Was machen Muslime im Ramadan?

Extreme Temperaturen füllen die Notaufnahme

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Das Thermometer steigt wohl auf über 38 Grad...

Offenbach - Rekordtemperaturen auch in Offenbach: Der Deutsche Wetterdienst hat für die kommenden Tage eine Hitzewarnung herausgegeben. Für heute, Samstag und Sonntag wird eine extreme Wärmebelastung mit gefühlten Temperaturen von mehr als 38 Grad erwartet. Von Veronika Schade

In der Notaufnahme des Sana-Klinikums macht sich die Hitze bemerkbar. „Wir haben einen relativ hohen Zustrom an Patienten, die mit wetterbedingten Beschwerden zu uns kommen“, sagt Chefarzt Dr. Daniel Kiefl. Es kämen etwa 20 Prozent mehr Patienten als sonst, auch der Rettungsdienst und die Notärzte des Klinikums seien „dauerhaft im Einsatz“. Der „Klassiker“ ist dabei laut Kiefl Flüssigkeitsmangel: „Gerade älteren Menschen fehlt oft das Durstgefühl.“ Aber auch jüngere Menschen mit Kreislaufstörungen oder Ohnmachtsanfällen seien darunter – und es komme häufiger zu Atembeschwerden. „Das liegt an der höheren Ozonbelastung“, erklärt der Chefarzt. Kleine Kinder verzeichnet er zurzeit häufiger als sonst in der Notaufnahme: Ihre Körper überhitzen besonders schnell.

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Schattige Orte aufsuchen, körperliche Belastung meiden und vor allem ausreichend trinken – das sind die unentbehrlichen Verhaltensregeln. „Es sollten keine zuckerhaltigen Getränke sein“, rät Kiefl. „Am besten sind Mineralwasser oder stark verdünnte Saftschorlen.“ Ein Teil der Offenbacher Bevölkerung aber verzichtet derzeit bewusst auf das wichtige Trinken. Die Muslime begehen seit 18. Juni ihren Fastenmonat Ramadan. Dem Propheten Mohammed ist in dieser Zeit der Koran offenbart worden. Von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang dürfen sie keine Nahrung und Flüssigkeit zu sich nehmen. Sind sie zurzeit besonders häufige Gäste in der Notaufnahme?

„Die Bevölkerungsstruktur Offenbachs spiegelt sich in unseren Patienten wieder“, sagt der Chefarzt. Einen Anstieg an Notfällen, die dem Ramadan anzulasten wären, beobachtet er aber derzeit nicht. „In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Kreislauf-Fälle, die darauf zurückzuführen sind“, berichtet er. Probleme bei der Behandlung der Patienten ergaben sich daraus nicht. „Kranke dürfen Nahrung zu sich nehmen. Auch Infusionen und Medikamente.“

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Das bestätigt Abdelkader Rafoud, Vorsitzender des Offenbacher Ausländerbeirats und selbst Muslim: „Es ist im Koran durch klare Klauseln geregelt, wem es erlaubt ist, nicht zu fasten.“ Das sind Kinder, alte, kranke und schwache Menschen, Reisende, Schwangere, Wöchnerinnen und menstruierende Frauen. Wer nicht fastet, kann die versäumten Tage zu einem späteren, geeigneteren Zeitpunkt nachholen. „Oder man spendet als Ausgleich Geld für Notleidende“, sagt Rafoud. Hierzulande liege der Richtwert für eine Spende bei drei bis fünf Euro pro Tag.

Von gesunden Erwachsenen werde erwartet, ihre religiöse Pflicht zu erfüllen, die Bestandteil der fünf Glaubenssäulen des Islams ist. Die meisten versuchen sie deshalb trotz Hitze einzuhalten. „Aber nicht um jeden Preis“, betont der Ausländerbeiratsvorsitzende. Die Gesundheit gehe vor – dies könne ebenfalls im Koran nachgelesen werden. Ein Arzt dürfe stets aufgesucht werden. Bevor jemand Schaden nehme, dürfe er das Fasten beenden.

Zwei Wochen noch sollten die Muslime durchhalten: Vom 17. bis 19. Juli ist das große Fastenbrechenfest. Bei welchen Temperaturen, das wird sich noch zeigen...

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