Verkehr

Fahrradstadt Offenbach: Viel Luft nach oben

Aufwärts in kleinen Schritten: Bei der Gesamtnote von 3,6 ist allerdings noch viel Luft nach oben.
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Aufwärts in kleinen Schritten: Bei der Gesamtnote von 3,6 ist allerdings noch viel Luft nach oben.

Die Stadt soll sich bis 2021 neu erfahren lassen. Nicht weniger erwarten die Experten von den vorgesehenen sechs Fahrradstraßen und -achsen, die dann wichtige Verbindungswege in Offenbach und ins Umland abdecken. Geht es allein nach dem Ausbau der Infrastruktur, müsste sich Offenbach beim Fahrradklima-Test 2020 eigentlich ganz nach vorne katapultieren. Es bleibt indes abzuwarten, wie die Radler bei der Online-Aktion dies alles bewerten. Mitmachen kann man noch bis Ende November.

Offenbach – Offenbach will als Fahrradstadt wahrgenommen werden – und scheint auf einem guten Weg: Die Stadt erreichte beim jüngsten ADFC-Fahrradklima-Test (2018) den ersten Platz in der Kategorie Aufholer in Städten mit 100 000 bis 200 000 Einwohnern. Verkehrsdezernent Paul-Gerhard Weiß nahm den Preis stellvertretend für die Stadt entgegen. „Die Auszeichnung ist Anerkennung und Motivation zugleich, noch mehr für die Verbesserung der Radwege und für die Verkehrssituation der Radfahrer zu leisten“, sagte Weiß.

2018 gab‘s für Offenbach eine schwache 3,63

Daran wird sich die Stadt messen lassen müssen. Denn das Prädikat „Aufholer“ relativiert sich mit Blick auf die Gesamtnote: Eine 3,63 reichte in der Stadtgrößen-Kategorie immerhin für Rang 6, in Schulnoten ist ein schwaches befriedigend. Ein schwacher Trost ist es, dass das erstplatzierte Göttingen gerade mal auf eine 3,35 kommt. Es geht freilich noch viel schlechter als am Main: Die Stadt Remscheid kommt bei seinen Radfahrern auf eine 4,71 und erhält die rote Laterne in dieser Kategorie.

Schaut man in die Details, werteten die Offenbacher Teilnehmer vor zwei Jahren folgende Punkte als positiv: öffentliche (Leih-) Fahrräder, Fahrradmitnahme in Bus und Bahn, Fahrradförderung in jüngster Zeit. Als negativ erachteten sie vor allem Fahrraddiebstahl, Oberfläche der (Rad)wege und Hindernisse auf Radwegen inklusive der ungenügenden Kontrolle von Parkvergehen auf diesen. Es folgt die berechtigte Frage: Hat sich daran trotz Ausbau der Fahrradstraßen Entscheidendes verbessert?

Offenbach will nicht an den Bedürfnissen vorbeiplanen

Der ADFC-Fahrradklima-Test beleuchtet, wo Städte punkten und wo nachgebessert werden muss. Paul-Gerhard Weiß begrüßt die Aktion: „Der Fahrradklima-Test gibt uns wichtige Hinweise darauf, was wir als Stadt im Rahmen unserer Möglichkeiten noch tun können. Wir wollen nicht an den Bedürfnissen der Radfahrer vorbeiplanen, deswegen bitte ich die Offenbacher Radfahrer, egal ob Vielfahrer, Fahrradpendler, Freizeitfahrer oder auch Bürger, die bisher noch gar nicht mit dem Fahrrad fahren, an der Umfrage teilzunehmen. Für die Stadt ist die Förderung des Radverkehrs als nachhaltige und emissionsfreie Mobilitätsform weiter von großer Bedeutung.“ Dabei setzte die Kommune nicht allein auf die neun Kilometer Fahrradstraßen. Dazu zählt für sie Instandsetzung des Geleitswegs (Kuhmühlgraben), der als wichtige Verbindung zwischen Offenbach und Mühlheim dient. Die Radverkehrsanlagen sind ausgebaut und erweitert worden. So erhielten etwa Bürgeler-, Bismarck- und Rumpenheimer Straße Schutzstreifen. Neue Bike+Ride-Anlagen sind an den S-Bahnstationen Offenbach-Ost, Marktplatz und Ledermuseum entstanden. Dort können die Fahrräder wettergeschützt in überdachten Abstellanlagen geparkt werden.

Angepasste Lichtsignalanlagen sorgen im Stadtgebiet für mehr Verkehrssicherheit. So wird für Radfahrende, die aus der Fußgängerzone der Frankfurter Straße West kommen, die Ausfahrt signalisiert. Roteingefärbte Radfurten am Lämmerspieler Weg und im Bereich der Rumpenheimer Fähre ergänzen die Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit.

2018 haben übrigens bundesweit rund 170 000 Bürger mitgemacht beim Klimatest. In Offenbach sind es gerade mal 224 Teilnehmer gewesen – auch hier gibt es deutlich Luft nach oben.

Alle Offenbacher sind aufgerufen, bis 30. November über die Internetseite an der Umfrage teilzunehmen. Die Ergebnisse werden im Frühjahr 2021 präsentiert. (Von Martin Kuhn)

Die Senefelderstraße ist auf einem gut 500 Meter langen Abschnitt eine Art Versuchslabor: 2018 hat die Verwaltung eine erste Fahrradstraße eingerichtet. Bleibt abzuwarten, wie diese und andere Maßnahmen sich Fahrradklima-Test 2020 auswirken. Aktuell werden dort Radler gezählt.

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