Offenbachs ältestes Fahrradgeschäft Mosebach

Eine sehr versteckte Tradition

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Ist seit 2011 Inhaber von Fahrrad Mosebach: Jürgen Strohl.

Offenbach - Zwischen einem Parkhaus und kleinen Läden versteckt sich in der Innenstadt das älteste Fahrradgeschäft in Offenbach. Ein genauer Blick lohnt sich: Denn bei Fahrrad Mosebach gibt es einige Schätze zu entdecken. Von Jakob Sänger

Seit Hermann Mosebach den Laden 1904 eröffnete, ist der Hinterhof an der Waldstraße 8 geprägt von Fahrradverkauf und Reparatur. Bis 1972 leitete der Gründer den Betrieb. Seit 2011 heißt der Besitzer Jürgen Strohl. „Mit 14 Jahren habe ich schon mein erstes Rad hier gekauft“, schwärmt der 56-Jährige. Zu seinem Leidwesen wird der kleine Laden oft gar nicht wahrgenommen. „Als man das Parkhaus nebenan baute, musste ich das Schild über der Einfahrt abhängen. Die Stadt meinte, es passe nicht ins Straßenbild“, beschwert sich Strohl. 40 Jahre hatte das Schild dort gehangen.

Trotzdem findet genügend Kundschaft den Weg zu Fahrrad Mosebach. Besonders City- und Trekkingräder kaufen die Kunden. Der Inhaber hält viel von Trekking-Rädern: „Sie sind nicht wie Mountainbikes auf reines Gelände spezialisiert, man kann mit ihnen auch gut auf Teer fahren. Trotzdem sind Waldwege oder Schotter kein Problem.“ Der Händler spricht von einem Wandel, seit er 2011 alleine den Betrieb übernommen hat. „Mittlerweile geht es nicht nur ums Verkaufen von Fahrrädern um jeden Preis“, versichert Strohl. „Der Kunde soll zufrieden sein. Auch gern mit seinem alten Rad, das wir nur ein bisschen aufgefrischt haben.“

Reparaturarbeiten werden in der nebenan gelegenen Werkstatt erledigt. Ein selbst geschriebenes Schild mit der Aufschrift „Zutritt für Unbefugte verboten“ prangt über dem Eingang. Auf den ersten Blick sieht der vollgestopfte Raum ziemlich chaotisch aus. Schläuche liegen auf einem großen Haufen durcheinander, Rahmen hängen von der Decke, Fahrräder stehen dicht an dicht. Doch jedes Teil hat seinen Platz. „Wir haben noch eine richtige, schöne, alte Werkstatt“, sagt der Besitzer stolz. „So wie es früher war.“

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Kritisch sieht er, dass immer mehr Kunden ihr Rad im Internet bestellen. Oft ließen sich Interessenten von tollen Bilder blenden. Denn in solchen Rädern seien oft genug auch qualitativ minderwertige Kompenenten verbaut. Vor allem an Stellen, an denen die Käufer nicht genau hinschauen, wie etwa an der Kurbel. Außerdem warnt Strohl vor der Angabe „vormontiert“. „Die meisten Einstellungen wie beispielsweise an den Bremsen müssen dann zuhause nachgeholt werden. Wer im Laden ein Rad kauft, kann direkt losfahren.“

Von der „Fahrradstadt Offenbach“ ist Strohl noch nicht überzeugt: „Manche Straßen sind lebensgefährlich“, gibt er zu bedenken. Als Beispiel nennt er die Bieberer Straße: Ewig breite Gehwege, ausladend genug für zwei Autos nebeneinander, aber kaum Platz für Radler. „Es gibt zwar auch schöne Radwege in Offenbach, aber die Motivation der Autofahrer, auf Fahrräder zu achten, ist sehr gering.“

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