Fächertanz trifft Cevapcici

Das Kulturfest der Nationen lockt zwei Tage lang auf den Wilhelmsplatz

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Beim Kulturfest wird traditionell aufgetischt...

Anmutig, beinahe erhaben vollführen Mitglieder der internationalen Jugendorganisation IYF Fächertänze aus der Heimat ihrer koreanischen Ahnen. Die Folkloregruppe Uniendo Fronteras Colombia Ecuador bringt lateinamerikanische Volksweisen dar. 

Offenbach – Mehr als 30 Mädchen und Jungen des Serbischen Kulturzentrums lassen mit einem kraftvollen Tanz zum Auftakt des Programms die Bühnenbretter erbeben. Das zweitägige Kulturfest der Nationen auf dem Wilhelmsplatz, vom städtischen Ausländerbeirat präsentiert, schöpft seine Kraft und Beständigkeit aus dem kreativen Reichtum der teilnehmenden Musik- und Gesangsgruppen und versinnbildlicht das Zusammenleben von über 150 Nationalitäten in Offenbach.

„Es gibt uns Gelegenheit, nicht übereinander zu sprechen, sondern das Miteinander zu pflegen“, unterstreicht Bürgermeister Peter Freier die Bedeutung des Formats aus Musik, Folklore und Spezialitäten. Es freue ihn, dass der Ausländerbeirat um Abdelkader Rafoud wiederum viele Vereine zum Mitmachen habe motivieren können. Zwei Dutzend sind es diesmal, die ein breites Spektrum dessen abbilden, was die Stadt Offenbach ausmacht. Inhaltlich bieten sie ausländischen Bürgern die Möglichkeit, ihre Kultur gemeinschaftlich zu leben und an folgende Generationen weiterzugeben.

„Das ist eine Handtrommel aus der Heimat meiner Vorfahren“

Davon ist viel zu spüren bei den Darbietungen auf der Bühne. Etwa als der 14 Jahre alten Sara Tomic als Mitglied des Jugendtanzensembles des Serbischen Kulturzentrums nach einem vielbeklatschtem Auftritt ein Ständchen zum Geburtstag in Landessprache dargebracht wird. Mit Rhythmus im Blut schlägt der ein paar Jahre jüngere Ermyas vom Eritreischen Verein Offenbach beim Tanz die Kebero. „Das ist eine Handtrommel aus der Heimat meiner Vorfahren“, sagt der Schüler.

Volkstänze aus der Moldauregion bietet in farbenfrohen Trachten das Ensemble der Rumänisch Orthodoxen Gemeinde dar. Die Klänge von Panflöte und südamerikanischen Percussion-Instrumenten wechseln sich ab mit den einzigartigen Schrittfolgen des Sirtaki, den Mikis Theodorakis einst für den Film „Alexis Sorbas“ choreografierte und der inzwischen griechisches Kulturgut geworden ist. Sämtliche Vorführungen verströmen eine Lebensfreude, die den Gesichtern der Darbietenden abzulesen ist und sich aufs Publikum überträgt. Es wird eifrig mitgeklatscht und, sofern textkundig, auch mitgesungen.

Hinter den Kulissen und auch als Moderatorin koordiniert Waltraud Schäfer, Geschäftsführerin des Ausländerbeirats, mit ihrem Team die beliebte Kulturveranstaltung. „Wir sind froh, dass uns das Wetter nicht gänzlich einen Strich durch die Rechnung macht“, sagt sie, als es am ersten Abend trocken bleibt, wirft dennoch ab und an einen Blick zum wolkenverhangenen Himmel. Das Publikum macht es sich, Regenschirme mitführend, auf der Platzmitte dennoch bequem und genießt das vielseitige Programm.

An zahlreichen Ständen informieren die Vereine über ihre Arbeit. Wer will, kann sich bei der gemeinnützigen Jugendorganisation IYF in wenigen Minuten von Schnellzeichner Jonghun „Niko“ Kim eine Karikatur anfertigen oder den eigenen Namen ins koreanische Schriftbild übertragen lassen. Der Verein mit Regionalsitz in Bieber-Waldhof leistet breit aufgestellte Freiwilligenarbeit und ist auch in weiteren deutschen Städten aktiv. International engagieren sich die Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf drei weiteren Kontinenten. „Wir sind dankbar für die Gelegenheit, beim Kulturfest der Nationen auf uns aufmerksam machen zu dürfen“, sagt Sprecher Yoojin, „Andreas“ Kim.

Geografisch gesehen beeindruckt auch das kulinarische Angebot der Vereine mit einer Spannbreite von Bangladesch und Bosnien über Italien und Marokko bis Somalia und Türkei. Japanisches Sushi und Frühlingsrollen, gegrillte Sardinien aus Portugal und Cevapcici aus der südosteuropäischen Küche sind mit Polenta vom Balkan und türkischen Süßspeisen Gaumenfreuden, die den Festbesuchern Genusserlebnisse bescheren.

VON HARALD H. RICHTER

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