Katholische Jugend Bieber

KJB-Sitzung: Gelb-grünes Farbenmeer

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An der Spitze der Fastnachts-Evolution: die Bieberer Mädels.

Bieber - Wenn prähistorische Wesen wie Dinos, Amöben und Fred Feuerstein durch Alt-Bieber ziehen, stehen alle Zeichen auf Fastnacht. Von David Heisig

Zu ihren traditionellen Sitzungen hat die Katholische Jugend Bieber (KJB) ins Pfarrheim gerufen, eben unter dem Motto „Steinzeitsitzung – die Evolution der Bieberer Fastnacht“.

Wichtiges Utensil im Publikum und vor allem auf der Bühne ist die Keule. Ersetzt sie doch in diesem Jahr den karnevalistischen Spiegel, den man den anderen von jenseits des Bergs in Offenbach vorhält.

So macht Sitzungspräsident Andreas Heberer gleich in der Eröffnung klar, dass die Evolution der Fastnacht in Offenbach nicht Halt gemacht habe. Doch: „Fastnacht in Offenbach ist nicht so das Wahre.“ Vielmehr sei Bieber „die Spitze der Evolution“. Die wenigen im Publikum, deren Herz auch für die Stadt schlägt, mussten manche Spitze ertragen.

Kräftig abgerockt zu Klassikern von AC/DC, Queen und Status Quo hat die Formation „Kopfkino“ und brachte damit Publikum und Steinzeit-Elfer in Wallung.  

Wenigstens persönlich ist der Offenbach-Freund geschützt, richtet sich der Spott doch meist stellvertretend gegen OB Horst Schneider oder den Offenbacher Karneval-Verein (OKV). So auch bei Protokoller Tobias Grün, der die finanzielle Misere der Stadt dem OB anhängt. In gewohnt pointierter und gekonnter Weise nimmt er aber auch Bieberer Belange aufs Korn: „Doch man braucht ja net so weit zu schaue, auch in Bieber wollt man zum Fest der Vereine ein Bistro baue“, erklärt er in Anspielung auf das bis dato noch nicht eröffnete Bistro am Ostendplatz. Seine Pointen bringen die erste Rakete.

Tradition ist bei der KJB aber auch, dass alles mit Charme verpackt ist. Auch die Seitenhiebe auf die Interessengemeinschaft Bieberer Fastnacht (IGBiF). Was sich liebt, das neckt sich, weiß KJBler Niklas Ritzel. Stolz ist man bei der KJB auch, dass man Jahr für Jahr immer neue Leute findet, die in die Jugend nachrücken. Nicht umsonst geht die Session ins 67. Jahr.

Zudem ist alles handgemacht – die Kostüme, die Choreografien und die Büttenreden. Auch bei der Tanztruppe „Augenschmaus“, die im Dress unschuldiger Internatsschülerinnen zu Discomusik tanzt. Im Anschluss erzählt Samira Fries von ihrem Auslandsaufenthalt in Neuseeland, den sie eine Neuseeland-Fahne schwenkend ankündigt, um dann zu dem Schluss zu kommen, dass man die Bieberer Fastnacht „nirgendwo auf der Welt“ vergesse.

Tradition haben auch die Boybands im Programm. Zum ersten Mal auf der Bühne standen die „Biebros“. „An Fassenacht in Bieber wünscht man sich Unendlichkeit“ singen sie zum aktuellen Hit der Toten Hosen. Der Funke springt über und das Publikum singt mit. In vielen Augen sieht man Lokalpatriotismus aufblitzen, wie sonst erst zum Finale der Sitzung. Dann wird der IGBiF-Präsident Markus Gesser auf die Bühne geholt. Jetzt dürfe er die Jugend hochleben lassen, meint er, selbst noch gar nicht lange der KJB entwachsen. Gemeinsam mit Heberer feilt er dann auf der Bühne an seinen Flirtqualitäten für den späteren Tanz in der Sektbar.

Beim anschließenden Zwiegespräch von Otto und Heide (Isabell Fromke und Manuel May) geht es um den immerwährenden Kampf zwischen Mann und Frau. Danach tanzt das „Kopfkino“ zu Rockklassikern von AC/DC, Queen und Status Quo, bevor sich beim Bieber-Quiz der Kandidat (Alex Kopp) in den Wettstreit um den goldenen Bembel gegen Quizmaster Schlauch (Robin Mosch) stürzen muss.

Bilder der KJB-Sitzung

Fastnachtsitzung der KJ Bieber

Nach der Pause heizt die Tanzgruppe „Parapluie“ dem Publikum mit Hits der 60er ein. In Analogie zu Cliff Richards „Rote Lippen“ heißt es: „Bieberer Frauen soll man küssen, denn zum Küssen sind sie da.“ Lorenz Färber berichtet in seiner Büttenrede von der Qual mit sozialen Netzwerken, bevor die Quietscheentchen tanzen. Nina Dietermann und Sebastian Kurt sorgen als „Alice Schwarzer“ im Zwiegespräch mit einem Priester rund um das Thema Feminismus für Lacher.

Emotionaler Höhepunkt ist die Verleihung des Großkreuzes der Bieberer Jugend an den langjährigen Aktiven und Mitglied der Fastnachts-Truppe „Die 5 Jahreszeiten“, Hajo Sbick. Dieser Orden wird alljährlich an jemanden verliehen, der sich besonders um die Jugendarbeit verdient gemacht hat. Im Anschluss persiflieren Melissa Kämmerer, Michael Mangold und Daniel Britz bekannte Märchen anhand lokaler Begebenheiten, bevor zum großen Finale die „Bembel Five“ die Bühne mit Songs wie „Reise zu den Sternen“, „Bieber hat was zu bieten“ oder „Wenn es Äppler ist“ betreten. Und spätestens da verwandelt sich der Saal in ein gelb-grünes Farbenmeer.

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