Bei Fantasy reimt sich alles auf Tanz

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Wuschelwuschel: Im Mariensaal bewegte sich die Kunst zwischen dem Ausführen anarchischer Lockenperücken...

Offenbach ‐ Es ist alles ein klein wenig anders, wenn der Offenbacher Tanzsportclub (TSC) Fantasy 2002 zur Sitzung bittet. Typische Elemtent wie Elferrat, Bütt oder zwangsweise schunkelnde Zuschauerreihen beispielsweise suchte man am Samstag im Mariensaal vergebens. Dagegen konnten sich die Gäste an akrobatischen Tanzeinlagen, lebendiger Musik und phantasievollen Kostümen erfreuen. Von David Heisig

Unter dem Titel „Bunter Abend“ führten TSCler und Gäste aus anderen Vereinen Show- und Gardetänze vor oder ließen Musiknummern krachen. Durch das Programm führte Vereinsvorsitzende Silvia Moog. „Büttenreden sucht man bei uns im Programm vergebens. Unsere ganze Vereinsarbeit beschäftigt sich mit Tanz. Und das zeigen wir auch an diesem Abend.

Rund ein halbes Jahr hat Moog mit den Vorbereitungen verbracht. „Vereine anschreiben, Plakate drucken lassen, Orden für das Prinzenpaar und Andenken für die Aktiven besorgen, das nimmt Zeit in Anspruch.“ Und außerdem mussten die Aktiven ja auch noch das Programm zusammenstellen. Ein Programm, das auch dadurch sehr reichhaltig wurde, weil sich viele Gleichgesinnte aus Offenbach, Frankfurt und Umgebung angekündigt hatten. Die Mozart-Husaren etwa, die TG 08 Ober-Roden und die Stadtgarde Offenbach. Zu Beginn tanzten deren „Chaoskids“ und zeigten eine gewagte Hebefigur. Silvia Moog betonte nicht umsonst, dass in den „Jüngsten die Zukunft des Karnevals“ liege.

TSC-Sitzung in Bildern

TSC-Sitzung im Mariensaal

In die eigene Kindheit versetzt mag sich dann wohl mancher gefühlt haben, als TSC-Solistin Jasmin Zunke zu den Melodien der Zeichentrickserien „Tom und Jerry“ und „Paulchen Panther“ ihre Kunst zeigte. Angeleitet wurde sie von Jessy Hähnlein und Sabrina Kubiak. Die Schülerin Sabrina ist selbst sei fünf Jahren dabei, trainiert zweimal wöchentlich. „Zum Einstudieren von fünf Tänzen brauchen wir etwa acht Monate. Das liegt daran, dass die Choreographien schon schwierig sind und man Kondition braucht“, erklärt sie. Das merkte man auch den Akteuren an, die nach dem letzten Akkord ihrer Begleitmusik erstmal kräftig nach Luft schnappten.

Erster musikalischer Höhepunkt: die Show-Band „Main Brass“ unter der Leitung von Wolfgang Fischer, die mit Michael Jacksons „Black or White“ in den Saal einzog. „Wir interpretieren im Stile amerikanischer Highschool-bands Songs der Beach Boys, von Michael Jackson, haben aber auch Neues im Programm. Lieder, die eben auch zum Fasching gefallen“, sagt Fischer. Was noch gefiel: Lederaniens Herrscher - Prinzessin Carolin I. und Prinz Matthias II. - machte eine gute Figur. Das Paar und sein Hofstaat gaben auf ihrer Tournee durch die Faschingsschauplätze der Stadt auch der Fantasy die Ehre.

...und diszipliniertem Gardetanz.

Stimmungsgarantie und bei Bedarf auch erstmal Weckruf: Das bieten die „Icebreakers“ der Offenbacher Stadtgarde mit ihrer Guggemusik, die an sich schon schöne Stücke in Stürme verwandelt. Schon die Zahl der Musiker ist beachtlich. „Die nehmen ja die Hälfte des Saals ein, machen aber richtig Stimmung“, bemerkte eine Dame aus dem Publikum ehrfürchtig. Und Bandleader Stefan Wolf definierte, was für ihn Guggemusik ausmacht: „Du musst einfach Spaß an Musik haben und verrückt sein. Verrückt, dich auf drei Auftritte am Abend einzulassen, alles zu geben. Und auch Geld investieren. Unsere Kostüme sind nicht billig.

Den krönenden Abschluss des Abends bildete das „Männerfusionsballet“, ein Zusammenschluss des Männerballetts „Die Gazellen“ der Ranzengarde aus Bürgel und der Mannen der „Blau-weiß-roten Mozart-Husaren des Delfins“, die unter der Leitung von Joachim Schulz eine Mixtur aus „Dschungelbuch“ und „Tarzan“ darboten. Viel Charme der einzelnen Akteure, die phantasievollen Kostüme und das Wissen, dass in jeder Choreographie viel Vorbereitung steckt, ließen das fachkundige Publikum über manchen Fehltritt und die eine oder andere kleine Panne hinwegsehen. Ein Beleg für die tänzerischen Gene waren sicherlich die jüngsten Gäste der Sitzung, die zum Cowboytanz der „Aerobic Dancers“ der FT Oberrad vor der Bühne mittanzten.

Und eine Büttenrede gab es am Abend doch noch: Willi Füllgraf von der Bürgeler Ranzengarde versuchte als „Hassbruder“ mit einigem Erfolg, das Publikum für die Kunst der gereimten Narretei zu gewinnen.

Nachwuchs immer gesucht

Informationen unter 069 880439 oder im Internt:

www.tsc-fantasy-offenbach.de

Gelegenheit, Gardetanz, Guggemusik und Faschingsvereine hautnah zu erleben gibt es noch zur Genüge bei der Offenbacher Straßenfastnacht. Am Samstag, 30. Januar, wird zum Sturm aufs Rathaus geblasen. Und am 7. Februar steht anlässlich des 75. OKV-Geburtstags der große Zug durch die Straßen der Innenstadt an. Wer Lust bekommt, die Sache tänzerisch zu bereichern, darf beim TSC reinschnuppern. „Wir suchen immer neue Tänzer“, wirbt Silvia Moog. Angst vor Fehltritten oder Ausrutschern brauche niemand zu haben, denn Übung und Anleitung machten auch hier den Meister.

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