„Zeitjoker“ für die Menschheit

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Visionen von morgen haben die wichtigsten Vertreter der Offenbacher Unternehmen, wenn sie sich zur „Top 100“ im Capitol treffen. Doch während die Erwachsenen noch reden, gehen Schüler bereits zur Sache und pflanzen Bäume für eine grünere globale Zukunft.

Offenbach - Wenn sich ein Gespräch um das Thema dreht, was man im Leben noch alles tun möchte, hört man vielleicht Aussagen wie: eine Familie gründen, ein Haus bauen, einen Baum pflanzen. Von Alexander Kroh

Geht es nach Felix Finkbeiner sollte jeder Mensch auf der Erde pro Monat einen Baum pflanzen. Diese Vision präsentierte der 14-Jährige am Donnerstagabend 173 Vertretern der wichtigsten Wirtschaftsunternehmen im Capitol.

Felix Finkbeiner war einer von vier Referenten der nunmehr 14. „Top 100“-Veranstaltung, die nach 2009 in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal von der Sozietät Bader Förster Schubert (BFS) gesponsert und zusammen mit der Wirtschaftsförderung der Stadt Offenbach organisiert wurde. Der Junge aus dem bayerischen Ort Pähl hat ein sehr konkretes Ziel vor Augen: Er möchte in jedem Land der Erde eine Million Bäume pflanzen.

2007 hat der damals Neunjährige seinen ehrgeizigen Plan gefasst und die Schülerinitiative „Plant for the Planet“ gegründet. Dass er sein Ziel nicht alleine erreichen kann, war ihm von Anfang an klar, und so begann er, andere Kinder für sein Vorhaben zu begeistern und so genannte Botschafter für Klimagerechtigkeit auszubilden – weltweit.

Mittlerweile setzen sich mehr als 100 000 Kinder in über 100 Ländern für Klimagerechtigkeit ein, bis 2020 sollen es eine Million werden. Und seit Donnerstag gibt es Botschafter für Klimagerechtigkeit auch in Offenbach. An der Leibnizschule wurden 62 Schüler, eigene und welche der Albert-Schweitzer-Schule, im Alter von neun bis zwölf Jahren ausgebildet. Als Symbol pflanzten die Kinder im Anschluss eine Eiche im Dreieichpark im Beisein von OB Horst Schneider und Thomas Förster von der BFS. Doch damit nicht genug: Am 23. November sollen im Offenbacher Stadtwald 1 750 weitere Bäume gepflanzt werden. Die BFS beteiligt sich mit 3 000 Euro.

„Plant for the Planet“

Mit dieser Aktion möchte die mittlerweile zur globalen Bewegung gewordene „Plant for the Planet“-Initiative einen CO2-Ausgleich schaffen, denn jeder Baum ist ein Kohlenstoffdioxid-Speicher und ein „Zeitjoker“ für die Menschheit, erklärte Felix Finkbeiner, der für seinen Vortrag eigens aus dem Snowboardurlaub in der Schweiz nach Offenbach gereist kam.

Um die Zukunft der Erde zu sichern, hat die Initiative einen Drei-Punkte-Plan aufgestellt: bis 2050 null Emissionen erreichen, Armut durch Klimagerechtigkeit beenden und 1 000 Milliarden Bäume pflanzen. In Deutschland ist allein durch die Initiative des 14-Jährigen die eine Million-Marke gepflanzter Bäume schon geknackt, doch das ist für ihn noch kein Grund zur Genugtuung.

Vom 28. November bis zum 9. Dezember findet im südafrikanischen Durban die nächste Klimakonferenz der Vereinten Nationen statt – die letzte Möglichkeit, ein Nachfolgeabkommen für das im Jahr 2012 endende Kyoto-Protokoll abzuschließen. Schon im Februar hat Felix Finkbeiner zur Eröffnung des internationalen Jahres der Wälder vor den Vereinten Nationen gesprochen. Warum bislang so wenig getan wurde, erklärt sich der Start-up-Unternehmer damit, dass für Erwachsene Zukunft eine andere Bedeutung hat als für Kinder. Darum müssten auch die Kinder selber aktiv gestalten.

Zukunftsvisionen bei Vorträgen

Um Zukunftsvisionen ging es auch bei den anderen Vorträgen des Abends. Linguist und Humorist Dr. Carl Naughton erläuterte den Wirtschaftsvertretern zu Beginn auf unterhaltsame Weise die Bedeutung von Denkmustern und plädierte für mehr „Nachdenken über das Denken“.

Der Offenbacher Internetpionier Ossi Urchs referierte über die dramatischen Veränderungen der Internetnutzung durch das Web 2.0. Der Unternehmensberater wies darauf hin, dass Lokalität, also der aktuelle Standort des Internetnutzers, heute zu einem entscheidenden Parameter geworden sei. Gerade weil jeder das „worldwide web“ in der Hosentasche mit sich herumtrage. Komplettiert wurde das Rednerquartett durch Professor Wolfgang Henseler. Der in Rumpenheim lebende Experte für Internet-Lösungen stellte die These auf, dass die Einführung der „App“ (Applikation zum Starten von Programmen, etwa auf einem Handy) einen Paradigmenwechsel in der Nutzung des Internets darstelle, vergleichbar mit der Einführung des Computers.

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