Fahrradfreundliches Offenbach:

ADFC befragt OB-Kandidaten zu ihren Positionen

Offenbach - Die lokalen Akteure des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) haben den OB-Kandidaten in Sachen Radverkehr auf den Zahn gefühlt. Die Bewerber ums Oberbürgermeisteramt mussten zehn Fragen beantworten. Sechs der sieben Bewerber haben dies getan. Hier die wesentlichen Ergebnisse.

Das Resümee des ADFC vorab: Alle Kandidaten mit Ausnahme von Christin Thüne (AfD) stehen den Erfordernissen einer Förderung des Radfahrens positiv gegenüber. Das gilt insbesondere für Helge Herget (Piraten) und Elke Kreiss (Linke). Beide, so der ADFC, stehen allerdings nicht in Regierungsverantwortung, das erleichtert ihnen die Formulierung ihrer Positionen. Felix Schwenke (SPD), Peter Freier (CDU) und Peter Schneider (Grüne) kennen sehr genau die finanzielle Lage der Stadt und sind entsprechend vorsichtig mit ihrer Zustimmung.

  • Die Frage nach den stärksten Defiziten im Offenbacher Straßenverkehr beantworten Schwenke und Schneider mit der Feststellung, es fehle ein Radwegenetz. Freier sieht den schlechten Zustand vieler Verkehrswege als größtes Manko. Das betreffe Radfahrer, Auto oder Fußgänger gleichermaßen. Schneider meint, Radfahrer sollten mindestens mit den Autofahrern gleichberechtigt sein, und Kreiss weist auf die Benachteiligung von ÖPNV, Fußgängern und Radfahrern hin. Thüne beklagt die Unfreundlichkeit der Busfahrer.
  • Die Frage nach den Mitteln zur Beseitigung der stärksten Mängel beantworten Schwenke und Schneider mit der Forderung nach größerem finanziellem Engagement von Bund und Land. Freier verweist auf den Koalitionsvertrag von Tansania, der ein breites Bündel von Maßnahmen vorsehe. Allerdings gelte es angesichts der Finanznot Schwerpunkte zu setzen. Kreiss möchte zusammen mit dem ADFC dazu ein Konzept entwickeln, Pirat Herget will an alle möglichen Fördertöpfe herankommen.
  • Dass der Einzelhandel in der Innenstadt die Radfahrer nicht sehr schätzt, kann Schwenke schon verstehen und möchte ihm mit einer Verschönerung der City entgegenkommen, während Schneider den Einzelhandel nicht durch fahrradfahrende Kunden im Nachteil sieht. Auch Freier teilt diese Sicht des Einzelhandels nicht. Es seien nur einzelne Radfahrer, die negativ auffielen.

Crash-Test mit Radfahrer: Das passiert beim Aufprall

Thüne will dem Handel in der Fußgängerzone überhaupt keine Radler zumuten. Im Gegenteil dazu sieht Herget die Lösung in mehr Bürgerbeteiligung und verweist auf die dazu passende Kampagne „Offenbach fährt fair“.

  • Ob denn Radwege auf Kosten von Parkplätzen gewonnen werden könnten, wollte der ADFC wissen. Während Schwenke dem nicht viel und Freier dem überhaupt nichts abgewinnen kann, findet es Schneider „interessant, Autos von der Straße wegzubekommen.“ Während Kreiss die Idee nicht so hinreißend findet, stellt sich Herget gegen das Ausspielen gegenläufiger Interessen. Von Thüne kommt ein klares Nein – gerade im Interesse des Einzelhandels.
  • Wie könnte Offenbach erreichen, dass der prozentuale Anteil der Radler am Gesamtverkehr erheblich gesteigert wird? Mehr Radwege, mehr Pedelec-Verleih und mehr vorrangige Straßen für die Radler könnten dies nach Schwenke richten. Schneider sieht in Maßnahmen für mehr Sicherheit für die Radfahrer, besonders mit dem Bau von Fahrradstraßen und Fahrradparkhäusern vielversprechende Lösungen. Freier hält nichts von solchen prozentualen Betrachtungen, Thüne hält diese Perspektive für wirklichkeitsfremd und sieht darin nur Wunschdenken.

Wie das Fahrrad einen Antrieb bekommt

  • Die Forderung des ADFC nach Investitionen für die Verbesserung der Radfahrbedingungen in Höhe von jährlich 25 Euro pro Einwohner löst nicht direkt Begeisterung aus. Schwenke will sich nicht auf eine konkrete Zahl festlegen und empfiehlt, sich Unterstützung von Bund und Land zu holen. Schneider, Freier und Thüne halten das angesichts der benötigten 3,3 Millionen Euro für nicht finanzierbar, Kreiss sieht darin kein Problem, Herget hält zumindest eine Million jährlich für vertretbar.
  • Ob nach dem Muster der Mühlheimer Straße nicht auch die anderen vier Ausfallstraßen einen fahrradgeeigneten Ausbau erhalten sollten – das finden außer Thüne fast alle Befragten als besonders wichtig. Freier schränkt ein, er könne die Frage nicht beantworten, dazu seien zunächst umfasssende fachliche Untersuchungen notwendig. Schwenke, Herget und Schneider denken dabei auch an alternative Parallelführungen und verweisen auf das ADFC-Konzept der Fahrradstraßen. Kreiss will dabei die Sicherheit der Radler gewahrt wissen. (mad)

Rubriklistenbild: © dpa

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