Mehr Rechte für Radler

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Gibt’s unter anderem schon an der Mittelseestraße und soll künftig im gesamten Stadtgebiet erlaubt werden: Radeln gegen die Einbahnrichtung.

Offenbach - Fahrradfahrern soll in Offenbach das Leben erleichtert werden. Mit der Stimmenmehrheit der Koalition beschloss das Stadtparlament am Donnerstagabend, im gesamten Stadtgebiet das Radeln gegen die Einbahnrichtung zu erlauben. Von Matthias Dahmer

Das Konzept, das auf einen Parlamentsbeschluss aus dem Jahr 2007 zurückgeht, soll nicht zuletzt wegen der angespannten Haushaltslage Schritt für Schritt umgesetzt werden. Die Gesamtkosten des Vorhabens werden auf 226.000 Euro geschätzt. Um den Eigenanteil zu mindern, will man sich um Fördergeld aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz bemühen.

In diesem Jahr sind zunächst Einbahnstraßen dran, an denen lediglich Schilder aufgestellt werden müssen. Anfang 2013 folgen jene Pisten, die mit wenig Aufwand oder im Zuge der Einrichtung von Tempo-30-Zonen geöffnet werden können. Zum Schluss, aber noch im nächsten Jahr, sind Straßen dran, die eines größeren Aufwands bedürfen.

Es fehlt an engmaschiges Radwegenetz durch die Stadt

Bruno Persichilli lobte für die SPD das Konzept als „weiteren Schritt auf dem Weg zur fahrradfreundlichen Stadt“ und bedauerte zugleich die mangelnde finanzielle Ausstattung. Offenbach verfüge zwar schon über einige gut ausgebaute Radwege, wie den Mainuferweg oder die ehemalige Industriebahntrasse. Doch fehle ein engmaschiges Radwegenetz durch die Stadt. Befürchtungen, wonach es durch die Neuregelung vermehrt zu Unfällen zwischen Radlern und Autofahrern kommen könnte, zerstreute Persichilli mit dem Hinweis, das sei statistisch nicht belegt.

Oliver Stirböck, Fraktionschef der Liberalen, war der Ansicht, man müsse jedem die Wahlfreiheit lassen, mit welchem Verkehrsmittel er sich in der Stadt bewege. Gleichwohl sieht er in der Schaffung „unechter Einbahnstraßen“ ein effizientes Mittel zur Förderung des Radverkehrs in der Stadt.

CDU stimmte gegen das Vorhaben

Die CDU, die gegen das Vorhaben stimmte, hatte bereits zuvor via Pressemitteilung ihre Meinung kund getan. Roland Walter, verkehrspolitischer Sprecher seiner Fraktion, sagt darin wie berichtet, es sei der „falsche Weg, Gewohnheitsrecht nachträglich mit einem Kostenaufwand von 226.000 Euro zu legalisieren“. Das Falschfahren sei regelmäßig Hauptursache für von Radlern verursachte Unfälle.

Im Maßnahmenkatalog zum Radeln gegen die Einbahnstraße wird als eins der Hauptkriterien eine Fahrbahnbreite von 3,50 Metern neben dem ruhenden Verkehr genannt. Für Roland Walter eine falsche Berechnung: „Der Autofahrer muss vom ruhenden Verkehr einen Sicherheitsabstand von 50 Zentimetern, vom Radfahrer von mindestens einem Meter halten, bleiben nicht einmal zwei Meter übrig. Wie sollen da ein Pkw und ein Radfahrer gemeinsam hineinpassen?“

Einige von Koalition und Verwaltung favorisierte Straßen im Nordend oder in Alt-Bieber, so Roland Walter, kämen somit von vornherein nicht in Frage.

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