Verbindliche Termine

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Konzentrierte Gespräche: Über Berufs- und Studienmöglichkeiten informierten sich Schüler bei der Fachmesse „Vocatium“.

Offenbach - Allein schon die Zahlen beeindrucken: Etwa 2800 Jugendliche aus Schulen in der Region haben sich gestern und vorgestern bei 75 potentiellen Arbeitgebern und Hochschulen über Berufs- und Studienchancen informiert. Von Matthias Dahmer

„Vocatium Rhein-Main“ heißt die Fachmesse, deren fünfte Auflage – wie 2011 die vierte – interessierte Schüler ins Veranstaltungszentrum Halle K 39 auf dem ehemaligen Goldpfeil-Gelände an der Kaiserstraße lockte.

Veranstalter ist das Institut für Talententwicklung aus Schwalbach im Taunus, das in Kooperation mit der Deutschen Bank gestern für sein seit zwölf Jahren bundesweit laufendes Messekonzept höchstes Lob aus berufenem Munde erfährt: „Die Schüler werden sehr früh an die Hand genommen. Hochglanzbroschüren allein nutzen ihnen wenig. Wir sind sehr, sehr froh, dass es Vocatium gibt“, sagt Thomas Findeisen, Leiter der Offenbacher Schillerschule, die passend dazu schon seit einigen Jahren eine detaillierte, bereits in der fünften Klasse beginnende Berufswegeplanung in ihrem Programm hat.

Übergang in die Ausbildung

Manfred Exner, der sich als Arbeitscoach an der integrierten Gesamtschule um den Übergang in die Ausbildung kümmert, verdeutlicht mit einem Seitenhieb auf ähnliche Veranstaltungen: „Das ist keine Messe zum Sammeln von Kugelschreibern, die Schüler müssen sich richtig darauf vorbereiten.“

Dazu gehört, dass Mitarbeiter des Veranstalters Wochen und Monate vor dem Messetermin in die Schulen gehen und über die Angebote der Aussteller informieren. In diesem Jahr wurden mehr als 6000 Schüler an 71 Schulen der Region angesprochen. Interessierte Schüler können sich dann für verbindliche, fest gebuchte Beratungsgespräche anmelden. „Das ist das Herzstück unseres Konzepts“, sagt Vocatium-Projektleiterin Claudia Merk.

Es funktioniert offenbar: Die Halle K39 ist proppenvoll, konzentrierte Beratungsgespräche an den Ständen zeugen davon, dass es den Jugendlichen ernst ist. Die Palette der Aussteller ist breit. Sie reicht von der AOK über Lidl, Rossmann oder Peek & Cloppenburg bis hin zu Siemens, Nassauische Sparkasse, Thomas Cook oder Stadt Frankfurt. Selbst die Bundeswehr hat einen gut frequentierten Stand. Sie ist einer der größten Arbeitgeber der Republik, bietet 27 Studiengänge und 60 Ausbildungsberufe, wirbt Stabsfeldwebel Frank Pieters von der Wehrdienstberatung. Zu den 40 Unternehmen unter den Anbietern gesellen sich 29 Hochschulen oder Akademien sowie sechs Beratungsinstitutionen wie die Offenbacher Agentur für Arbeit.

Keine lokalen oder regionalen Handwerksbetriebe

Rein lokale oder regionale Handwerksbetriebe sucht man indes vergebens. Fürs nächste Jahr, sagt Thomas Iser, Chef der Offenbacher Arbeitsagentur, sei zusammen mit IHK und Handwerkskammer eine ähnliche Messe mit schwerpunktmäßig regionalen Ausstellern geplant.

Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß weist auf die besondere Situation in Offenbach hin: „Viele bekommen den Übergang von der Schule in den Beruf nicht hin, Schüler mit Migrationshintergrund haben zudem sprachliche Defizite, landen oft auf beruflichen Schulen. “ Nur 15 Prozent der Hauptschüler, so Weiß, fänden einen Ausbildungsplatz. Als Chance sieht er oftmals vorhandene Zweisprachigkeit. Deswegen prüfe und zertifiziere man über die Volkshochschule gegebenenfalls muttersprachliche Kompetenz.

Viel zu spät orientiert

Agentur-Chef Iser hat beobachtet, dass sich viele junge Leute trotz vorhandener Ausbildungsangebote viel zu spät orientierten. Das gelte, ergänzt Schulleiter Findeisen, auch für die Leistungsstarken. Sie fixierten sich zu sehr aufs Abi, nähmen zu wenig wahr, was sich um sie herum tue.

Ein dickes Lob fürs jugendliche Klientel auf der Offenbacher Messe kommt von Horst Stein, IT-Ausbilder bei der Deutschen Bank: Er kenne viele Ausbildungsmessen und sei erstaunt über die Freundlichkeit der Jugendlichen hier.

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