Suche nach Rezept gegen Beratungsklau

Fachhandel kämpft um seine Zukunft

+

Offenbach - Viele haben es schon gemacht: Sich im Fachgeschäft informiert und dann doch billiger online eingekauft. Für Ladenbesitzer ist das ein Ärgernis. Intensiv wird nach erfolgreichen Rezepten dagegen geforscht. Mit viel Selbstbewusstsein gehen die Händler ans Werk. Von Peter Schulte-Holtey

Einzelhändler klagen seit Jahren über Beratungsdiebstahl. Gemeint ist: Der Kunde lässt sich im Fachgeschäft ausführlich über Kameras, Fernseher oder Outdoor-Textilien beraten und verlangt dann die gleichen Konditionen wie im Netz – oder kauft lieber gleich online. Wie am besten damit umzugehen ist, welchen Königsweg man einschlagen sollte, darüber rätselt die Branche. Das Zusatzproblem: Längst kämpft der Einzelhandel damit, dass die Klagen über sinkende Kundenzahlen in den Geschäften zunehmen. Viele wollen die Produkte gar nicht mehr vor dem Kauf sehen; sie bestellen direkt online. Man kann die bestellte Ware ja einfach zurückschicken, wenn sie nicht gefällt. Meist kostenlos.

Doch das Internet ist für den sogenannten stationären Handel nicht nur Fluch, sondern auch Segen. Etwa ein Drittel der Käufer in den Läden hätten ihre Einkaufstouren zuvor im Internet vorbereitet, betont Sven Rohde vom Handelsverband Hessen-Süd. Nach seinen Angaben sind die Verbraucher inzwischen besser informiert: Es werden Kundenrezensionen gelesen und Produkte online verglichen, bevor der Kauf im stationären Handel folgt. Der Tipp von Rohde: „Das Risiko von Beratungsdiebstahl lässt sich durch das Angebot von Mehrwerten verringern. Das Produkt kann zu Ansicht und Probe mitgegeben werden oder Zusatzdienstleistungen wie Lieferung und Montage können ins Angebot aufgenommen werden.“ Zugleich könne die Entsorgung des alten Produktes ein wichtiger Kaufaspekt sein, dies sei gerade bei schweren Waren für Käufer interessant. „Es muss dem Kunden ein Einkaufserlebnis geboten werden, denn wer zufrieden mit Beratung und Produkt ist, kommt garantiert wieder“, so das Credo des Verbandssprechers.

Tipps für sicheres Online-Shopping

Tipps für sicheres Online-Shopping

Helma Fischer von der Steinmetz’schen Buchhandlung in Offenbach sieht ebenfalls nicht nur die Schattenseiten für ihre Branche. „Es ist ja so, dass sich Leser bei Amazon über die Rezensionen anderer Leser informieren und dann bei der Buchhandlung kaufen oder bestellen.“ Fischer geht von einem weiteren Wachstum im Online-Bereich aus, aber der stationäre Handel könne auch in Zukunft durch „Persönlichkeit und Individualität gut daneben bestehen“.

Von anderen Einzelhandelskollegen weiß die Offenbacherin, dass besonders bei technischen Geräten die Beratung ohne Kauf ein Problem geworden ist. Der Online-Käufer erlebe auch die „Fallen“ – beim technischen Service, bei Umtausch und Reparatur, so dass der Vor-Ort-Kauf wohl allmählich wieder attraktiver werde.

Wofür Deutsche ihr Geld ausgeben

Wofür die Deutschen ihr Geld ausgeben

Kommentare