Wo Seife hergestellt wird, entstehen Wohnungen

Fabrik weicht Kappus-Höfen

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So soll’s aussehen: Gruppiert um drei hintereinander liegende Innenhöfe zwischen Luisen- und Ludwigstraße, hat Architekt Thomas Albrecht zwölf Häuser entworfen. Für 81 Millionen Euro errichtet die Firma Kondor Wessels dort 310 Wohnungen, je zur Hälfte zum Eigentumserwerb und zur Miete.

Offenbach - Die Tage der Seifenproduktion in der City sind gezählt. Noch in diesem Jahr verlagert die Firma Kappus Mitarbeiter und Maschinen ins Industriegebiet Waldhof. Von Markus Terharn 

Nach Abriss der Fabrik an Luisen- und Ludwigstraße zieht der Investor Kondor Wessels bis 2020 das Wohnprojekt Kappus-Höfe hoch. Einen Seitenhieb kann sich Wolfgang Kappus nicht verkneifen. In 168 Jahren habe es die Stadt nicht geschafft, eine Straße nach dem Betrieb zu benennen, den Urgroßvater Martin Kappus 1848 auf damals grüner Wiese gründete. Jetzt verewigen er als vierte und Tochter Patricia Kappus-Becker als fünfte Generation den Familiennamen auf dem Stadtplan: Kappus-Höfe heißt das neue Stadtviertel, das binnen vier Jahren auf dem Areal entsteht. „Der Schritt ist uns schwer gefallen“, räumt Kappus ein. „Wir machen das nur, weil wir einen Investor und einen Architekten gefunden haben, deren Konzept uns so überzeugt, dass wir guten Gewissens unseren Namen dafür geben können.“ Eine „Duftmarke“ wolle man setzen.

In dieser Halle im Gewerbegebiet Bieber-Waldhof, wo einst das Logistikunternehmen Dachser seine Fahrzeuge unterstellte, will Kappus künftig Seifenstücke produzieren.

Investor ist der niederländisch-deutsche Baukonzern Kondor Wessels (Berlin). Geschäftsführer Leo W. A. de Man führt aus: „Wir bauen 310 Wohnungen mit zwei bis vier Zimmern, zwischen 45 und 110 Quadratmetern, einige vielleicht sogar größer.“ Die Kaufpreise setzt de Man zwischen 3200 und 4000 Euro pro Quadratmeter an, einer der 235 Stellplätze in der Tiefgarage koste 20.000 Euro. Von den zirka 150 Mietwohnungen sind zur Geleitsstraße hin 43 sozial geförderte. Die Mieten liegen zwischen zehn und zwölf, in den geförderten Wohnungen bei sechs beziehungsweise 8,90 Euro. Der Architekt ist Thomas Albrecht vom renommierten Büro Hilmer & Sattler und Albrecht (München/Berlin). Er überplant die 17.330 Quadratmeter mit zwölf Häusern, die sich um drei begrünte Innenhöfe gruppieren. Auf 25 .400 Quadratmetern Wohnfläche sollen 700 bis 800 Menschen ein schönes Zuhause finden, mit viel Tageslicht, Balkon oder Dachterrasse, gestaltet mit typischen Materialien für die Region wie weißem Putz oder rotem Mainsandstein.

Ihr Investitionsvolumen beziffert die Firma auf 81 Millionen, Angaben über den Kaufpreis des Grundstücks gibt es nicht. Auch nicht über die Kosten der Verlagerung von Kappus auf das 20 .000-Quadratmeter-Gelände an der Carl-Legien-Straße in Waldhof, das die Spedition Dachser 2015 verlassen hat. „Wir wollen mit allen 300 Mitarbeitern und allen Maschinen im Lauf dieses Jahres umziehen“, bekräftigt Kappus. Der alte Standort habe keine Zukunft mehr gehabt, weder in verkehrs- noch in produktionstechnischer Hinsicht. Der neue sei „hervorragend geeignet“, freut sich Kappus: „Wir bekommen wieder Luft zum Atmen.“

Mit jährlich 500 Millionen Stück gilt die Kappus-Gruppe als größter Seifenhersteller Westeuropas. Kleiner Wermutstropfen: Die „Seifenkiste“, der Werksverkauf an der Luisenstraße, wird geschlossen. „Das ist ein Liebhaberobjekt, das sich im Grunde nie gerechnet hat“, betont Patricia Kappus-Becker. „Auf dem eigenen Gelände kann man sich das leisten, aber wenn wir auch noch Miete zahlen müssten, wäre dieser Laden völlig unwirtschaftlich.“ Der Zeitplan: Ein erstes Teilgrundstück an der Ludwigstraße hatte Kondor Wessels bereits 2015 von Vorbesitzer Sternagel erworben. Im Januar 2016 wurde der Kaufvertrag mit Kappus über das Areal Luisenstraße 42-52 beurkundet. Dort müssen nicht nur Fabrikhallen und Büros weichen, sondern auch ein – recht neues – Wohnhaus, das den Plänen im Weg steht. Ein denkmalgeschützter Altbau bleibt aber erhalten.

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Baubeginn ist 2017, Fertigstellung soll 2020 sein. Zuvor muss das neu formierte Stadtparlament einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan beschließen. Bis Jahresende soll das geschehen sein. Dafür will Oberbürgermeister Horst Schneider sorgen, der das Projekt vorbehaltlos begrüßt; schlage es doch zwei Fliegen mit einer Klappe: „Wir bekommen hier hochwertigen Wohnraum zwischen Innenstadt und Westend – und halten ein inhabergeführtes, mittelständisches Traditionsunternehmen in Offenbach!“

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