„Ich habe auch ständig an mir gearbeitet“

Fabian Hambüchen wirbt am neuen Offenbacher Grundbildungszentrum für Kurse gegen Lese- und Schreibschwächen

Paul-Gerhard Weiß und Fabian Hambüchen verfolgen das gleiche Ziel: die Alphabetisierung voranbringen. Kurse werden im Grundbildungszentrum angeboten.
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Paul-Gerhard Weiß und Fabian Hambüchen verfolgen das gleiche Ziel: die Alphabetisierung voranbringen. Kurse werden im Grundbildungszentrum angeboten.

Turn-Olympiasieger Fabian Hambüchen setzt sich nach eigener Aussage mit Herzblut dafür ein, dass die Zahl der Menschen, die nicht richtig lesen und schreiben können, langfristig sinkt. Als hessischer Botschafter für Alphabetisierung und Grundbildung verfolgt er diese Mission seit knapp drei Jahren – mit ersten Erfolgen.

Offenbach – Laut einer Studie der Universität Hamburg von 2018 gebe es in Deutschland 6,2 Millionen erwerbsfähige Menschen, die gering literarisiert sind. 2011 habe die Zahl bei ungefähr 7,5 Millionen Menschen gelegen. Trotz der um 1,3 Millionen Menschen reduzierten Zahl, haben 12,1 Prozent der deutschen Bevölkerung weiterhin Defizite. Auf Offenbach bezogen sind das etwa 11 000 Menschen, die Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben haben.

Am gestrigen Weltalphabetisierungstag, der unter dem Motto „Mach Dich stolz! Trainiere Lesen und Schreiben“ steht, tourte Hambüchen durch Hessen, um weiter auf das Thema aufmerksam zu machen. Er besucht drei neue Grundbildungszentren: in Offenbach, Hanau und Friedberg. Das Grundbildungszentrum ist in den Räumen der Volkshochschule an der Berliner Straße untergebracht. Das Zentrum kann, da es für die nächsten drei Jahre aus Mitteln des europäischen Sozialfonds und von dem Land Hessen finanziert wird, kostenlose Kurse zur Verbesserung der Lese-, Schreib- und Rechenfähigkeiten anbieten, die das bereits bestehende Programm der Vhs ergänzen.

Olympiasieger Fabian Hambüchen macht auf die Intelligenz der Teilnehmer aufmerksam

Zur Einweihung waren neben dem Star-Turner auch Vertreter der Kooperationspartner des Grundbildungszentrums, Vertreterinnen des Kultusministeriums, der Offenbacher Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß sowie Teilnehmer der Grundbildungskurse der Vhs eingeladen, an einer speziell für diesen Tag vorbereiteten Bildungsolympiade teilzunehmen. In drei Stationen wird die Arbeit des Grundbildungszentrums vorgestellt. Ob Lernen mit dem Tablet, Übungen zum Rechnen und Schätzen oder zur Wortbildung: In jedem Bereich werden Kurse angeboten. Den Mitarbeitern des Grundbildungszentrums ist es wichtig zu vermitteln, dass die Menschen, die eine Schwäche haben, nicht dumm sind. Vielmehr seien sie oft besonders schlau und denken sich Möglichkeiten aus, ihre Mängel auszugleichen und Problemsituationen zu umgehen. Hambüchen: „Es fängt schon morgens bei der Frage an: Wie viel Geld muss ich mitnehmen? Das ist nicht leicht zu sagen, wenn es schwerfällt, Zahlen einzuschätzen.“ Trotzdem sei das kein Grund, sich tatenlos zu fügen: „Kein Mensch ist perfekt. Aber man kann immer an seinen Schwachpunkten arbeiten, das habe ich als Sportler auch gemacht.“

Von Theresa Ricke

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