Fahrzeugkontrollen

„Die deutsche Polizei ist lieb“

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„Bitte Führerschein und Fahrzeugpapiere“: Polizeikontrolle in der Nacht zu gestern in der Mainstraße.

Offenbach - „Guten Abend, Polizei, allgemeine Verkehrskontrolle. Bitte Führerschein und die Fahrzeugpapiere!“ Diese höfliche Aufforderung hörten in der Nacht zu gestern 52 Autofahrer an der Mainstraße in Höhe des Mainparks. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Und um die positive Nachricht vorweg zu nehmen: Bis auf ein paar Kleinigkeiten gab es nichts zu bemängeln, die umfangreiche Präventionsarbeit der Offenbacher Ordnungshüter im Straßenverkehr scheint sich auszuzahlen.

Es ist Fastnachtssamstag, die fünfte Jahreszeit steuert ihrem Höhepunkt entgegen. In Bürgel, Rumpenheim und auf der Rosenhöhe etwa enden gerade die letzten Sitzungen. Zeit also, allzu trink- und fahrfreudigen Narren die rote Karte zu zeigen.

Lichtstab, Anhaltekelle, Taschenlampe

Mit zwei Dienstfahrzeugen verlassen die Polizeibeamten das 1. Revier an der Mathildenstraße. Ziel ist die Bushaltestelle am Mainpark, hier können bis zu vier Autos gleichzeitig kontrolliert werden. Schützenhilfe bekommt die Offenbacher Nachtschicht von Mühlheimer Kollegen. Im Gepäck der Beamten: Lichtstab, Anhaltekelle, Taschenlampe, vier verschiedene Verwarnblocks und das gefürchtete Alkoholtestgerät, dessen Benutzung immer auf Freiwilligkeit der Kontrollperson beruht. Besteht „dringender Tatverdacht“, können die Beamten allerdings eine richterliche Anordnung zur Blutprobe in die Wege leiten. Davon ist man in dieser Nacht weit entfernt: das Alcotest-Gerät muss nicht zum Einsatz kommen.

„Hier sind wahrscheinlich Drogen im Spiel“

Einzige Ausnahme ist ein 20-jähriger Offenbacher, der mit drei Freunden in Sachen Party unterwegs ist. Der Einsatzleiter leuchtet dem Golffahrer mit der Taschenlampe ins Gesicht – seine Pupillen reagieren nicht. Für den erfahrenen Kommissar ein klares Zeichen: „Hier sind wahrscheinlich Drogen im Spiel.“ Auch für diesen Fall ist die Kontrolle gerüstet: Mit einem Schnelltest können innerhalb kurzer Zeit verdächtige Stoffe im Urin nachgewiesen werden. Er beruht aber ebenfalls auf Freiwilligkeit. Der junge Mann sträubt sich nicht, folgt den Beamten brav zur Urinprobe. Drei Tropfen und zehn Minuten später ist sicher: Falls er wirklich etwas konsumiert hat, ist die Konzentration zu gering zur Messung. Glück gehabt, der Fahrer und einer seiner Begleiter sind nämlich keine Unbekannten, sondern schon mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten.

Polizisten leuchten permanent ins Seitenfenster

Die Beamten halten einen großen Paketdienst-Lieferwagen an. Im Fahrerraum sitzen drei Ghanaer. Um die nötige Sicherheit bei mehreren Fahrzeuginsassen zu gewährleisten, leuchten die Polizisten permanent ins Seitenfenster. In diesem Fall erfreulicherweise unnötig, denn die jungen Männer verhalten sich korrekt. Der 32-jährige Fahrer ist seit 1996 Offenbacher und kommt gerade von seiner Freundin in Frankfurt. Sein Chef hat ihm für das Wochenende den Firmenwagen zur Verfügung gestellt. Für die Verkehrskontrolle zeigt er Verständnis: „Die deutsche Polizei ist sehr lieb. In Ghana zieht der Polizist in so einer Situation sofort die Waffe.“ Die Ordnungshüter haben bis auf den fehlenden Fahrzeugschein, nichts zu beanstanden. Dafür gibt es ein Bußgeld und der Schein muss innerhalb einer gewissen Frist vorgezeigt werden.

Etwas tiefer in die Tasche greifen in dieser Nacht nur drei Autofahrer. Zwei sind nicht angeschnallt, der dritte fährt mit Unfallschaden. Häufigste Beanstandung sind rund ein halbes Dutzend kaputte Abblendlichter. Bei allen Kofferraumkontrollen dagegen finden sich die geforderten Warndreiecke und Verbandskästen.

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Wenn auch nicht auf der Straße, so sorgte der Alkohol in dieser Nacht anderweitig für reichlich Arbeit. Vier Schlägereien hätten ohne feucht-fröhliches Vorspiel so nicht statt gefunden. Ausrücken mussten die Beamten weiterhin wegen eines Raubüberfalls auf einen Bieberer Supermarkt, einer Sachbeschädigung und zwei Fällen häuslicher Gewalt.

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