Fähre muss am Ufer bleiben

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Tatort Ablegeplatz: Polizisten und Mitarbeiter der Wasser- und Schiffsverwaltung inspizieren die Fähre und das marode Seil.

Offenbach - Die Aufschrift auf dem Schild ist unmissverständlich: Fähre eingestellt steht mit dicken schwarzen Lettern auf weißen Untergrund geschrieben. Ungläubig schütteln die Autofahrer den Kopf. Von Jörn Polzin

Einige drehen entnervt und kopfschüttelnd ab. Andere trauen dem Ganzen nicht, steuern ihr Fahrzeug weiter Richtung Rumpenheimer Ufer, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Und schlittern unverhofft in eine Kulisse, die einem TV-Krimi ähnelt. Polizisten und Mitarbeiter der Wasser- und Schiffahrtsverwaltung haben dort Stellung bezogen, diskutieren, beratschlagen und knipsen eifrig Beweisfotos.

Mittendrin steht Udo Dill, dem die Situation augenscheinlich mehr als unangenehm ist. Kein Wunder, Dill ist Betreiber der Fähre, die vorerst keine Fahrt mehr aufnehmen wird. „Ich hoffe, dass sich die Ermittlungen nicht ewig hinziehen und wir bald wieder den Betrieb wieder aufnehmen können.“ Eine Sabotage schließt er aus. Ermittlungen? Sabotage? Was war passiert?

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Am Dienstagabend, gegen 18 Uhr, riss ein Gierseil der Fähre Rumpenheim-Dörnigheim in der Mitte des Fahrwassers. Gierseile sind am Ufer oder in der Flussmitte verankert, sie steuern den so genannten „Anströmwinkel. Nach Angaben der Wasserschutpolizei war die Fähre zum Zeitpunkt des Unfalls mit sechs Fahrzeugen und acht Personen besetzt. Die Strömung drückte die schwimmende Brücke an das Rumpenheimer Ufer. Erst nach einiger Zeit konnte die Fähre aus eigener Motorkraft an die Fährrampe vor dem Rumpenheimer Schloss zurückfahren, wo sie dann fest machte. Dabei wurde das untere Rückhalteseil so sehr beschädigt, das es ebenfalls riss. Die über die Schleuse Offenbach verhängte Schifffahrtssperre wurde gegen 20.30 Uhr aufgehoben.

Seit gestern und vorraussichtlich noch in den nächsten Wochen ist der Fährbetrieb am Rumpenheimer Ufer eingestellt.

Für die Zerstörung des erst zwei Jahre alten Gierseils, das später von einem Arbeitsboot geborgen wurde und nun von Experten untersucht wird, hat Dill nur eine Erklärung: „Das Seil muss am Boden mitgerutscht sein, durch die ständige Reibung ist es dann gerissen.“ Ein Vorfall, den der erfahrene Bootsmann in dieser Form noch nicht erlebt hat. Nicht vergleichbar mit dem Unglück vor drei Jahren. „Das war damals etwas ganz anderes“, betont Dill. Damals, im Dezember 2007, war die Fähre wegen eines gerissenen Seils abgetrieben und mit einem Frachtschiff kollidiert. Kuriose Parallele: Der Vorfall ereignete sich auch gegen 18 Uhr. Damals wie am vergangenen Montag waren keine Personen zu Schaden gekommen.

„Eine Gefahr hat auch diesmal nicht bestanden“, sagt Dill, der neben einem Imageverlust vor allem einen erheblichen Umsatzverlust fürchten muss. In den nächsten zwei Wochen, so seine erste Schätzung, werde die Fähre ihren Betrieb nicht wieder aufnehmen können. Nicht bevor die Unfallfrage geklärt ist. Das eigentliche Problem liegt aber buchstäblich tiefer. „Es muss eine Möglichkeit gefunden werden, dass das Seil nicht mehr am Boden entlangrutscht“, sagt Dill. Über weitere Schritte will und muss der Betreiber in den nächsten Tagen mit einem Statiker beraten.

Die Wasserschutzpolizei Frankfurt bittet derweil um Mithilfe. Vor allem die während der Unfallzeit auf der Fähre befindlichen Personen werden gebeten, sich unter Telefon 069 / 94 34 590 zu melden.

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