Wo fängt Mobbing an?

Offenbach - Notizbuch der Woche

Mobbing ist übel. Wenn sich ein Mob von Kollegen bildet, um einen Mitarbeiter ständig zu triezen, ist das moralisch verwerflich. Eine Sauerei halt. Wenn Chefs einen in ihren Augen überflüssigen oder zu teuren Untergebenen gezielt quälen, um ihn zur Kündigung zu treiben, gilt, weil Machtpositionen gegenüber Abhängigen ausgenutzt werden, in der Regel eine höhere Stufe der Widerlichkeit. Da werden Vorgesetzte zu Mobstern: So lautet in den USA ein Schimpfname für im „Mob“ organisierte Kriminelle.

Die andere Seite der Medaille: Mit dem Aufschrei „Mobbing!“ ist man heute sehr schnell bei der Hand. Kritik und die Forderung nach Flexibilität geraten auf der persönlichen Empfindungsebene zur Schikane. Wer auf Fehler hingewiesen wird, ob von Kollegen oder von der Chefin, fühlt sich gemobbt. Wer für einen anderen Arbeitsplatz innerhalb der Firma als geeigneter angesehen wird, fühlt sich gemobbt.

Das Offenbacher Rathaus hätte es nun nicht verdient, als Ort ungenierten Menschenschindertums zu gelten, weil der Text eines gerichtlichen Vergleichs den Mobbing-Tatbestand nahe legt. Reaktionen auf unseren Bericht über die juristische Auseinandersetzung des früheren Planungsamtsleiters Joachim Springer mit der Stadt werfen ein bezeichnendes Licht auf die spezielle Problematik des Beamtentums. Kann sich ein Unternehmen der freien Wirtschaft auf Kosten einer Abfindung von einem Mitarbeiter trennen, der eine neue Marschrichtung nicht einschlagen möchte, bleibt einer öffentlichen Verwaltung nichts anderes übrig, als für einen aus Bequemlichkeit oder Überzeugung nicht handelnden Verweigerer eine Verwendung zu finden, bei der er möglichst wenig Schaden anrichten kann.

Und genau da sind wir an der Grenzlinie für die Beurteilung: Was für die einen ein Akt der Selbstverteidigung, ist für den Betroffenen Mobbing der übelsten Kategorie.

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