Am Ende bleibt die Axt

Fachleute erläutern Baumfällungen im Schlosspark

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Für Jan Goevert liegt’s auf der Hand: Der Brandkrustenpilz zählt zu den gefährlichsten Holz abbauenden Arten.

Rumpenheim - Weder feucht-kalte Witterung noch frühe Uhrzeit halten ein gutes Dutzend Interessenten davon ab, sich im Schlosspark anstehende (Fäll-) Arbeiten erläutern zu lassen. Von Martin Kuhn

Beim Rundgang mit Experten wird wieder einmal deutlich: In Rumpenheim ist das Ideal eines englischen Landschaftsgartens, maßgeblich entstanden Ende des 18. Jahrhunderts, mit heutigen Belangen des Naturschutzes und der Verkehrssicherungspflicht nicht immer in Einklang zu bringen. „Jede Form der Betrachtung hat ihre Berechtigung“, heißt es an einer Stelle. Unter einen Hut zu bringen, sind sie nicht. Der Bürgermeister holt mit der Begrüßung die Frühaufsteher auf seine Seite: „Mir liegt der Park am Herzen.“ Ein solches Bekenntnis fällt ihm leicht. Schließlich ist Peter Schneider Rumpenheimer, war jahrelang Vorsitzender der lokalen Bürgerinitiative (BIR).

„Man ist nicht in einem Wald, sondern in einem intensiv genutzten Park“, stellt Schneider klar.  Jene, die diesen vor allem als ein Stück Kulturgeschichte erachten und allein dahingehend entwickelt sehen möchten, gibt er jedoch mit auf den Weg: „Stets mit Blick darauf, was ökologisch sinnvoll ist...“ Bedeutet eigentlich: Ästhetik und Naturschutz schließen einander weitgehend aus. An einem Beispiel wird’s deutlich. So moniert ein Teilnehmer, dass alte Baumstämme im Unterholz liegen. „Die gehören nicht hierher.“ Ute Habelt kann solche Einschätzungen nicht ganz nachvollziehen. Für die Fachreferentin im Umweltamt steckt dieses Totholz voller Leben – am und im Stamm lebende Insekten, die wiederum auf der Speisekarte diverser Vogelarten im Schlosspark stehen. Der gefundene Kompromiss: An den Wegen wird ein etwa acht Meter breiter Streifen von Brombeeren, Sämlingen und Altholz freigehalten.

In nächster Zeit dürfte Weiteres hinzukommen. Die Exkursion führt zu einigen der 23 Bäume, die so stark geschädigt sind, dass eine Fällung unausweichlich ist. Ein wenig besser geht es 148 Bäumen, über die dennoch eine „Krankenakte“ angelegt ist. Wie viele Bäume im ehemaligen Refugium der Landgrafen insgesamt stehen, ist unbekannt. Gut 1500 weist ein Kataster aus, aber erst ab einem Stammdurchmesser von 15 Zentimetern. Alles andere würde die Kosten sprengen. Mit der Baumpflege hat der Stadtdienstleister die Firma Bechstein beauftragt. Deren Betriebsleiter Jan Goevert, Gärtner und Diplombiologe, betont, dass es kein Patentrezept für die Behandlung gibt. „Für jeden Baum gibt’s einen Maßnahmenkatalog;  oft ein Sowohl-als-auch. Am Ende ist es eine Frage des politischen Willens“, reicht er sprichwörtlich die Axt weiter.

Kastanien auf dem Wilhelmsplatz gefällt

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An einem Ahorn hinterm Mausoleum demonstriert er den Grad der Schädigung. Auf seiner Handfläche liegt ein schwarzer, kohleartig-brüchiger Brocken. Es ist der Fruchtkörper des Brandkrustenpilzes. Das ist das Symptom. Und die Therapie? „Eine Baumsanierung ist nicht möglich.“ Wegen der Schäden, die der Pilz an der Wurzel anrichtet, besteht Umsturzgefahr. Dass an dieser Stelle ein Ersatz gepflanzt wird, ist eher unwahrscheinlich. Der Ahorn gilt als „Fremdbewuchs“. In englischen Landschaftsgärten, so die Idee, sorgt eine vielfaltige Gartenarchitektur dafür, dass die Spaziergänger Landschaften von verschiedenem Charakter durchstreifen. Auch in Rumpenheim erinnern Elemente an dieses Konzept. Die Stadt möchte sie herausarbeiten. Vor fünf Jahren wurde ein Umsetzungskonzept erstellt, das ausgewählte Maßnahmen aus dem Parkpflegewerk von 1995 einschließt. Priorität haben Maßnahmen, „die die Besonderheit des Parks herausstellen“. Geschehen ist wenig, was vor allem die lokale Bürgerinitiative und die politische Opposition umtreibt.

„Ja, wir sind im Verzug“, räumt die Stadtplanung ein, die es mit Personalmangel begründet. Weiter oben auf der Liste: Erschließung der Zarenlinde und des Aussichtshügels in einfacher Bauweise, behutsame Entwicklung der Blickachsen. Schon wieder etwas mehr Zukunftsmusik: Sicherung und Reparatur der vorhandenen Substanz der sogenannten Voliere.

Streit-Bäume in Offenbach gefällt

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