Kampf den Schmierereien

Fassade des Isenburger Schlosses gereinigt

Profis im Einsatz gegen Dreck: Den Schmierereien an der Fassade des denkmalgeschützten Schlosses ging es gestern an den Kragen.
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Profis im Einsatz gegen Dreck: Den Schmierereien an der Fassade des denkmalgeschützten Schlosses ging es gestern an den Kragen.

Graffiti, Dreck, Glasscherben: das Areal des Isenburger Schlosses präsentiert sich seit Jahren wenig der kulturhistorischen Bedeutung des Ortes angemessen. Doch am Montag hat die Hochschule für Gestaltung (HfG) als Nutzerin der landeseigenen Liegenschaft gehandelt: Von der Westseite her begann die professionelle Reinigung der Schlossfassade von den zahlreichen Schmierereien.

Offenbach - Ob der öffentliche Druck und die Berichterstattung unserer Zeitung dazu beitrug, sei dahingestellt. Offiziell betont die Hochschule, dass die Reinigung schon länger geplant sei. Allerdings gestaltet sich diese kompliziert: Um die spezielle Lehmfarbe der Fassade nicht zu beschädigen, können keine konventionellen Reinigungsmittel genutzt werden, die sonst bei Graffiti-Entfernung verwendet werden.

In den vergangenen Wochen wurde immer wieder beklagt, dass das denkmalgeschützte Schloss sich in einem unwürdigen Zustand befindet. Die Stadt verwies darauf, dass sie nichts unternehmen könne, da es sich um eine Landesimmobilie handele, das Land wiederrum erklärte, die HfG sei für Instandhaltung und Sauberkeit zuständig. Dort hieß es jedoch, dass das bereitgestellte Landes-Budget nicht ausreiche. Für die nun erfolgte Reinigung habe das Budget ausgereicht, heißt es auf Nachfrage. Der Hausservice reinige täglich den Hof, betont die Hochschule, doch da das Gelände frei zugänglich sei, komme es regelmäßig zu Vermüllung.

Der Zustand des Schlosses beschäftigt auch den lokalen Denkmalbeirat seit geraumer Zeit: Wie Mitglied Rainer Rist unserer Zeitung sagt, hatte das Gremium bereits vor Monaten das Land zur Stellungnahme aufgefordert: „Das war auch zu Jahresbeginn geplant, aber durch das Corona-Virus musste der Termin abgesagt werden.“

Auch die Stadtpolitik beschäftigt sich weiter mit dem Schloss: Nachdem die FDP kürzlich vom Land erfahren wollte, wie hoch das Budget für die Instandhaltung des Kulturdenkmals ist, legen nun die Freien Wähler nach. „Als Freie Wähler und echte Offenbacher ist es uns daran gelegen, dem Isenburger Schloss die Aufmerksamkeit zu geben, welches es verdient. Es kann und darf nicht sein, dass solch ein historisches Gebäude dermaßen verschandelt wird“, schreibt Vorstandsmitglied Felix Feuerstein. Das Wahrzeichen müsse pfleglich behandelt werden, daher will man klären, „ob der derzeitige Mieter alleine für die denkmalschützenden Aufgaben verantwortlich sein sollte“.

Die Tansania-Koalition hat für die kommende Stadtverordnetenversammlung den Zustand des Schlosses auf die Tagesordnung gesetzt: Mit dem Land soll über Reinigungsmaßnahmen verhandelt werden – da Schloss und Schlossplatz regelmäßig mit Dreck und Schmierereien zu kämpfen haben, dürfte das Vorhaben mit der gestrigen Aktion nicht erledigt sein. Auch Rainer Rist vom Denkmalbeirat legt Wert darauf, dass eine dauerhafte Lösung gefunden werde.

Zugleich möchte die Koalition auch, dass die übrigen Schmierereien im Stadtgebiet schneller beseitigt werden. Als Vorbild, so heißt es in dem Antrag, könne das Handeln der Stadt Pforzheim dienen: Dort wird ein Anti-Graffiti-Mobil mit dem lokalen Handwerk und dem Haus des Jugendrechts betrieben.

Seit 2013 gebe es diese Zusammenarbeit, sagt Kriminalhauptkommissar Achim Jung vom Pforzheimer Haus des Jugendrechts auf Nachfrage. „Es ist ein sehr erfolgreiches und wirksames Projekt, das in enger Verzahnung mit der Maler-Innung besteht.“ Bei kleineren Schmierereien werden die Handwerker der Innung aktiv, das Anti-Graffiti-Mobil werde mehrfach im Jahr bei größeren Einsätzen genutzt: Jugendliche, die beim Sprühen von Schmierereien erwischt wurden, müssen dann selbst unter Anleitung ihre Graffiti entfernen. Für die Jugendlichen habe das den Vorteil, dass sie „nicht mit mehreren tausend Euro Schulden für die Entfernung der Graffiti ins Leben starten“.

Für Offenbach soll geprüft werden, ob sich das Pforzheimer Modell mit bestehenden Projekten kombinieren ließe, um für einen sauberen Gesamteindruck der Stadt zu sorgen. Auch die EVO solle angeregt werden, regelmäßig ihre Stromkästen zu säubern oder von Künstlern verschönern zu lassen.

Von Frank Sommer

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