Fastnacht

In Biebers „Hard Rock Café“

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Coole Posen und verschmitztes Lächeln: Die Biebros machten bei den KJB-Sitzungen ordentlich Stimmung mit Fastnachtsmusik auf Bieberer Texte.

Bieber - So ist das bei den jungen Katholiken in Bieber: Die meisten landen bei der Fastnacht. Hinter den Kulissen oder auf der Bühne. Nachwuchssorgen kennt die Katholische Jugend nicht. Von David Heisig 

Den Schritt aus der Bütt an die Spitze des Elferrats der KJB-Sitzungen am Wochenende hat Sebastian Kurt gemacht, „Gitarren-Kurti“ genannt, ob seiner musikalischen Nummern vergangener Jahre.

Man könne sich nur kurz „mit Füßen und Händen wehren“, wenn das Leitungsteam alle vier Jahre einen neuen, jüngeren Präsidenten wählt, nunmehr den 26.; eine Wahl bleibe aber eigentlich nicht, so Kurt. Also folgt er Andreas Heberer als „Präsi“ nach. Der bekommt für sein langjähriges Engagement das Großkreuz der Jugend 2014.

Kurt derweil führt seine Elfer in die Bieberer Narrhalla oder besser gesagt das „Hard Rock Café Bieber“, Titel dieses Jahr. Die gesamte Deko im Saal ist der weltweiten Restaurantkette entlehnt. An „die Ideen unserer Fastnacht“ und das „Gefühl der Jugend“ soll das Motto erinnern, erklärt Kurt. Die Fastnacht sei in Bieber wie Karneval in Rio, der Aussichtsturm wie die New Yorker Skyline, und entgegen „Putins Olympia“ seien bei der KJB auch „Dicke, Dünne, Schwule und Offenbacher“ gern gesehen.

Anschieber der guten Laune

So persifliert man den eigenen internationalen Anspruch. Anschieber der guten Laune ist der Protokoller, wie immer Tobias Grün. In gekonnter Manier nimmt er die „GroKo“, die FDP oder die Steuergeschichten von Hoeneß und Schwarzer („die Feministin mit dem Klassenfeind im Steuersumpf vereint“) aufs Korn. Danach entspannt sich das Publikum bei einer Reise durch die Musikgeschichte der USA. „Viva la Bieber“ betritt die Bühne. Bei den vielen hartgesottenen Rockern unter den Gästen (nur verkleidet) könnte man vermuten, eine Rockerbande habe im Hof die Harleys geparkt. Dass alle selig miteinander schunkeln, beruhigt die anfangs angstvollen Mienen im älteren Teil des Publikums. Anschließend zeigt der Sketch „Hard Rock Café“, wie nacheinander zwei Lauterborner, zwei bayerische Trachtenträger, zwei Blind-Date-Besucher, eine Sportfanatikerin und ein heißer Feger an der Bar Station machen.

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Die Gäste haben sich fürs „Hard Rock Café Bieber“ herausgeputzt.

Nahtlos reihen sich die fünf Sänger der Biebros in die Tradition legendärer Bieberer Bands wie der Fünf Jahreszeiten oder der Buddies ein und machen mit „Bieber feiert heute Fastnacht“ oder „Party hier in Bieber“ Stimmung. Das weibliche Gegenstück „Parapluie“ schwimmt auf dieser Stimmungswelle in der zweiten Hälfte weiter, mit gekonntem Twist aus den 60er Jahren. Vorher geht die erste Hälfte mit dem „Taxi-Sketch“ und den „Quietscheentchen“ zu Ende.

In der Pause bleibt Zeit, den liebevollen Saalschmuck zu begutachten. Alles ist von der Jugend selbst gemacht: Vom Bühnenbild über die Technik bis hin zu jeder einzelnen Nummer. Der „Präsi“ trägt da zwangsläufig eine wenigstens emotionale Verantwortung. Dementsprechend „ganz schön aufgeregt“ ist der Neue vor der ersten Sitzung. Letzte Vorbereitungen stehen an: „Bin froh, wenn es um 12 Uhr vorbei ist“, fasst er das Lampenfieber zusammen. Bis dahin ist es noch ein Stück. Immerhin dauert die zweite Hälfte gut drei Stunden.

Bilder: KJB feiert Fastnacht

KJB feiert Fastnacht

Die Büttenrede des „NSA-Insiders für Bieber“, die Tanznummern „Fresh Frozen Fieber“ und „Augenschmaus“ sowie der Wartezimmer-Sketch und der „Käfig-Vortrag“ runden die Narretei ab. Offenbach, immer Ziel Bieberer Spotts, kommt erstaunlich glimpflich davon. Allein bei der Mission Olympic spricht der Protokoller von einem „Finanzdebakel statt Sportspektakel“ und meint zum Oberbürgermeister: „Statt sich zu stelle, lässt der Schneider lieber Bäume fälle.“ Lediglich am Ende wird es lokalpatriotisch, wenn die Bembel 5 das Pfarrheim in ein gelb-grünes Fahnenmeer verwandeln.

Tradition ist auch, dass die Sitzung am Freitag Premierencharakter hat. Am Samstag geht es familiärer zu. Eigentlich: Das Freitagspublikum hat gut vorgelegt und das Pfarrheim – passend zum Titel – gerockt. Kurt ist nach dem letzten Hallau gegen halb eins sicher froh, dass ihn und seine Elfer diese Welle so weit getragen hat.

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