Sitzung der Kolpingelfer

Hochprozentige Wortspiele bei den Kolpingelfern

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Auch das Publikum ist bei den Kolpingelfern Programm: Stimmung im Saal machte nicht nur diese fröhliche Tennis-Truppe.

Offenbach - Mit viel Humor, Gesang und tänzerischem Schwung ging am Samstagabend vor ausverkauftem Haus die erste Runde der Kolpingelfer-Fastnacht über die Bühne. Von Harald Richter

Trotz allen Frohsinns mischte sich ins gesellige Beisammensein ein bisschen Wehmut, denn nach drei Jahrzehnten tritt am Ende der Kampagne mit Hubert Ball ein verdienter Spaßvogel aus dem Rampenlicht. Wenn einer Abschied nimmt von der Bühne der Narretei, sind ihm Dankesworte gewiss. Den schönsten Lohn aber empfängt er vom Publikum: Applaus, sogar stehend entgegengebracht als Anerkennung für seinen närrischen Hokuspokus in vielen Kampagnen voller Heiterkeit. Ein solcher Moment wurde dem Klein-Auheimer Hubert Ball zuteil, ein Urgestein der Kolpingelfer-Fastnacht auch in Offenbach. Als Südseeurlauber war er einst zu erleben, später als Knecht und seit einigen Jahren als Egon mit dem treuen Blick, der stets ein Fläschchen Hochprozentiges mit sich führt.

Mit trockenem Humor und gut gefeuchteter Kehle nimmt er sich und andere auf die Schippe, kommt dem mitunter freudlos erscheinenden Leben mit allerlei Trinksprüchen bei und sorgt für jede Menge Lacher. Nur noch einmal wird er sein Feuer des hochprozentigen Wortspiels entfachen können: in zwei Wochen bei der zweiten Fremdensitzung an gleicher Stelle. Danach verlischt für ihn das Bühnenlicht. In diesem leuchte an diesem Abend der „Till uff em Fässje“, alias Karl-Heinz Eitel, mit seinem an Lokalkolorit reichen Vortrag und Wolfgang Braun in der Rolle des „Weihnachtsmanns“. Der schwadroniert über die Lästigkeiten seines Jobs schwadroniert und führt dem Auditorium vor Augen, wie schwer es heutzutage ein Geschenkebringer hat. Felicitas Haag setzt mit ihrem „Vorspruch“ den femininen Akzent in der Riege der Redner.

Einer, der dem Volk aufs Maul schaut, ist Jürgen Kofink als Pointen setzender „Chef vom Protokoll“. Ganz anders kommt „Heulsuse“ Eberhard Wernig daher, der die Schattenseiten des Ehedaseins karikiert und schon wegen seines Mitleid heischenden Blicks die Lacher auf seiner Seite hat. Paarweisen Frohsinn verströmen im humorigen Zwiegespräch ein im Spitzenkleid und mit rotem Täschchen köstlich anmutender Marcel Rupp als bessere Hälfte des Prinzenpaares und sein männlich-dominanter Partner Michael Weimer.

Die zweite Sitzung der Kolpingelfer am 2. Februar, 19.11 Uhr, vereinigt noch einmal „Frohsinn und Scherz“, das Motto des Priesters und Gesellenvaters Adolf Kolping.

Nach so viel Anmut und Liebreiz darf natürlich das echte Offenbacher Prinzenpaar nicht fehlen und hat hernach seinen Auftritt zu Schunkellied und dreifach donnerndem „Offebach Hallau!“: Matthias I. (Matthias Hergert-Roth) und Kirsten I. von Lederanien (Kirsten Fries) mit Gefolge. Ihnen wie auch allen Auftretenden überreicht Sitzungspräsident Roland Wernig die Hausorden der Kolpingelfer. Ein Exemplar bekommt auch Ehrensenator und geistlicher Beistand Pfarrer Norbert Eisert. Doch auch eine besondere Auszeichnung ist diesmal zu verleihen: Seit 33 Jahren macht Stefan Haag sich um die Kolpingfastnacht verdient. An diesem Abend als aufmerksamer Mundschenk die Gläser des Elferrates füllend, bekommt der fleißige Helfer in Anerkennung seiner Verdienste aus der Hand von Elferpräsident Thorsten Haag den Moriskentänzer, eine kunstvolle Porzellanfigur, die auf die Gaukler und Schausteller des Mittelalters zurückgeht.

Bilder von der Sitzung

Fremdensitzung der Kolpingelfer

Dem Tanz eine Bühne geben gleich drei Formationen an diesem närrischen Abend. Zunächst ist es die „Backfischgarde“ des TSV Bimmbär 1973 aus Dreieich-Sprendlingen unter der Leitung von Trainerin Elfriede Friedrich. Drei junge Mädchen aus Rodgau, die sich vor fünf Jahren aus Spaß an der Bewegung zusammenfanden, keinem Verein angehören und ihr Programm im Selbstunterricht entwickeln, sind mittlerweile als „Showtanzgruppe Girlz“ in der närrischen Kampagne unterwegs. Nina, Lena und Anna begeistern das Publikum im Kolpinghaus mit einer akrobatischen Rock’n’Roll-Revue und einem Techno-Dance. Spektakulär der Auftritt der Cheerleading-Truppe „Patriots“ des TSV Heusenstamm: Die sieben Mädchen und zwei Jungs vollführen in einer temporeichen Tanzshow Schraubensaltos und präsentieren gewagte Flug-Elemente. Den Schlussakzent unter das fast fünfstündige Programm setzen „Die Randstaajodler“ (Thorsten Haag, Paul Stenzel und Stefan Weisrock) mit einem musikalischen Potpourri der guten Laune. Gerahmt von den Akteuren des Abends lassen sie nochmals Schunkelwalzer erklingen, bevor sich vor ihnen in Sekundenschnelle der schon mit Spannung erwartete Luftschlangenvorhang senkt.

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