Das Publikum in bester Schunkellaune

+
Die „Fat Girls“ – hier Ingrid Neubert – verteilten auch schon mal Streicheleinheiten im närrischen Publikum.

Offenbach - Zünftigen Hüttenzauber versprachen die Sängerfreunde Offenbach den Gästen ihrer Fastnachtsfeier am Samstagabend im Else-Herrmann-Haus. Das Publikum wurde nicht enttäuscht. Von Harald H. Richter

Krachlederne und Kuhglocken, Gamsbärte und Seppelhüte – von der Optik her haben die Sängerfreunde alles aufgeboten, was zum gewählten Motto des Abends passt. Und auch sonst gibt das Else-Herrmann-Haus an diesem Samstag einiges her für einen zünftigen Hüttenzauber. Dem gut gelaunten Publikum wird ein vierstündiges Programm mit Humorigem aus der Bütt, stimmungsvollen Schunkelliedern und Schautänzen der überraschend anderen Art geboten.

Darbietungen der Sänger, am Klavier begleitet von ihrem jungen Leiter Martin Höllenriegel, ziehen sich wie ein roter Faden durch den Abend. Gleich zum Auftakt entbieten sie mit drei populären Titeln einen flotten Willkommensgruß, bevor die Solisten Hans Hahn als singender Bäckermeister und Heinrich Kress mit dem volkstümlichen „Sierra Madre“ dafür sorgen, dass die ersten Feuerzeuglichter entzündet werden und den Saal in anheimelndes Licht tauchen.

Als streitbares Ehegespann bedienen Uschi Barnickel und Fred Kolbacher wechselseitig die Geschlechter mit zänkischen Bemerkungen. Damit haben sie rasch die Lacher auf ihrer Seite. Nicht anders Heinz Frieder Gruber, der als Ehemann im Unruhestand so manche Leidensprüfung zu überstehen hat. Auch das Offenbacher Prinzenpaar macht den Untertanen seine Aufwartung. Begrüßt zu den Klängen des Offenbacher Karnevalsmarsches, ziehen die Tollitäten Matthias I. (Matthias Hergert-Roth) und Kirsten I. von Lederanien (Kirsten Fries) mit Gefolge in den Saal ein.

Verleihung von Orden

Auch wenn ein grippaler Infekt der Prinzessin arg zusetzt, gibt sie mit majestätischem Pflichtbewusstsein ihr Bestes, überlässt diesmal allerdings das Singen der übrigen Narrenschar. OKV-Chef und Hofmarschall Manfred Roth hat es erkältungsbedingt gar aufs Krankenlager geworfen. Für ihn übernimmt Ministerpräsident Simon Isser die protokollarischen Aufgaben mit der Verleihung der Kampagnenorden, unter anderem an den Sängerfreunde-Vorsitzenden Roland Kraus. Der revanchiert sich mit den Hausorden des Männergesangvereins, von denen im weiteren Verlauf einige Exemplare verliehen werden.

Ein Alpenschlager-Potpourri des Gesamtchors sowie das „Lied der Sängerfreunde“, von Heinz Frieder Gruber getextet, lassen das Publikum ebenso mitsingen und mitschunkeln wie der Gaudiwurm, den Gruber mit den Instrumentalsolisten Friedrich Sehrbrock (Akkordeon) und Toni Scheich (Gitarre) zum Besten gibt. „Dicke Mädchen haben schöne Namen, heißen Tosca, Rosa oder Carmen“ – in diesem Fall allerdings heißen sie Uschi Barnickel, Ingrid Neubert und Elsa Müller und schlüpfen als „Fat Girls“ in besonders fesche Dirndl, ohne damit in Politikerkreisen gleich eine zweideutige Charmeoffensive auszulösen.

Sitzung der Sängerfreunde: Bilder

Sängerfreunde in Schunkellaune

Wesentlich graziler kommt der fernöstliche Import daher, den die „Hemdeklunkis“ auf die Bühne bringen: In rot-schwarzen Geisha-Kostümen und ausstaffiert mit asiatischen Sonnenschirmen, zeigt das liebreizende Männerballett des seit 1975 bestehenden Vereins die ganze Anmut und den Charme tanzender Lotosblumen, belohnt von reichlich Beifall. Den heimst auch die unverwüstliche Ingrid Neubert ein, die nach dem Gewinn eines Werbeslogan-Wettbewerbs auf Kreuzfahrt gehen darf und sich inmitten besserer Leute an Hummer, Austern und Kaviar laben kann. Dafür muss sie aber auf den geliebten Handkäs mit Musik verzichten.

Das letzte Solo in der närrischen Bütt bestreitet Moderator Charly Engert in der Paraderolle als „B-b-b-b-b-b-bodo“. Seine Erfahrungen aus turbulentem Familienalltag geben unter anderem Antwort auf die Frage, warum der Mann den Ehering am falschen Finger trägt – weil er die falsche Frau geheiratet hat... Das Hüttenzauber-Finale mit dem Karnevalsmarsch und mehreren Titeln setzen zwar den musikalischen Schlussakzent, veranlasst die Gäste allerdings nicht gleich zum Nachhause gehen. Dazu sind sie viel zu sehr in Schunkellaune.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare