Erwachsenen- oder Jugendstrafrecht?

Das droht dem Tugce-Schläger Sanel M.

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Sanel M.

Offenbach - Sanel M. hat zugeschlagen, Tugce Albayrak ist daraufhin gestorben: Nun wartet der Offenbacher in Untersuchungshaft auf seinen Prozess. Für das Strafmaß wird vor allem entscheidend sein, ob das Gericht ihn nach Erwachsenen- oder Jugendstrafrecht beurteilt. 

In der vergangenen Woche wurde Tugce Albayrak für hirntot erklärt. Zwei Tage später stellten die Ärzte im Klinikum Offenbach die lebenserhaltenden Maschinen ab. Die Anteilnahme war riesig. Mittlerweile veröffentlichte die „Bild“ ein Video einer Überwachungskamera vom McDonalds-Parkplatz am Kaiserlei, das die Tat zeigt. Der 18-jährige Offenbacher Sanel M. ist darauf zu sehen. Ein Freund versuchte noch, ihn mehrfach zurückgehalten. Ohne Erfolg. Sanel M. schlug einmal zu, Tugce Albayrak fiel zu Boden und schlug mit dem Kopf auf. Bei der Obduktion der Leiche wurde festgestellt, dass „stumpfe Gewalteinwirkung gegen den Kopf“ zum Tod geführt hat. Ob dafür der Schlag oder der Sturz auf den Boden verantwortlich ist, gab die Staatsanwaltschaft noch nicht bekannt. Davon - und von weiteren anderen Faktoren - dürfte aber die Strafe für Schläger Sanel M. abhängen.

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Sanel M. sitzt seit der Tatnacht am 15. November in der JVA Wiesbaden in Untersuchungshaft. Er gilt als Intensivtäter, soll schon in rund 15 Fällen mit der Polizei zu tun gehabt haben - unter anderem wegen schweren Diebstahls, Sachbeschädigung, Ladendiebstahls und Körperverletzung. Laut Staatsanwaltschaft habe Sanel M. unter anderem kurz in einer Arrestanstalt für Jugendliche gesessen. In einer ersten Anhörung beim Haftrichter habe der junge Mann eine Ohrfeige zugegeben. Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, beklagte in Interviews, dass es für jugendliche Intensivtäter nicht genügend Betreuungsplätze gebe. „Es gibt schlichtweg zu wenig Unterbringungsheime, wo jungen Intensivtätern geholfen wird, wir können sie eigentlich nur in den Knast schicken“, sagte Wendt. Fachleute gehen jedoch davon aus, dass etwa 65 Prozent dieser Gewalttäter nach Verbüßen der Strafe rückfällig werden.

Trauriger Abschied von Tugce Albayrak

Die Polizei ermittelt im Fall Tugce Albayrak wegen schwerer Körperverletzung mit Todesfolge gegen den Offenbacher. Ein Vorwurf von Totschlag oder Mord komme laut Staatsanwaltschaft nicht infrage. Die wohl entscheidende Frage im späteren Prozess wird sein, ob der in Serbien geborene Sanel M. nach Erwachsenen- oder Jugendstrafrecht beurteilt wird. Der zweite Fall gilt als wahrscheinlicher. Sanel M. ist zwar volljährig, wurde aber erst im November 18 Jahre alt. Neben dem Alter spielen auch Familien-, Lebens- und Arbeitssituation eine Rolle. Die Gerichte folgen in einem Prozess meist den Empfehlung der Jugendgerichtshilfe. Während sich im Erwachsenenstrafrecht die Höhe der Strafe nach der Schuld des Täters bemisst, steht im Jugendstrafrecht die Erziehung des Täters im Vordergrund. Darauf legt erfahrungsgemäß auch die Jugendgerichtshilfe bei ihrer Beurteilung von Angeklagten wert.

Bilder vom Abschied am Klinikum

Mahnwache für Tugce vor dem Klinikum

Strafen im Erwachsenenstrafrecht

  • Bei schwerer Körperverletzung mit Todesfolge muss ein Erwachsener mit drei bis 15 Jahren Haft rechnen.

Strafen im Jugendstrafrecht

  • Bei schwerer Körperverletzung mit Todesfolge gilt eine Höchststrafe von zehn Jahren. Die Mindeststrafe von sechs Monaten könnte zur Bewährung ausgesetzt werden, dies ist aber sehr unwahrscheinlich.

Neben dem Strafrecht muss das Gericht natürlich auch weitere Faktoren, wie die Vorgeschichte auf der Toilette - die zwei wichtigsten Zeuginnen wurden gestern gefunden -, in ihr Urteil einbeziehen. Der Fall wird laut Medienberichten wohl vor dem Landgericht in Darmstadt verhandelt werden, einen genauen Termin gibt es aber noch nicht.

Mahnwache vor McDonalds am Kaiserlei

dani

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