fällen am Bank- oder Sparkassenschalter angeboten.“

Ein weiter Fauxpas sei der ständige Vergleich mit anderen Anlegern. „Wer kennt es nicht aus Gesprächen mit Kollegen oder Freunden, das Phänomen dieser Leute, die an der Börse stets gewinnen“, berichtet Haser. „ Ignorieren Sie getrost diese Märchen.“ In der Theorie, aber auch in der Praxis, liege der Gewinn im Einkauf. Auch an der Börse. Am Beispiel des Kurs-Gewinn-Verhältnisses, kurz KGV, lasse sich dies erklären. „Die besten Anlageergebnisse sind bei KGVs kleiner 8 zu erzielen, knapp 13 Prozent Ertrag pro Jahr über 15 Jahre. Bei KGVs größer 20 schmilzt die Rendite auf knapp 4 Prozent pro Jahr zusammen“, erklärt vom Schemm. „Derzeit steht der deutsche Leitindex Dax bei einem moderaten KGV von 13,5.“ Was können Privatanleger also aus den empirischen Daten lernen, um ihre Chancen an den Börsen zu steigern? Folgende Regeln sollten beim Investieren möglichst beherzigt werden.

1. Versuchen Sie nicht, den Markt zu schlagen.

2. Kaufen Sie bei Fonds ein schlüssiges Konzept und nicht vergangene Rendite.

3. Fehler sind erlaubt, lernen Sie aber aus ihnen.

4. Dokumentieren Sie Ihre Investmententscheidungen und Strategie schriftlich.

5. Übrigens, Frauen sind die besseren Börsianer, da sie bewusster und konservativer anlegen als ihr männliches Pendant. „Überlassen Sie deshalb die Vermögensanlage gern mal Ihrer Partnerin“, sagen die Experten.

Wie man systematisch und diszipliniert den Gewinn steigern kann, erfahren Leser im nächsten Teil der Serie.

ku

Rubriklistenbild: © dpa

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