Farben weisen den Weg

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Mit winzigen Kameras kann man im Körper der Patienten auf Entdeckungsreise gehen – zu Demonstrationszwecken wird freilich nur das Innere eines Kürbisses erforscht.

Offenbach ‐ Als die Sicherheitsleute endlich die Schranke heben, gibt es kein Halten mehr: Viele hundert Besucher strömen in den Neubau des Klinikums – die Offenbacher wollen ihr neues Krankenhaus selbst in Augenschein nehmen. Von Denis Düttmann

Beim Gesundheitstag am Samstag konnte die breite Öffentlichkeit sich zum ersten Mal ein eigenes Bild von dem nun modernsten Krankenhaus im Rhein-Main-Gebiet machen.

Sieben oberirdische und zwei unterirdische Stockwerke hat das moderne Gebäude. Pflegestationen, Operationssäle, technische Anlagen und Logistikzentren sind unter einem Dach untergebracht. Damit sich Ärzte, Schwestern und Patienten trotzdem schnell zurecht finden, haben die Planer ein leicht verständliches Farbkonzept entworfen, das sich auch Neuankömmlingen intuitiv erschließt. „Jede Abteilung ist in einer bestimmten Farbe gehalten, die sich in den Wegweisern wiederfinden“, erklärt Sabine Goldschmidt, Referentin der ärztlichen Direktion, bei dem Rundgang durch das Haus. „Ein solches System gibt es in keinem anderen Krankenhaus.“

Im OP-Bereich geht es nicht ganz so farbenfroh zu wie auf den Pflegestationen – hier dominiert steriles Weiß und glänzendes Metall. „Unsere OPs sind für alle operativen Disziplinen voll ausgestattet“, sagt Goldschmidt. „In unserem Schulungs-OP haben wir zusätzlich eine Anlage zur Videoübertragung installiert. Damit können wir uns mit Kollegen auf der ganzen Welt live austauschen.“ Im Nebenraum zeigen Ärzte wie sie mit winzigen Kameras im Körper der Patienten auf Entdeckungsreise gehen – zu Demonstrationszwecken wird freilich nur das Innere eines Kürbisses erforscht.

So sieht‘s im neuen Krankenhaus aus

So sieht‘s im neuen Krankenhaus aus

Einzigartig in Hessen ist die neue Station für Schwerbrandverletzte. „Die Behandlung dieser Patienten stellt enorm hohe Anforderungen an das Personal“, sagt Goldschmidt. So müssen die Operateure bei über 30 Grad arbeiten – der Saal wird stark geheizt, da die Verletzten ohne die schützende Hautschicht sonst schnell auskühlen würden.

Auf der Intensivstation gibt es im Neubau doppelt so viele Betten wie bisher: Neben 30 Plätzen im Intensivbereich steht die gleiche Anzahl noch einmal im so genannten Intermediate-Care-Bereich zur Verfügung. Auch hier werden die Patienten streng überwacht und sorgfältig gepflegt, doch üblicherweise nicht mehr beatmet. „Ich bin zuversichtlich, dass wir in Zukunft keine Intensivpatienten mehr an Frankfurt abgeben müssen“, sagt Goldschmidt.

Besonders interessiert nehmen die Gäste die Zimmer auf den Pflegestationen in Augenschein. Vor allem die großen Fenster und die komfortablen Badezimmer kommen gut an. Die Besucher prüfen die Schränke aus hellem Holz und sitzen auf den neuen Betten Probe.

Ein hochkomplexes System

„Ein Krankenhaus mit Maximalversorgung ist ein hochkomplexes System“, sagt Goldschmidt. Die Technik kann manchmal dabei helfen, die Abläufe zu optimieren. Mit dem automatischen Warentransportsystem hat auch bei der Logistik High-Tech Einzug gehalten. Container mit Essen, Wäsche, Medikamenten und Verbandszeug werden von 15 computergesteuerten Wagen von der Warenannahme im Untergeschoss abgeholt und dann im ganzen Haus verteilt.

Für den Großteil des Hauses haben die Designer warme, dezente Farben gewählt – in der Kinderklinik darf es schon etwas knalliger zugehen. Die Zimmer sind strahlend gelb, grün oder blau gestrichen, das Motiv findet sich dann im mittleren von drei Fenstern als getönte Scheibe wieder. „Die Farben können sich die Kinder viel besser merken als eine Zimmernummer“, erklärt Goldschmidt. „Damit finden sie mit Sicherheit zu ihrem Raum zurück.“ An den Flurdecken baumeln Bienen, Schmetterlinge und Clowns, in der Spielecke finden die kleinen Patienten Bauklötze und Bahnen für Glasmurmeln. Der Nachwuchs lässt sich auch beim Tag der offenen Tür nicht lange bitten – für sie ist der Rundgang hier beendet.

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