Fastnachtspathos mit Herzblut

+
Da muss man genauer hinschauen: Mit fantasievollen Kostümen punkteten die Eigengewächse der IGBiF auf der Bühne vor zweimal ausverkauftem Haus.

Bieber - Sie rollt wieder an, wie jedes Jahr: die Welle fastnächtlicher Ausgelassenheit. Das Faschingsschiff der Interessengemeinschaft Bieberer Fastnacht (IGBiF) schiebt sie vor sich her. Auch bei den beiden großen Sitzungen am Wochenende im Pfarrheim St. Nikolaus. Von David Heisig 

Kapitän ist Präsident Markus Gesser. Der hat routiniert das Steuer in der Hand. „So gut wie sonst nirgends auf der Welt“, sei das, was da bevorsteht, sagt er. Seine Matrosen sind die bewährten.

Vornweg der Protokoller Klaus-Peter Keller. Ob „Groko“, NSA oder ADAC. Alle Aufreger der vergangenen zwölf Monate sind Ziel seines Spotts. Die Offenbacher im Saal müssen sich zum ersten Mal warm anziehen. So solle sich die Stadt wegen Mission Olympic eher „Offenbarungsbach“ nennen. Immerhin falle das wirtschaftliche Resultat des Sportfestes in der Relation schlechter aus als der Bischofsbau in Limburg.

Auch dabei ist Martin Jäger, diesmal mit Betty Rothbart in „Martin lernt Kochen“. Im „special, global, Blind-Date-Event“ lernt er Svetlana Bembelkowa kennen, eine feurige, russische Schönheit. Gespielt wird mit Klischees, leicht Zotigem und der Prise Heimatverbundenheit. Der König des Kokolores ist im Anschluss Waku, der mit Kalauern das Publikum zum Lachen bringt. Jenny Bauer erzählt als „Frau vom Präsident“ wie es vermeintlich im Hause Gesser zugeht.

„Auf und nieder, immer wieder“

Das Publikum im Pfarrheim St. Nikolaus war in bester Stimmung.

Auf der Liste der Teilnehmer finden sich viele Namen, die vor nicht allzu langer Zeit noch bei der KJB, der Jugend, aktiv waren. Norbert Faller von der IGBiF ist stolz darauf. Auch wenn die Generation zwischen den Gründern aus den Achtzigern und dem Nachwuchs heute ein wenig ausgeblieben sei. Tradition ist, dass Musiknummern immer eine große Rolle in den Sitzungen spielen. Seien es die „Bee Gees“, die die Melodien ihrer Idole mit Bieberer Texten zum Besten bringen. Oder die Bänkelsänger, die die Geschehnisse des vergangenen Jahres musikalisch aufs Korn nehmen. Die „Scheppsingers“ bringen gar nicht schepp, sondern souverän und rockig ihre Songs auf die Bühne.

Getanzt werden darf auch. Besser gesagt: geschunkelt. Das passt zur Bewegung des Schiffes. „Auf und nieder, immer wieder“ heißt es da. Oder „Wenn das Wasser im Rhein goldner Wein wär“. Letzteren braucht es für das Anheben der Stimmung nicht – auch wenn Gersten- und Rebensaft stark nachgefragt werden.

Echte Fastnachter kommen am Samstag

Das Publikum geht mit. Verhaltener am Freitag. „Am Samstag kommen die echten Fastnachter“, sagt Faller. Freitags stecke der Büroalltag noch in den Knochen. Dennoch: Die meisten im Publikum nahmen sich Zeit, sich in Faschingsschale zu werfen. Viel „Luft nach oben“ im Vergleich zum Freitag hat der Samstag nicht mehr. Es wird ausgiebig gelacht, getanzt und nach Zugabe verlangt.

Die Stimmung wird durch die Tanznummern „Ballett Illusion“ und „Die glorreichen Sieben“ kräftig befördert. Auch das Kasperletheater schießt ordentlich seine Lachsalven ab. Offenbacher gehen spätestens jetzt ganz auf Tauchstation. Manches in Offenbach sei kein Witz, sondern wahr, Selbstmordattentäter machten einen Bogen um die Stadt („das rentiert sich nicht“) und Ostfriesen könnten Offenbachern bei Ebbe Bauland andrehen – sind ein paar Beispiele.

Im letzten Drittel platziert die IGBiF ihre Besten: Hanne Feind und Willy Röder. Erstere regt sich über gar „nix mer uff“. Man merkt der Nummer an: Hier steht ein Profi auf der Bühne. Auch Röder steht dem in nichts nach. Ginge es um die Wahl zum Bieberer Fastnachtsprinz, Chancen hätte er allemal. Vor allem, weil auch er nicht mit Spitzen gegen Offenbach spart. In der Stadt könne man nur aus dem Gotteslob die Nummer 659 singen, wo es heißt: „Sei gegrüßet tausend Mal, hier in diesem Jammertal“. Er nimmt sich aber auch selbst aufs Korn. So habe er neulich seinen ersten Sexfilm gesehen. „Ich hab damals noch jung ausgesehen.“

Die Bilder der Sitzung in Bieber

Buntes Programm bei  Bieberer Karnevalisten

Aber nicht nur Feind und Röder sind Stützen der IGBiF. Viele stellen ehrenamtlich die Nummern des Abends auf die Beine. Alles ist handgemacht, keine Zukäufe und mit viel Fastnachtspathos gespickt. „Herzblut“ stecke darin, so Faller. Der musikalische Höhepunkt einer jeden IGBiF-Sitzung darf auch 2014 selbstverständlich nicht fehlen: Die „Fünf Jahreszeiten“ läuten das Finale der Show ein. Da ist der Saal längst ein grün-gelbes Fahnenmeer.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare