Sitzung der Mozart-Elfer

Gesangskünste, pure Erotik und „Spaßmaschine“

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Die BWR-Mädels beeindruckten mit ihrem Showtanz.

Offenbach - Sonst stellt Simon Isser, der Ministerpräsident des Offenbacher Karneval-Vereins, das aktuelle „unser goldisch Prinzenpaar“ erst später vor. Meist zieht dessen Entourage erst ein, wenn die Besucher bereits geraume Zeit der Narretei frönten. Von Stefan Mangold

Am Samstag zur Sitzung des MGV Mozart fahren Matthias I. und Kirsten I. schon vor dem Startschuss vor. Drinnen im Bürgerhaus Rumpenheim herrscht schon umtriebige Atmosphäre. Neben dem Servicepersonal müssen noch andere arbeiten, nämlich die Leute vom Hessischen Rundfunk. Der schaltet während der Hessenschau live dorthin und filmt den Einmarsch der Karnevalsaristokratie. Die als Piratin verkleidete Reporterin interviewt Angelika Longerich, die jetzt schon an den Aschermittwoch denkt, „der ist für uns der Neubeginn der Kampagne“.

Ihrem Mann Rico Longerich, dem Sitzungspräsidenten, zerhaut der hr den Zeitplan. Bis der überträgt, lässt er singen und schunkeln. Später muss die durch Erkältung stimmlich angeschlagene Kirsten I. dennoch vorsingen. Trotz ihrer Heiserkeit trifft die Prinzessin die Töne mit einer Sicherheit, die zur Fastnacht als unüblich gilt. Chapeau!

Tanz statt Büttenreden

In die Bütt steigt niemand. Der Schwerpunkt liegt auf der rhythmischen Bewegung. So zeigen die Tanzmäuse der BWR Mozart-Husaren im Alter zwischen drei und sieben Jahren, was sie im Training gelernt haben. Ihre älteren Kolleginnen vom BWR bauen sich, in die Farben der Deutschlandfahne verpackt, zu einer Pyramide auf. Räder schlagen die Husarinnen Christiane Adam und Vanessa Kozak zu „Was wollen wir trinken, sieben Tage lang“. Das Lied folgt bei Heimspielen der TGS Hoffenheim den seltenen Treffern der eigenen Mannschaft.

„Erotik pur“ verspricht Rico Longerich vor dem Auftritt des „Town Express“. Das Quartett aus jungen Frauen gibt bei seiner Vorstellung tatsächlich ein äußerst ästhetisches Bild ab. Ähnlich wie die Frauen der Stadtgarde, die unter rosa Lederkappen als Polizistinnen auf Verbrecherjagd gehen. Longerich beschuldigt sich diverser Delikte, „ihr müsst mich verhaften“.

Der Sitzungspräsident wechselt zwischendurch mit seiner Playback-Gruppe vom Podium auf die Bühne. Boney M. und die Les Humphries führen zurück in die 70er-Jahre. Einen körperbetonten Tanz voller Vitalität zelebrieren die United Dancers. Wie Pariser Can-Can-Tänzerinnen schwingen die Mädchen vom TSC Fantasy ihre Beine. Zum Dissens kommt es zwischen Donna I. und Maxi dem Starken, dem Bürgeler Prinzenpaar. Das diskutiert, wer früher den besseren Mohren gegeben habe. Die leuchtenden mexikanischen Hühner des Konzertorchesters ähneln in der Dunkelheit eher Sträußen. Weitere Tänze liefern die SG Haitz aus Gelnhausen, der TV 04 Wörth und die 1. Steckster Garde Stockstadt.

Sitzung der Mozart-Elfer

Sitzung der Mozart-Elfer

Die beeindruckendste Gruppenvorstellung zeigt die Tanzgarde Rodheim. Ihre Trainerin Jasmin Friedrich hat eine durchdachte Choreographie konzipiert, ein gelungenes Amalgam verschiedener Stilelemente. In ihrer eigenen Profi-Liga tanzt Elena Agnetelli aus Gelnhausen, mehrfache Europameisterin ihres Fachs. Musikalisch heizt die Stadtgarde mit ihrer verwegenen Guggemusik ein. Rainer und Ralf Kern als „Spaßmaschine“ aus Wörth singen zum Finale ihre Schlager.

Schöne Männer suchten die Frauen im Publikum über Stunden auf der Bühne vergeblich. Schon deshalb, weil dort lange überhaupt keine Männer auftraten. Für ein „Ahhh“ sorgt schließlich der dezent bekleidete junge Mann im „Rocky Horror Picture Show-Tanz“ des Konzertorchesters. Hätten plötzlich alle Herren der Schöpfung rund um die Fastnacht solche trainierten Figuren, dann müssten Büttenrednerinnen ihre Pointen neu setzen.

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