Lokale Agenda 21 präsentiert „Stadt-Ansichten“ im Klingspormuseum

Facetten des urbanen Lebens

Künstlerin Barbara Fahrner (links) und die Mitglieder der Lokalen Agenda 21 teilen ihre individuellen Perspektiven auf die Stadt.
+
Künstlerin Barbara Fahrner (links) und die Mitglieder der Lokalen Agenda 21 teilen ihre individuellen Perspektiven auf die Stadt.

Offenbach – Bevor das Klingspormuseum nun bis Anfang Dezember in die Zwangspause geht, hat die Lokale Agenda 21 noch die letzte Gelegenheit genutzt und unter der Überschrift „Stadt-Ansichten“ zu einem gleichermaßen unterhaltsamen wie informativen Abend inmitten der Ausstellung „Die Stadt bemerken“ geladen.

Die Veranstaltung beginnt kreativ: Die Frankfurter Künstlerin Barbara Fahrner präsentiert eine Reihe von Momentaufnahmen des urbanen Lebens aus ihrem Text-Foto-Album „ebenso“ und liest auch einige Passagen daraus vor. Kleine Alltagsbegegnungen stehen im Fokus ihre Schreibens: Da geht es um den betrunkenen Mann, der an der Bushaltestelle stürzt, um den „übergroßen Löwenzahn, der regelmäßig von Hunden angepinkelt wird“ oder den Mann, der die Mülltonnen durchsucht und nicht nur brauchbare Dinge für sich herausfischt, sondern auch unsachgemäß verstauten Müll ordentlich trennt.

Bereits bei der Planung für diesen Abend, erzählt Barbara Levi-Wach, ehrenamtliche Geschäftsführerin der Lokalen Agenda, seien sie und ihre Mitstreiter so begeistert von Fahrners Perspektive auf die Stadt gewesen, dass ihre Lesung nicht mehr wegzudenken gewesen sei.

Museumsleiter Stefan Soltek zeigt sich sehr angetan von der Kombination aus kreativen und politischen Perspektiven: „Einerseits haben wir die Künstlerin, die sich innerhalb ihrer literarischen Texte erstmals realen Angelegenheiten in einem städtischen Umfeld widmet und umgekehrt Menschen, die mit Empathie und Sachkunde ihre Stadt zum Thema machen und sich an die Form der Künstlerin annähern.“

Ihre Überlegungen und Ansichten zum Leben in Offenbach haben die Mitglieder der Lokalen Agenda im Vorfeld auf Texttafeln geschrieben, die sie bei der Veranstaltung im Klingspor zeigen. Jeweils ein Mitglied präsentiert als „Nummerngirl“, wie mehrfach gefeixt wird, das Schlagwort des momentanen Projekts, während die Kollegin die dazugehörigen Texte dazu vorträgt.

So widmet sich die Agenda Themen fast durch das ganze Alphabet, begonnen bei „A“ wie „Autokennzeichen“ bis zur „Zuwandererstadt“, bei der festgestellt wird, dass „sich in Offenbach die Welt trifft“. Auf dem Weg zu diesem Abschluss werden viele Aspekte des Stadtbildes angeschnitten und kommentiert, wie beispielsweise Bausünden aus Beton, die 1971 errichtete „Flamme“ vor dem Rathaus als symbolische Widmung für Gewaltopfer, der Werdegang des Hafens vom Umschlagplatz über Freizeitort und Industriegebiet bis zum heutigen Wohnviertel oder die Entwicklung des Kaiserleis von der Kleingartenkolonie zur Bürostadt. Mit teilweise auch kritischen Blicken auf kaputte Straßen oder auch ironischen Spitzen – „Das Wetter wird in Offenbach gemacht, der Deutsche Wetterdienst muss sich nicht aus Frankfurt melden!“ – entsteht so ein lebendiges Kaleidoskop, in das sich auch Wünsche für die Stadt mit einreihen, wie etwa das Einbeziehen der Radfahrwege in die Straßenreinigung, eine attraktive Gestaltung der neuen Treppe am Maindamm oder mehr Sicherheit bei der Überquerung von der Herrnstraße in die Fußgängerzone.

Einen ganz persönlichen Wunsch äußert Barbara Levi-Wach, um dieses Sammelsurium an Eindrücken zu bewahren: „Unsere Hoffnung ist, dass wir das zu einem Leporello machen können.“ Die Antwort von Klingspor-Chef Stefan Soltek folgt prompt: „Das können wir realisieren.“

Von Jan Schuba

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare