Fabrik wird zum Museum

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Ruben Talberg mit neuem Werk vor seiner Galerie im Hinterhof der Ludwigstraße 151. Das Domizil soll als Museum fungieren, das am Dienstag, 14. Juni, 19 Uhr, offiziell eröffnet wird.

Offenbach - Von der Kunstfabrik zum Museum wandelt sich Ruben Talbergs idyllisches Domizil im Hinterhaus an der Ludwigstraße 151. Was vorher „Factory“ hieß, soll sich zur dauerhaften Einrichtung in Offenbach mausern. Von Simone Weil

Frei nach dem Motto „Galerien kommen, ein Museum bleibt“ will der Maler und Bildhauer mit diesem Schritt seine Kunst bekannter machen, bewahren, ausstellen und Möglichkeiten bieten, sie zu erforschen. „Als ein Vermächtnis, als eine Hinterlassenschaft“, wie Talberg meint.

Die Umwidmung fand bereits Anfang des Jahres statt – am Dienstag, 14. Juni, 19 Uhr, wird das Museum offiziell eröffnet. Schirmherr ist Karl-Christian Schelzke, geschäftsführender Direktor des hessischen Städte- und Gemeindebunds. Zur Eröffnung sprechen Offenbachs Bürgermeisterin Birgit Simon sowie Professor Wolfgang Henseler, Kreativ-Direktor von Sensory-Minds.

„Permanent autonome Zone des Diskurses“

Wie der 46-jährige Talberg sagt, soll sein Haus eine „permanent autonome Zone des Diskurses“ werden, die mit Sonderausstellungen auch den Blick auf zeitgenössische israelische Kunst lenken soll.

Weil er selbst Mitglied der jüdischen Gemeinde Offenbachs ist, versteht Talberg seinen Ausstellungsort eben auch „als jüdisches Museum mit großer Strahlkraft in die Region und darüber hinaus“.

Auf keinen Fall soll das mediterran wirkende Hinterhaus mit Zypresse zur heiligen und ehrfurchtgebietenden Halle mutieren. Vielmehr hat sich der Maler einiges einfallen lassen, um eine besondere Lebendigkeit und Offenheit herzustellen. So wird er noch vor der Eröffnung des Museums am kommenden Wochenende (14. und 15. Mai) am Rundgang der Offenbacher Kunstansichten teilnehmen und im kommenden Jahr auch bei der Nacht der Museen dabei sein.

Denn an der Ludwigstraße 151 ist bereits der neue abstrakte Gemäldezyklus „Abraxas“ zu sehen, in dem sich der Künstler mit der Umwandlung der Gegensätze beschäftigt. Deutlich wird die Idee der Umkehrung bereits dadurch, dass Talberg diesmal die Rückseite der Leinwand als Fläche für seine zum Teil reliefartigen Gemälde benutzt, in die kleine Zweige eingearbeitet sind.

Fabrikgebäude kann auch gemietet werden

Um die Scheu zu nehmen und Begegnungen mit zeitgenössischer Kunst zu ermöglichen, plant der Wahl-Offenbacher Workshops und Kunstkurse für Schulklassen und interessierte Bürger. Das ehemalige Fabrikgebäude soll außerdem gemietet werden können – für Empfänge, Vorträge und feierliche Anlässe für bis zu 120 Personen. Ganz neu ist die Idee des Kunstleasings, bei dem ausgewählte Werke Talbergs für mindestens sechs Monate und bis zu zwei Jahren gemietet werden können.

Das neue Museum sieht der etablierte Künstler, dessen Werke bei internationalen Messen und Auktionen angeboten werden, als eine Ergänzung des vorhandenen Angebots und nicht etwa als Konkurrenz.

Weil die private Einrichtung ohne öffentliche Mittel auskommen muss, setzt der Hausherr auf bürgerschaftliches Engagement. Die verschiedenen Spender – vom Freund über den Förderer und Partner bis zum Wohltäter und Mäzen (über 25 000 Euro im Jahr) – sollen mit Editionen und Werken zu Sonderkonditionen bedacht werden.

Neuer Geldgeber gesucht

Der international anerkannte Künstler ist vielen Bürgern durch seine Pläne für das Projekt „Jakobsleiter“ bekannt. Das 13 bis 15 Meter hohe Denkmal hätte Talberg gern auf dem Max-Willner-Platz an der Berliner Straße errichtet. Das Werk aus Stein, Stahl und Bronze sollte die Stadt Offenbach keinen Cent kosten, denn einen privaten Geldgeber hätte er gleich mitgeliefert. Doch die politischen Gremien konnten sich nicht einigen. Der Standort und das Verfahren wurden in Frage gestellt. Inzwischen ist der Sponsor der geplanten Großskulptur abgesprungen, doch die Idee ist für den Künstler noch immer nicht vom Tisch. Allerdings müsste zur Verwirklichung der Pläne noch ein neuer Geldgeber gefunden werden.

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