OKV in der Stadthalle

Krachend zündete das versprochene Feuerwerk

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Ums Protokoll-Muss rankt sich die Unterhaltung: Kirsten I. und Matthias I. regieren, von OKV-Chef Manfred Roth gekürt, seit Samstag Lederanien.

Offenbach - Wer mit einem „Feuerwerk der guten Laune“ ein über fünfstündiges Programm entzündet, erwartet von sich und anderen ein gewisses Durchhaltevermögen. Von Harald H. Richter

Genau das beweisen ein vergnügter Elferrat um Sitzungspräsident Simon Isser und bestens disponierte Bühnenakteure, gekrönte Häupter auf dem prinzlichen Thron und ein Gassenhauer mitsingendes Publikum im ausverkauften Saal gleichermaßen.

Glamour, Prunk und Schelmerei, Gardetanz und Akrobatik, Hitmedleys und feminine Comedy serviert der OKV, Dachverband des Offenbacher Karnevals, am Samstag in der Stadthalle.

Die konditionsstarke Lokalprominenz schwoft, die Reihen schunkeln und zwischendurch dürfen die Gäste auch mal sitzen, lassen dann aber durch rhythmisches Klatschen in ihrem Bewegungsdrang trotzdem nicht nach und halten obendrein Lachmuskeln in Bewegung.

Karl-Heinz Eitel karikiert als „Till des OKV“ spitzzüngig Ereignisse des vergangenen Jahres, als Mann am Klavier überzeugt Winfried Winter von der Kolpingfamilie Dietesheim. Boris Reisert von der TG 08 Ober-Roden serviert in einem amüsanten Kochkurs eine alphabetische Komplett-Rezeptur von Ananascreme bis Zucchiniauflauf in zungenschlagreichem Tempo.

Temporeiche Choreografie

„Der Pälzer“ Ramon Chormann würzt seinen Vortrag gleichermaßen mit viel Wortwitz und glänzt durch freie Rede. Er setzt ein ums andere Mal sichere Pointen, hält dem Publikum im Saal mit ironischen Szenen aus dem Eheleben den Spiegel vors Gesicht und versteht es, besonders durch Mimik und scheinbar rastlose Gangart seinem Bühnenvortrag gewissermaßen motorischen Zusatzschub zu verleihen. Die Kunst der Äquilibristik demonstriert „Marabuschki“ mit präzisen Jonglage-Acts. Als fünffache deutsche Meister wissen die Akteure der „Großen Garde“ des TSV Landau, was es bedeutet, Kraft, Ausdauer und Geschicklichkeit auf den Punkt bringen zu müssen. Auch bei ihrem Offenbacher Auftritt besticht die gemischte Tanzformation durch temporeiche Choreografie. Die Mädels der Tanzgruppe „Diamonds“ um Sabrina Salg, aus dem Volkschor Klein-Krotzenburg hervorgegangen, stehen ihnen in Sachen Rasanz kaum nach und sorgen für bajuwarischen Akzent. Gar über den großen Teich entführen die Schautanzmädchen des TSC Neu-Isenburg mit ihren „Stars & Stripes“.

Voll wird es zu Füßen des Elferrats, als die „Westerwaldsterne“ des Tanzcorps Blau-Weiß Uckerath von 1969 die Bühne okkupieren. Die 40-köpfige Formation löst mit perfekter Choreografie sowie durch ihre atemberaubenden Flug- und Akrobatikelemente Beifallsstürme aus.

Hingucker der ganz anderen Art sind die feschen Burschen Rosario, Luciano und Holger, besser bekannt als das Heddemer Dreigestirn aus „Klaa Paris“ (=Heddernheim). Dank der hohen Kunst der Verwandlung parodieren sie als Zwerge in einer furiosen Musikshow die Schlagerszene von A wie Andrea Berg bis Ö wie DJ Ötzi.

Gefühlsbetontes Medley

Und dann kommt sie: Mary Roos. Es gibt wohl kaum eine deutsche Sängerin, die so viel erreicht hat wie sie, weshalb sie das Prädikat „Ausnahmekünstlerin“ völlig zu Recht für sich beanspruchen darf. Einst trällerte sie als kleine Rosemarie im elterlichen Hotel in Bingen am Rhein fröhliche Liedchen, bevor ein Plattenproduzent auf sie aufmerksam wurde und mit ihr die erste Single aufnahm. Ihre musikalische Karriere ließ sie zweimal beim Eurovision Song Contest auftreten, als der noch „Grand Prix Eurovision de la Chanson“ hieß.

Ein gefühlsbetontes Medley ihrer größten Erfolge macht den Anfang, Songs aus der Bohlen-Schmiede folgen, ein Rock’n’Roll-Zusammenschnitt hält das Publikum nicht mehr auf den Stühlen, worauf die Fläche vor der Bühne zum Tanzparkett wird. Und spätestens beim Schlager-Potpourri hat sie die Herzen ihrer Fans erobert.

Die Nähe zum Publikum hat sich auch Entertainerin Daphne de Luxe bewahrt. Als Daphne Haderlein geboren, lebt die dralle 41-jährige Fränkin in Hannover. Die Künstlerin mit Leib und Seele macht aus ihrem üppigen Körper keinen Hehl und bezeichnet ihn auch gern als Feinkostgewölbe. Kein Wunder also, dass ihr halbstündiges Bühnenprogramm „In Hülle und Fülle“ nur so strotzt von Anspielungen auf Genüsse und Gelüste.

Bilder des OKV-Feuerwerks

Mehrgang-Menü des OKV

Der Abend endet, wie er begonnen hat: mit typischen Komponenten, die nun einmal zum Karneval gehören. Eingangs hat im Beisein zahlreicher Abordnungen befreundeter Vereine das bisherige Prinzenpaar Stefan und Melanie Pogadl mit allen protokollarischen Ehren Abschied nehmen müssen.

Dafür dürfen die neuen Würdenträger, Matthias I. (Matthias Hergert-Roth) und Kirsten I. von Lederanien (Kirsten Fries) auf dem von Kerzenlüstern gerahmten Thron ihre Plätze einnehmen. Aus der Hand von OKV-Chef Manfred Roth werden die ersten Orden der Kampagne Hessens Sozialminister Stefan Grüttner und Offenbachs OB Horst Schneider an die Brust geheftet. Zum guten Schluss zieht weit nach Mitternacht das fast hundert Köpfe zählende Gardebataillon des Bonner Stadtsoldaten-Corps von 1872 in den Saal, füllt jeden Meter der Bühne, deren Bretter der Belastung freilich standhalten.

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