Prinzessin per Zeitung gesucht

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Die Scheppsingers heizten dem Publikum im Afro-Look mit Bieber-Liedern kräftig ein.

Bieber - Bieberer müssen glückliche Menschen sein. Leben sie doch an einem Fleckchen Erde, das so schön ist, dass sie es stundenlang feiern, preisen und besingen können. Von Veronika Szeherova

Die beiden Sitzungen der IGBiF (Interessengemeinschaft Bieberer Fastnacht) boten die bewährte Mischung aus Lokalpatriotismus, vergnüglichen, aber auch kritischen Tönen – alles Eigengewächse, nichts Zugekauftes. Mehr als 600 kostümierte Menschen feierten insgesamt im Pfarrheim St. Nikolaus bis in die Nacht.

Doch so schön es in Bieber besonders zur Fastnacht ist – ohne die richtige Frau an der Seite fehlt etwas. Das findet KJB-Großkreuzträger Tobias Kaiser und überraschte den Sitzungspräsidenten Markus Gesser mit einer Anzeige in der Samstagsausgabe unserer Zeitung: „Bieberer Fastnachtsprinz sucht Prinzessin“, versehen mit einer Chiffre. „Die Zuschriften landen bei mir, und ich gebe sie an dich weiter“, grinste Kaiser. Das Publikum johlte, Gesser überspielte seine Überraschtheit gekonnt dank langer Präsidenten-Erfahrung.

Zwölf Darbietungen zeigten die große Vielfalt der IGBiF. Protokollant Klaus-Peter Keller bewies gleich zu Beginn seine Klasse, als er sich über das Welt- und Lokalgeschehen ausließ. So befürchtete er, im Klinikum gebe es künftig als Sparmaßnahme nur Automaten statt Menschen. „Was du brauchst, ziehst du heraus. Menschlichkeit suchst du vergeblich, wenn alles nur vom Geld abhängt.“ Die unendliche Baustelle Berliner Flughafen verglich er mit dem Bistro am Ostendplatz – auf dessen Kosten noch viele Lacher gingen.

Feng-Shui, Teleshopping und Hundekottüten

Das junge Ballett entzündete die erste, begeisterte Rakete: Mit an Straußen erinnernden Mischungen aus Handpuppe und Kostüm und mithilfe von Schwarzlicht gelang der originellste Hingucker des Abends. Die sieben schrägen Vögel tanzten und sangen zu „Oh Happy Day“, „I Was Made For Loving You“ und „Gangnam Style“.

Warum sie als Feng-Shui-Beraterin gescheitert ist und was sie an Teleshopping und Hundekottüten fasziniert, erzählte Christiane Gebhard. So mancher, der schon mal einen „Nicer Dicer“ bestellt hat, fand sich in ihren amüsanten und lebensnahen Schilderungen wieder. Ähnlich beim Zwiegespräch von Marga Rothbarth und Martin Jäger, in dem sie auf ihre alten Tage noch den Führerschein machen möchte. Merksatz gefällig? „Der Bremsweg ist die Strecke von dem Augenblick, wo man erschrickt, bis zu dem Moment, wo’s knallt.“

Die Bänkelsänger in Gestalt von CDU-Politiker Sebastian Kurt und dem „roten Schaf Biebers“ Stephan Färber ließen sich über den Rücktritt von OFC-Geschäftsführer Thomas Kalt, das Klinikum, das „Garagen-Urteil“ und die vielen Schneiders in der hiesigen Politik aus: „Die städtische Pressestelle gab bekannt, wir werden nicht mehr Leder-, sondern Schneiderstadt genannt.“

Sitzung der IGBIF: Bilder

Sitzungen der IGBiF

Die Scheppsingers heizten im Afro-Look kräftig ein. „Ein Stern, der über Bieber steht“ hieß ihre Abwandlung eines DJ-Ötzi-Hits, während im Publikum gelbe und grüne Papiersterne verteilt wurden. Nach der Pause ging es „auf die Behörde“. Fred Bauer und Gerhard Faller stellten die Absurditäten der Bürokratie dar, in die sie geraten sind, bloß um ein „Briefkastenverschlusskappenantiwerbung- signal“ anzubringen. Anmutig und ganz in meerblau präsentierten sich die „Meerjungfrauen“. Auf eigenwillige Art elegant zeigte das Männerballett eine Interpretation von „Schwanensee“.

Walter Kudritzki alias Wakku, ein alter Bekannter auf der IGBiF-Bühne, erzählte wieder von seinem nicht immer ganz einfachem Dasein. „Schornsteinfeger“ Willy Röder gab sich erneut kämpferisch. Er gründete die Partei der „Blauen“ und stellte spitzfindig fest: „Es gab noch kein Raumschiff nur mit Astronautinnen, das wäre ja sonst unbemannt.“ Bieberer Schals, Fahnen, Luftballons und Sterne hatten ihren großen Einsatz, als die Fünf Jahreszeiten (Hajo Sbick, Tobias Kaiser, Florian Wolff-Görlich, Christian Florschütz, Johannes Jung) Bieber, seine Mädchen und die Fastnacht in höchsten Tönen besangen. Abschlusshymne war folgerichtig „Wir sind mit Leib und Seele Bieberer“.

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