Familienzentren Starthaus und Zion

Geldsorgen an Tagesordnung

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Das Familienzentrum Starthaus an der Löwenstraße bietet unter anderem Bewerbungstraining für Jugendliche an.

Offenbach - Nordend und Mathildenviertel – zwei verschiedene Offenbacher Stadtteile mit ganz ähnlichen Problemen. Viel Armut, Arbeitslosigkeit, viele Anwohner mit Migrationshintergrund, erhöhter Bedarf an Hilfe. Von Veronika Schade 

In beiden gibt es aus diesem Grund seit einigen Jahren sogenannte Familienzentren, seit 2006 das Starthaus im Nordend, seit 2010 Zion (Zentrum für Integration und Organisierte Nachbarschaft) im Mathildenviertel. Es wurde als Weiterentwicklung der Kindertagesstätte der Schlosskirchengemeinde gegründet. In den Einrichtungen finden Familien Beratungs- und Bildungsangebote, Sprach- und Integrationskurse sowie Kinderbetreuung. Das soll die Stadtteile familienfreundlicher und lebenswerter machen, zu Bildung, Integration und Gewaltprävention beitragen – und erfordert viel Geld. „Wir sind an der Grenze des Machbaren, suchen immer nach Finanzierungsmöglichkeiten“, sagt Claudia Baghdadi von Starthaus.

Auch Barbara-Anne Podborny, Geschäftsführerin der Offenbacher Diakonie, unter deren Dach Zion läuft, spricht von einer „chronisch unterfinanzierten Situation“. Die Stadt kann mit ihren Mitteln nicht unterstützen. „Von Offenbach Geld zu fordern, ist, als würde man einem nackten Mann in die Tasche greifen“, findet Podborny klare Worte. So ist der Besuch, der sich gestern in beiden Familienzentren angekündigt hat, mehr als willkommen. Hessens Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) hat Förderbescheide im Gepäck.

Fördermittel vom Land

Hessische Familienzentren bekommen seit 2011 Fördermittel vom Land. Dieses Jahr sind es 1,2 Millionen Euro, die an 113 Einrichtungen verteilt werden. So bleiben für jede 12 000 Euro, die für Personal- und Sachausgaben eingesetzt werden: Leitung, Koordinierung, Vernetzung, Management und Leistungen Dritter. „Mir ist es lieber, die Familienzentren in der Fläche zu etablieren und ihren Bestand zu fördern, als wenige ausgewählte mit größeren Summen zu unterstützen“, erklärt Grüttner.

Weitere Informationen:

www.gmbh.starthaus.org

Infos zu Zion: www.diakoniekirche-offenbach.de

Der Offenbacher erkundigt sich in beiden Einrichtungen nach dem Stand der Dinge, hört sich an, wo es Probleme gibt. So berichtet Kajetan Tadrowski vom Starthaus von einer Nachricht, die seine Einrichtung schwer getroffen hat: „Von heute auf morgen hat der Bund die Zahlungen für berufsbezogene Deutschkurse eingestellt. Ich dachte erst, das sei ein schlechter Aprilscherz.“ Neben den üblichen Deutschkursen für Migranten bietet Starthaus berufsbegleitende Kurse an, die sich schwerpunktmäßig an Pflegekräfte wenden und ihnen das nötige sprachliche Rüstzeug für den Arbeitsalltag in Deutschland liefern – unter anderem an Fachpersonal aus Spanien. „Wir können die Plätze nur unter Finanzierungsvorbehalt vergeben“, so Tadrowski.

Bei der Übergabe des Förderbescheides ans Familienzentrum Zion (von links): Margit Hönig (Evangelisches Dekanat), Pfarrerin Patricia Pascalis, Sozialminister Stefan Grüttner, Gaby Schiema (Kita-Leiterin) und Barbara-Anne Podborny (Geschäftsführerin Diakonie).

Der Bedarf sei groß, etwa 40 Zuweisungen kämen pro Monat von den Arbeitsagenturen. „Es ist ein wichtiges Angebot für gelingende Integration und den Zugang zum ersten Arbeitsmarkt“, findet Grüttner, der vom Finanzierungs-Stopp wusste. Er werde „mit Berlin reden“. Sorgen bereitet beiden Offenbacher Familienzentren, dass die Fördermittel, die das Land ihnen im vierten Jahr zur Verfügung stellt, nächstes Jahr auslaufen. Grüttner macht ihnen Hoffnung auf künftige Förderung, die sich jedoch auf konkrete Projekte beziehen solle. Kreativität in der Geldbeschaffung beweist Zion, das zurzeit seine Räume in der Schlosskirchengemeinde ausbaut. „Ein Teil unserer Mittel kommt aus einem Glücksspiralprojekt“, verrät Podborny. Sie freut sich über eine Vereinbarung mit dem Lions-Club Offenbach-Lederstadt: „Der Erlös des Entenrennens geht dieses Jahr an uns.“

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