Im falschen Ort zu verdächtig agiert

Offenbach (tk) - Professionell war das nicht, wie ein heute 27-jähriger Niederländer einen Drogentransport ins Rhein-Main-Gebiet anlegte.

Erst verwechselte er Offenbach mit Obertshausen, dann benahm er sich in der Kreisgemeinde derart auffällig, dass ihn eine Passantin als potentiellen Bankräuber einschätzte.

So endete er vor dem Offenbacher Schöffengericht. Richter Manfred Beck schickte ihn für drei Jahre und drei Monate hinter schwedische, in diesem Fall niederländische Gardinen.

14 Kilogramm Marihuana wollte der gelernte Elektriker aus den Niederlanden nach Offenbach schmuggeln. 500 Euro sollte er dafür kriegen. Sein Pech, dass er sich halt in Deutschland nicht so recht auskannte und in der Nachbarkommune landete.

Dort parkte er zufällig vor einer Bankfiliale und telefonierte mit seinem Auftraggeber oder dem Aufkäufer dieser heißen Ware, um herauszubekommen, wie er diese loswerden sollte. Offensichtlich erhielt er die Mitteilung, er solle warten und werde dort kontaktiert. Als sich 20 Minuten nichts tat, wurde der Mann nervös – zumal die Ware einen Verkaufswert von 100.000 Euro hatte. Sehr auffällig ging er, hektisch telefonierend, vor der Bank hin und her.

Bürgerin alarmiert die Polizei

Dies fiel einer Bürgerin auf, die befürchtete, der Mann könne die Bank überfallen wollen. Vorsorglich rief sie die Polizei an und schilderte ihre Beobachtungen. Die Beamten machten sich auf den Weg, um die Sache zu überprüfen. Als der Niederländer den Streifenwagen sah, gab er Fersengeld und entkam. Das Auto mit dem in Sporttaschen verpackten „Gras“, ließ er stehen.

Die Beamten sahen, dass es sich um einen Mietwagen handelte. Die Autovermietung gab die Personalien des Mieters bekannt. Nachdem Papiere des Mannes im Pkw gefunden wurden und ihn die Zeugin auf Lichtbildern erkannte, stellte die Staatsanwaltschaft den Antrag auf Verhaftung des Verdächtigen in den Niederlanden. Die dortigen Behörden kamen dem schnell nach und lieferten den Mann an Deutschland aus. Er habe Gesetze eines anderen EU-Lands verletzt und müsse dafür dort gerade stehen.

Vor Richter Manfred Beck gestand der Mann alles ein. Er beharrte darauf, dass er nur der Transporteur der Ware gewesen sei, nicht aber der Eigentümer.

Den wollte er der Polizei lieber nicht verpfeifen – aus Angst, dass dann sein Leben, das seiner Frau und das seines kleinen Kindes nicht sicher seien. Das Gericht ging zu Gunsten des Angeklagten davon aus, dass er wirklich nur Fahrer war. Er nahm das Urteil an.

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