Pressesprecher der Stadt berichtet

Fall Tugce: Offenbach bundesweit im Fokus

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Offenbach - Vor einem Monat ist die Studentin Tugce Albayrak auf dem Parkplatz des McDonald’s am Kaiserlei niedergeschlagen worden. Wenige Tage später erlag sie den massiven Kopfverletzungen. Der Fall hat bundesweit eine riesige Anteilnahme hervorgerufen und auch die Stadt Offenbach in den Fokus gerückt.

Mit dem Abstand von vier Wochen berichtet Fabian El Cheikh, Pressesprecher der Stadt, wie der Fall Tugce die Stadt berührt hat und wie sie damit umgegangen ist. „Die Anteilnahme insbesondere in der Stadt, aber auch bundesweit, war und ist überwältigend“, sagt er mit Blick etwa auf die Mahnwachen. Auch das journalistische Interesse war riesig: „In mehreren Phasen beschäftigen uns seit bald vier Wochen Medienanfragen aus der ganzen Republik: dpa, Bild, Hürriyet, Spiegel, Radiostationen und Zeitungen aus der Rhein-Main-Region, ZDF, HR, RTL und sogar die Sächsische Zeitung riefen bei uns an.“

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Die Bitte nach Stellungnahmen aus der Politik mussten El Cheikh und seine Kollegen meist jedoch ablehnen; für eine Bewertung der Geschehnisse sei es zu früh. Andere Fragen drehten sich um Jugendkriminalität und Integrationsprobleme in Offenbach. „Ob wir am Ende wirklich von dem hehren Begriff der Zivilcourage sprechen können, hängt vom Abschluss der Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft ab“, sagt El Cheikh. Diese müsse man zunächst abwarten. „In diesem Zusammenhang hat die frühe Festlegung des Boulevards in dieser Frage durchaus einiges Kopfschütteln ausgelöst“, meint der Pressesprecher. Gleichwohl habe der Tod der jungen Studentin nachdenklich und traurig gemacht.

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„Welche Entwicklung nimmt unsere Gesellschaft, wenn Auseinandersetzungen und Meinungsverschiedenheiten, die einfach zum Alltag gehören, so schnell in Gewalt ausarten und Beteiligte mit ihrem Leben bezahlen müssen?“, fragt El Cheikh. Die Stadt hätten auch Fragen erreicht, wie man mit Jugendkriminalität und Integrationsproblemen umgehe. El Cheikh und seine Kollegen verwiesen dann auf die Projekte im Präventivbereich, an Kitas und Schulen, aber auch in Freizeiteinrichtungen. „Unsere örtlichen Medien berichten selbstverständlich darüber, überörtliche Presse dagegen erhält stets nur eine unvollständige Momentaufnahme, wenn sie nach Offenbach schaut“, sagt er.

Verärgert war man im Rathaus auch über den Offenbacher Rapper Haftbefehl, der seiner Heimatstadt kein gutes Zeugnis ausgestellt hatte, Offenbach sei „eine schlimme Stadt“ hatte er gesagt. El Cheikh: „Das liest sich wie ein Märchen, denn es zeichnet ein völlig falsches Bild der Stadt. Ja, natürlich haben wir Probleme und der eine oder andere mag sich subjektiv vielleicht nicht so sicher fühlen wie auf dem Lande. Aber wir sind eine Großstadt, in der Menschen aller Schichten und Einstellungen aufeinander treffen. Vor diesem Hintergrund, und dass wir die Stadt mit dem höchsten Migrantenanteil Deutschlands sind, sind die gesellschaftlichen Probleme in Offenbach sicher nicht größer als anderswo.“ 

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