Fahrplan auch für Blinde

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Auch mit Gehhilfe begehbar: Mobilitätsberater Hugo Reinhardt (links) macht beim Mobilitätstag für Senioren die Zielgruppe mit dem modernen Bus-Einstieg vertraut.

Offenbach ‐ Wenn Fahrgäste unzufrieden mit dem öffentlichen Nahverkehr in Offenbach sind, erfährt es Klaus Pormetter zuerst. Von Denis Düttmann

Der Leiter des Qualitätsmanagements der lokalen Nahverkehrsorganisation NiO sammelt die Beschwerden und sucht nach Lösungen. „Viele Probleme beruhen schlichtweg auf Missverständnissen“, sagt er, „ich versuche dann zu erklären und zu vermitteln.“

Bei der gestrigen Seniorenmobilitätskonferenz im Rathaus sucht er das Gespräch mit den älteren Passagiere, fragt nach Schwierigkeiten beim Bus- und Bahnfahren und macht sich Notizen. „Eine Dame hat bemängelt, dass die Fahrpläne an manchen Bushaltestellen zu hoch hängen“, erzählt Pormetter. „Darum werden wir uns in den nächsten Tagen kümmern.“

Netzplanung optimieren, Fahrpläne abstimmen

Auf dem Aktionstag informieren Senioreninitiativen, Vereine und Verkehrsbetriebe über Mobilitätskonzepte speziell für Senioren, stellen ihr Angebot vor und zeigen Alternativen zum Auto auf. „Wir wollen Barrieren abbauen und die Innenstadt lebenswerter machen“, sagt Bürgermeisterin Birgit Simon. Bereits am Tag zuvor tagten Verkehrsexperten aus Großbritannien, Frankreich, Belgien, Luxemburg, Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden in Offenbach.

In dem von der Europäischen Union geförderten Projekt „Improving Connectivity and Mobility Access“ versuchen elf Kommunen, den Zugang zum Nahverkehr zu verbessern. „Wir müssen unsere Systeme auch für Senioren nutzbar machen, um zu verhindern, dass sie im Alter sozial isoliert werden“, sagt Paul Lucas vom Verkehrsverbund Manchester. Und wie? Netzplanung optimieren, Fahrpläne abstimmen, ein möglichst individuelles Tarifkonzept anzubieten.

Die NiO setzt in Offenbach auf drei Initiativen, um den Zugang von Senioren zum öffentlichen Nahverkehr zu erleichtern. In der Busschule lernen sie alles rund um die Fahrt mit dem Omnibus. Geschulte Trainer erklären, wie man einen Fahrplan liest, erläutern das Tarifsystem und geben Tipps zur Sicherheit in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Mit digitalen Echtzeitanzeigen auch abseits der Haltestellen will die NiO einen zusätzlichen Service anbieten und die Attraktivität von Bus und Bahn noch stärker ins Bewusstsein bringen. „Die Fahrgäste sehen darauf die tatsächliche Ankunftszeit und erfahren, ob sie ihren jeweiligen Anschluss noch erreichen“, erklärt NiO-Geschäftsführerin Anja Georgi.

Als dritter Baustein ist ein Pilotprojekt am Marktplatz geplant. Auf Knopfdruck können sich Blinde dort in Zukunft den Fahrplan vorlesen lassen. „Wir wollen möglichst viele Barrieren abbauen, die Ältere hindern, ihre Freizeit selbstbestimmt zu gestalten“, sagt Georgi.

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