Viel Aufklärungsarbeit nötig

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Offenbach - Elektroautos fristen in Deutschland noch ein Nischendasein. Die zweitägige Fachkonferenz „Elektromobilität vor Ort“ in Offenbach will ihre Potenziale aufzeigen. Von Harald H. Richter 

Erhebliche Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit ist nötig, um dem Auf- und Ausbau des elektrischen Wirtschafts- und Nahverkehrs Tempo zu verleihen. In dieser Beurteilung sind sich mehr als 350 Teilnehmer von Verkehrsbetrieben, kommunalen Einrichtungen und Flottenbetreibern einig, die seit gestern in Offenbach an der zweiten nationalen Fachkonferenz „Elektromobilität vor Ort“ teilnehmen. Ziel der Konferenz ist es, Vertretern von Kommunen, Verkehrsbetrieben und Flottenbetrei-bern, aber auch Gewerbetreibenden, Handwerken und anderen Interessierten konkrete Lösungen für den Einsatz von Elektrofahrzeugen vor Ort zu präsentieren. Auf dem Vorplatz des Sparda-Bank-Hessen-Stadions wird eine breite Palette aktueller Fahrzeugmodelle präsentiert. Dabei sind Highlights wie der BMW i8, Tesla Model S, Audi e-tron, Mitsubishi Outlander PHEV oder der Mercedes C-Klasse 300 Hybrid.

Der hessische Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir betont: „Ich freue mich, dass das Bundesministerium diese hochkarätige Fachtagung in meiner Heimatstadt Offenbach, dem Sitz der Projektleitstelle der Modellregion Elektromobilität Rhein-Main, ausrichtet. Dies ist auch ein Zeichen der Wertschätzung für die in der Modellregion geleistete Arbeit.“ In Deutschland nimmt die Mobilität sowohl im privaten wie im beruflichen Bereich zu, was sich an steigenden Zahlen bei zurückgelegten Wegstrecken festmacht. Gleichzeitig soll der verkehrsbedingte CO2-Ausstoß reduziert werden. Neue Verkehrskonzepte und Antriebstechnologien sind daher in der Entwicklung und Erprobung. Bislang wurden allein in der Modellregion Rhein-Main, deren Maßnahmen von Offenbach aus koordiniert werden, rund 31 Millionen Euro in entsprechende Maßnahmen gepumpt, berichtet Bürgermeister und Umweltdezernent Peter Schneider.

Klar erkennbarer Mehrwert

„Elektrische Fahrzeuge sind die Triebfedern zukünftiger Verkehrsarten“, konstatiert Rainer Bomba, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, zur Eröffnung der Tagung im Businessbereich des Stadions auf dem Bieberer Berg. Hauptargumente dafür seien die Ressourcenknappheit fossiler Brennstoffe sowie der Umwelt- und Klimaschutz. „Viele Betreiber kommunaler und gewerblicher Flotten sind sich des Potenzials für die Einführung von Elektrofahrzeugen nicht bewusst“, beklagt Bomba. Der Mehrwert sei jedoch klar erkennbar und werde sich durchsetzen. Sein Ministerium will deshalb heute eine neue Richtlinie als Förderinstrument des Bundes vorstellen, um Maßnahmen der Elektromobilität nachhaltig zu entwickeln. Das geschieht auf der Grundlage einer europäischen Direktive, die den Regierungen der 28 Mitgliedsstaaten das Mandat gibt, individuelle Strategien auszuarbeiten. Speziell für Kommunen ist bereits ein Handlungsleitfaden ausgearbeitet – unter anderem über Elektromobilität im Nahverkehr und zur Errichtung von Ladeinfrastruktur.

Die Teilnehmer der Konferenz erörtern auch Ergebnisse aus begleitender Forschung zu innovativen Antrieben von Pkw und Nutzfahrzeugen. Einer aktuellen Untersuchung zufolge haben bei überall in Deutschland laufenden Modellvorhaben Hybridbusse, verglichen mit dieselbetriebenen, eine Kraftstoffersparnis von 14 Prozent erzielt und erhebliche Treibhausgasmengen eingespart. Das Land Hessen wird sich nach Aussage von Al-Wazir weiter in starkem Maß für die Erprobung alternativer Antriebsarten einsetzen und Fördergelder bereitstellen – für 2013 bis 2015 beziffert er sie auf etwa 6,5 Millionen Euro. Seinen Worten zufolge nimmt die Landesregierung mit ihrem zwischen 85 E-Fahrzeuge zählenden Fuhrpark im Alltagsbetrieb eine Vorbildrolle ein. Nun sei es wichtig, die Bürger als potenzielle Nutzer der Angebote von Elektromobilität zu gewinnen, vor allem damit sie bei der Kaufentscheidung für ein neues Auto auch ein E-Fahrzeug in Betracht ziehen. „Wir als Kommune begreifen Elektromobilität als Bestandteil einer klimafreundlichen Stadt- und Verkehrsentwicklung“, stellt Oberbürgermeister Horst Schneider fest. Die zentrale E-Station mit mietbaren Autos und Zweirädern am Marktplatz stoße bereits an Nachfragegrenzen. Reichlich Interesse sei also geweckt.

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