Regierungspläne stoßen in Region auf geteiltes Echo

Fachleute streiten über Initiative zum Kinderschutz

Offenbach- Die Regierungspläne für verpflichtende Hausbesuche durch die Jugendämter zum Schutz gefährdeter Kinder stoßen in der Region auf ein geteiltes Echo.  Von Heiko Wiegand

Während der Kinderschutzbund den Plan begrüßt, gibt es in der Abteilung Soziale Dienste der Stadt Offenbach deutliche Kritik.

Mit dem Kinderschutzgesetz, das der Bundestag noch vor der Sommerpause verabschieden will, soll der Nachwuchs besser vor Misshandlung und Vernachlässigung geschützt werden. Vorgesehen ist unter anderem, dass das Jugendamt ein Kind persönlich in Augenschein nehmen muss, wenn Hinweise auf eine Gefährdung vorliegen.

Gerhard Kaufmann, Leiter der Abteilung Soziale Dienste der Stadt Offenbach, hat dagegen Bedenken: „Es sprechen verschiedene Aspekte gegen die Regierungspläne. Einer davon ist ein rechtlicher: Die Unverletzlichkeit der Wohnung ist durch das Grundgesetz geschützt. Wir dürfen da nicht rein, wenn der Eigentümer oder Mieter das nicht will. Da fängt‘s schon an.“ Kaufmann unterstützt einen gemeinsamen Appell der kommunalen Spitzenverbände. Die wollen den Teil des Gesetzentwurfs, in dem es um die verpflichtenden Hausbesuche geht, gestrichen haben.

Michael Schröder, Geschäftsführer des Deutschen Kinderschutzbundes, Ortsverein Hanau , geht der Gesetzentwurf hingegen nicht weit genug. „Wir wollen nicht nur die Eltern gefährdeter Kinder erreichen, sondern tatsächlich alle!“ Denn das Problem, so Schröder, gehe durch alle gesellschaftliche Schichten - „und viele Eltern wissen auch gar nicht, wen man nach Hilfe fragen kann“. In der Brüder-Grimm-Stadt werden derzeit unterschiedliche Modelle diskutiert, wie dieses Ziel, möglichst alle Eltern anzusprechen, flächendeckend erreicht werden kann.

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