Meist in olympischem Geist

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Willy Röder lügt als Politiker das Blaue vom Himmel herunter.

Offenbach - Die Offenbacher 03er hatten zur Prunksitzung ins Pfarrheim nach Bieber geladen. Dieses Jahr ging es sportlich zu. Fastnacht auf einen Nenner gebracht heißt Schunkeln, Feiern und Hallau. Und sich über Witze aus der Bütt amüsieren. Von David Heisig 

Manche Profis der Narretei halten der Obrigkeit den Spiegel vor. Das ist bei der großen Prunksitzung der Offenbacher 03er im Bieberer Pfarrheim nicht anders. Einer dieser Könner ist Urgestein Willy Röder. Seit Jahren im Geschäft, weiß er mit dem Publikum zu spielen. Die Betroffenen, meist Politiker, haben entweder die Größe, über sich selbst zu lachen, oder sie ducken sich weg.

In diesem Jahr nimmt Röder sich selbst etwas aufs Korn. Habe er doch eine Partei gegründet. „Verantwortung übernehmen, ohne Verantwortung zu übernehmen“ wolle er. „Bei allem Blauen, was ich euch vom Himmel runterlüg“, passe der Name „Die Blauen“. So werden die Berliner Politlandschaft („Der Reichstag hat eine Kuppel, jeder Zirkus hat eine Kuppel“), der Sport („Bei den Kickers bin ich mir nicht sicher, ob die noch selbst spielen“) oder Klischees („Ein Weltraumflug nur mit Astronautinnen ist unbemannt“) aufs Korn genommen.

Spott für lokale Politiker

Auch lokale Politiker müssen sich einiges anhören. Da hilft es nichts, dass sich Stadtrat Felix Schwenke einen Bieber-Schal umgehängt hat. Stichwort Mission Olympic – der Bogen vom Spott bis zu den Winterspielen im russischen Sotschi ist schnell gespannt. Protokollchefin Ilse Hammann meint, eigentlich könne sie es sich sparen, über die olympische Mission etwas zu sagen. Aber: „Da werden einfach Gelder aus Töpfen umgeleitet, und kein Schneider will gemerkt haben, dass da einer Kompetenzen überschreitet.“ Röder zum vermeintlichen Selbstbild von OB Horst Schneider: „Kaa Ahnung, aber ich kann’s prima erklären“.

Dann folgt Augenschmaus zum Entspannen, sei es das „goldische Prinzenpaar von Lederanien“ Manuela I. und Robert I. (Ehepaar Pies) mit Gefolge, die als Pippi Langstrumpf und Freunde verkleideten Minis der Gemaa Tempelsee oder die Prinzengarde der Katholischen Karnevalisten Mühlheim. Eine Schunkelrunde fördert die Geselligkeit. Seit mehr als 50 Jahren bewegen sich die 03er als Verein für gesellige, kulturelle und sportliche Freizeitgestaltung in Offenbach im Fasching. Vor allem auf „handgemachte Fastnacht“ sei man stolz, so Sitzungspräsident Stephan Färber. Das honoriert der Offenbacher Karneval-Verein: Erhält Ilse Hammann doch das Lederanische Verdienstkreuz überreicht, Elfer-Kollege Andreas Montag das Goldene Eichblatt. Auch die 03er ehren: Pfarrer Jozef Madloch, 03er-Chef Raimund Orth, die Schirmherren für 2013 und 2014, Michael Relic und Ursula Ölcer, und KJB-Sitzungspräsident Sebastian Kurt erhalten den Vereinsorden. Albert Wiegand als „tragender Teil“ der 03er bekommt die „goldisch Eul“, Ronald Rudolph als besondere Ehre den „Orden vom goldenen Vlies“.

Sitzung der 03er in Bieber (2011)

Sitzung der 03er in Bieber

Danach nehmen Stephan Färber und Peter Bauer als Bänkelsänger die Politik aufs Korn: NSA, Pofalla oder Hoeneß sind Stichworte. Und wieder die Mission Olympic. Da gäbe es ein paar Herren, die „bestimmt kaa Freunde mehr wern“. Dann sorgt Charly Engert als „Rocker aus Berjel“ und als „Booodo“ für Stimmung. Silvia Nordmann-Jellinghausen ist als „Frau vom Bau“ dabei.

Spektakulär ist die Nummer „Happy Birthday“ des Männerballetts Aufenau. Als böse Clowns zeigt es eine akrobatische Nummer zu treibender Rockmusik. Die geringe Bühnenhöhe sorgt für Nervenkitzel. Das Finale läuten die „Ollen Dollen“ ein, eine Gruppe des Vereins, die eine grazile Tanznummer zur Fußball-WM in Brasilien auf die Beine stellt. Abschluss ist mit Silvia Rommel als „Helene Fischer aus Bieber“. Bei so viel Sportlichkeit ist das Publikum am Ende selbst zum Tanzen aufgefordert.

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