Wie sehr war Schläger Sanel M. betrunken?

Tugce-Anwalt sieht kein juristisch relevantes Maß

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Sanel M.

Offenbach - Sanel M., der für den Tod von Tugce Albayrak verantwortlich ist und seit der Tatnacht in U-Haft sitzt, war betrunken. Er soll 1,4 Promille im Blut gehabt haben.

Seit der Tatnacht am 15. November sitzt Sanel M. in Untersuchungshaft in der JVA Wiesbaden und wartet dort auf seinen Prozess. Der 18-Jährige hatte Tugce Albayrak so geschlagen, dass die junge Frau erst mit dem Kopf auf den Boden und dann sogar ins Koma fiel. Sie wachte nicht mehr auf und starb. Nachdem Tugce Albayrak beerdigt wurde und die „Bild“ ein Video der Tat veröffentlicht hatte, wurde nun neue Details bekannt. Nach Angaben vom „Spiegel“ war Sanel M. in der Tatnacht betrunken. Er soll bei einem Alkoholtest um 6 Uhr bei der Polizei, also etwa zwei Stunden nach dem verhängnisvollen Schlag, noch 1,4 Promille im Blut gehabt haben. Zuvor sei Sanel M. mit mehreren Personen auf einer Feier in Offenbach gewesen, bei der  in einem als Balkan-Diskothek bekannten Klub unter anderem Whiskey getrunken wurde.

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Der Anwalt der Familie von Tugce Albayrak hält es für ausgeschlossen, dass der Täter bei der Attacke auf die Studentin in einem juristisch relevanten Maße betrunken war. Er sehe keine eingeschränkte Steuerungsfähigkeit bei dem Angreifer, sagte Macit Karaahmetoglu am Montag. Auf Videobildern der Tat seien bei dem Täter auch keine Ausfallerscheinungen erkennbar. Karaahmetoglu vertritt nach eigenen Angaben die Mutter des Opfers, ein Kollege aus der Kanzlei den Vater. Auch die beiden Brüder von Tugce sollen von der Kanzlei für eine Nebenklage vor Gericht vertreten werden. Wie wir bereits berichteten, gilt Sanel M. bei der Polizei als Intensivtäter - er musste sich schon in 15 Fällen bei der Polizei verantworten. Laut Spiegel-Informationen verzeichnet sein Strafregister schon vier Verurteilungen, zwei im Jahr 2012, zwei weitere erst 2014. Dabei sei es zunächst um einen versuchten gemeinsamen Diebstahl und eine gefährliche Körperverletzung gegangen. Zudem käme im laufenden Jahr eine weitere Verurteilung wegen gemeinschaftlicher räuberischer Erpressung hinzu, weil Sanel M. mit anderen Jugendlichen die Herausgabe von Handys verlangt haben soll.

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Trotz dieses langen Vorstrafenregisters geht der Rechtsanwalt von Tugce Albayrak davon aus, dass Sanel M. bei einem Prozess sich nur vor dem Jugendrichter verantworten muss. „Da er gerade erst 18 geworden war, gehe ich davon aus, dass das Jugendstrafrecht zur Anwendung kommt“, sagte Macit Karaahmetoglu den „Stuttgarter Nachrichten“. Damit sind Freiheitsstrafen zwischen sechs Monaten und zehn Jahren möglich.

Trauriger Abschied von Tugce Albayrak

dani/dpa

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