Autofahrer informiert

Fahrradstrecke sorgt für Verwirrung: Bike Offenbach klärt auf

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„Guten Tag, was wissen Sie über die Fahrradstraße?“ So in etwa begannen Ulrich Lemke und die Mitarbeiter von Bike Offenbach die Gespräche mit den Autofahrern, um über die Strecke für Radler auf der Senefelder zu informieren.

Offenbach - Die Fahrradstrecke auf der Senefelderstraße sorgt noch immer für Verwirrung. Um etwas Licht ins Dunkel zu bringen, hat das Projekt Bike Offenbach gestern Autofahrer informiert. Von Steffen Müller 

Doch bevor es losgehen konnte, mussten einige bürokratische Hürden überwunden und ein Abschleppwagen gerufen werden. „Typisch Offenbach!“ Anders lässt sich die absurd anmutende Situation gestern Mittag an der Senefelderstraße nicht beschreiben. Denn leider gehört es zur Stadt, dass Verkehrsschilder ignoriert werden und Wildparken als Kavaliersdelikt gilt. So kommt es, dass die Aufklärungsaktion des Projekts Bike Offenbach, das für die Stadt die Fahrradstraßen betreut, nicht wie geplant um 13 Uhr losgehen kann, sondern erst 70 Minuten später.

Schuld ist ein ignoranter Fahrer, der seinen Kleinwagen im absoluten Halteverbot abgestellt hat. Die Parkfläche sollte eigentlich freigehalten werden, damit dort die Autofahrer herausgewunken werden können, die die Mitarbeiter von Bike Offenbach über die Fahrradstraße informieren wollen. Da sich allerdings die erteilte verkehrsrechtliche Anordnung, wonach der entsprechende Parkraum gesperrt werden darf, noch im Rathaus befindet, kann die Stadtpolizei nicht sofort eingreifen. Erst als alle Dokumente vorliegen, wird der Abschleppdienst gerufen.

Als der Kleinwagen endlich am Haken ist und die Projektleute von Bike Offenbach ihre zuvor vergessenen Warnwesten überstreifen können, beginnt die Aufklärungsmission. Ziel ist es, den motorisierten Verkehrsteilnehmern das Prinzip der Fahrradstraße zu erklären. „Wir haben den Eindruck, dass wir die Autofahrer bislang noch nicht so gut erreicht haben“, erläutert Projektleiter Ulrich Lemke Sinn und Zweck der Aktion.

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Und die ersten Befragungen geben ihm recht. Viele Autofahrer wissen nicht, dass es sich bei der Senefelder um eine Anliegerstraße handelt. Wer sie nur zur Durchfahrt benutzt, etwa um den Verkehr auf der Waldstraße zu umgehen, macht sich strafbar. Allerdings haben alle befragten Fahrer einen triftigen Grund, die Straße zu benutzen. Und Strafzettel gibt es gestern ohnehin nicht, auch wenn die Stadtpolizei die Aktion überwacht. Es soll lediglich informiert werden, aus den Antworten erhofft sich Bike Offenbach Rückschlüsse darauf, was auf der Senefelder verbessert werden muss, und welche Dinge für die weiteren fünf geplanten Fahrradstraßen bedacht werden müssen.

Erfreulich an der Befragung: Auch Passanten melden sich unaufgefordert zu Wort und geben ihre Meinung ab. So bleibt ein älterer Radfahrer freiwillig stehen und erzählt von seinen Erfahrungen. Viele Autofahrer seien viel zu schnell unterwegs und halten sich nicht an die vorgegebenen 30 Stundenkilometer, außerdem werde ignoriert, dass es sich um eine Anliegerstraße handelt. Der Anwohner wünscht sich, dass aus der Senefelder eine Einbahnstraße wird.

Doch das kommt für die Planer derzeit nicht in Frage. „Dann müssten Autos Umwege fahren, was zu mehr Emissionen führen würde“, sagt Ulrich Lemke. Insgesamt sieht der Projektleiter die Fahrradstraße aber auf einem guten Weg. Zu Beginn der Testphase sei noch viel gehupt und rücksichtslos überholt worden, wenn Radler nebeneinander gefahren seien, das habe nachgelassen, berichtet Lemke. „Doch mittlerweile respektieren die Autofahrer die Straße.“ Einige Unsicherheiten aber bleiben, wie ein Befragter zugibt. „Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, ob ein Radler rechts oder links von den blauen Markierungen fahren soll.“

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