Fahrschule Trenkler bildet Lastwagenfahrer aus

Brummi-Kapitäne gesucht

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In der Fahrschule von Wolfgang Trenkler (vorn) bestehen im Jahr 60 Bewerber die Prüfung als Lkw-Fahrer – auch vom Land nach Offenbach geschickte Ordnungshüter.

Offenbach - Lastwagenfahrer ist längst ein Mangelberuf. Wirtschaftliche Spitzenverbände schlagen Alarm, weil der Transportbranche zunehmend das Personal fehlt. Von Thomas Kirstein

Der Offenbacher Fahrschulchef Wolfgang Trenkler kann das bestätigen: Bei ihm rufen Spediteure an, weil sie dringend Fahrer brauchen. Auch die öffentliche Hand benötigt die Dienste von Trenkler, der sich neben der Pkw- und Motorrad-Schulung auf Aus- und Fortbildung von Lkw- und Busfahrern spezialisiert hat. Die hessische Polizei hat einen derart großen Bedarf an Beamten mit Lastwagen-Führerschein, dass es die eigene Fahrschule nicht mehr schafft. Neun junge Kommissare haben im Sommer in Offenbach für die Klasse C gebüffelt – und allesamt die Prüfung bestanden: Sie dürfen jetzt grüne Laster und Wasserwerfer fahren. Bedarf haben auch Rettungsdienste: Kranken- und Rettungswagen sind heute durchweg über 3,5 Tonnen schwer und somit nicht mehr mit einem Pkw-Schein neueren Datums zu steuern.

Der sich abzeichnende Mangel in Behörden und Privatwirtschaft hat – neben dem steigenden Transportaufkommen – zunächst demografische Gründe. Die Fahrerschaft ist überaltert. Bis 2020 gehen 40 Prozent der derzeitigen Autobahn-Kapitäne in Rente. „Und es kommen zu wenig Junge nach“, sagt Trenkler. Mit Aufhebung der Wehrpflicht sind die Zeiten vorbei, da es für junge Männer den Lkw-Führerschein bei der Bundeswehr praktisch kostenlos gab. Zudem fehlen Ruheständler, die einspringen oder sich etwas nebenher verdienen könnten – viele Ältere scheuen die Kosten für die vorgeschriebenen Weiterbildungen.

Die Ausbildung selbst ist nicht billig, der anstrengende Job am Steuer nicht fürstlich entlohnt. An die 6000 Euro kostet der Lappen heute, früher reichte die Hälfte. „Es sind mehr Theorie- und Praxisstunden nötig“, begründet das der Fahrlehrer. Die Kosten schreckten oft ab. Der C-Führerschein bringt aber in der Regel in Lohn und Brot. Trenkler kann praktisch alle, die er und seine Fahrlehrer ausbilden, in eine feste Anstellung vermitteln. 2015 wurden in seiner Schule 60 Leute zu Bus- und Lkw-Fahrern, Tendenz steigend.

Potenzielle Fahrschüler hat lange auch das Arbeitsamt zu Trenkler geschickt, vorwiegend wegen des Bus-Führerscheins. „Da sind schon welche dabei, die sind gar nicht motiviert, aber schätzungsweise 90 Prozent werden nach der Prüfung tatsächlich Busfahrer“, sagt er. Inzwischen fehle der Agentur indes das Geld.

Trucker-Treffen im Martinsee

Die Fahrschule Trenkler, vom Angebot her sozusagen der Platzhirsch in Offenbach hat sich für die Anforderungen einer modernen Ausbildung aufgerüstet. Ihre Lastzug-Flotte ergänzt seit März ein Hightech-Volvo mit 510 PS, Automatikgetriebe, elektronischer Stabilitätskontrolle, Abstandsregler, GPS-gesteuertem Spritsparprogramm, Toter-Winkel- und Notbremsassistent. Ein solcher ist ab November Pflicht für jeden neuen Lkw. „Wir sollten in fünf Jahren keine Auffahrunfälle mit Lastern mehr haben“, hofft Trenkler.

Er und die beiden weiteren Lkw-Fahrlehrer im neunköpfigen Team lassen sich jährlich bei Nutzfahrzeugherstellern weiterbilden. Wird das eigentliche Laster-Steuern durch den technischen Fortschritt zunehmend erleichtert, werden rechtliche Vorgaben um Lenk- und Ruhezeiten oder die Bedienung des elektronischen Tachos immer komplizierter.

Ein weiteres Geschäftsfeld der Fahrschulen sind deshalb die Pflichtweiterbildungen für Lkw- und Busfahrer, die seit fünf Jahren notwendig waren für gewerbliche Transporte; seit diesem September muss jeder Bus-, ab September 2016 jeder Lkw-Fahrer die fünf siebenstündigen Module in fünf Jahren absolviert haben. Einfach Führerschein machen und auf den Bock setzen ist also nicht mehr. Auch das mag Berufskraftfahrer zum Mangelberuf machen.

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