Kreppelsitzung der SG Wiking

Ein kultureller Abend

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Programm mit Gute-Laune-Garantie: Auch das Publikum bei der SG Wiking glänzte mit sehr gelungenen Kostümierungen.

Offenbach - Wieder volles Haus bei der Kreppelsitzung der SG Wiking: Dem Publikum wird ein Potpourri aus Witz, Tanz und nicht zuletzt Nachdenklichem geboten. Dazu redet eine „emanzipierte Dame“ Klartext. Von Stefan Mangold

Anfangs simuliert Sitzungspräsident Manfred Reißmann einen Anruf von Günter Doll vom städtischen Amt für Kulturmanagement. Dem wirft Reißmann vor, zumindest verklausuliert behauptet zu haben: „Kultur und Fastnacht passen nicht zusammen!“ Reißmann widerspricht während der Kreppelsitzung der SG Wiking am Sonntag entschieden: „Die Fastnacht ist Brauchtum und gehört deshalb selbstverständlich zur Kultur."

Reißmann begrüßt im wie immer ausverkauften Saal am Ende des Nordrings „die Vertreter aus Politik und Presse und alle anständigen Menschen im Saal“. Später steigt er selbst in die Bütt. Das stattliche Mannsbild referiert übers Essen und die Folgen: „Aus meiner Figur, da könnt mer lache, könnt mer drei andere mache“, habe sein Hausarzt diagnostiziert. Traurig werde ihm beim Anblick eines gut sortierten Buffets: „Alles Delikatesse, und ich kann net alles esse...“

Was seinen Bruder Detlef Reißmann erkennbar weniger verstimmt. Der führt nicht nur seit Ewigkeiten den Vorsitz über die SG Wiking, er bilanziert bei jeder Sitzung auch die Ereignisse des vergangenen Jahres. „Aufklärung pur“ hat ihm schon Oberbürgermeister Horst Schneider attestiert. Unter anderem streift der Protokoller auch die Sexismus-Vorwürfe gegen den FDP-Politiker Rainer Brüderle.

Bilder von der Kreppelsitzung

Kreppelsitzung bei der SG Wiking

Von der Stern-Journalistin hätte er sich einen eher lockeren Umgang mit dessen mutmaßlichen Anzüglichkeiten gewünscht, „da mich schon manchmal eher stört, welche Zoten aus der Bütt man hört!“

Charly Engert und sein Alter Ego, der stotternde Bodo, gelten längst als Ikone der Offenbacher Fastnacht. Es sei zu Hause auf die Welt gekommen, „die Mutter musste erst ins Krankenhaus, als sie mich gesehen hat“. Kein guter Start ins Leben für Bodo, der so manche später bereute Entscheidung trifft.

Ansonsten zeigen die Pretty Girls von der Gemaa Tempelsee in ihren goldenen Kostümen eine fein einstudierte Choreografie. Jasmin Zunk vom TSC Fantasy tanzt erst äußerst sportlich solo und tritt ein paar Nummern später mit ihren Mitstreiterinnen beim Marschtanz wieder auf. „Kleine Bühne, große Leistung“, lobt Manfred Reißmann die fünf weiblichen Tanzmäuse der Mozart-Husaren im Vorschulalter.

In Rokoko-Kostümen schwingen die Kerle von den Raga-Gazellen

Zünftig geht es bei den jungen Damen der Diamonds aus Klein-Krotzenburg zu. Bei ihrer Alpengaudi tanzen sie in Dirndln. Das Heddemer Dreigestirn ist wieder mit von der Partie. In Rokoko-Kostümen schwingen die Kerle von den Raga-Gazellen zur Freude des Publikums ihre Beine. Kirsten I. und Matthias I., das Prinzenpaar, schaut irgendwann mitsamt Hofstaat vorbei.

Als verspäteter Weihnachtsmann präsentiert sich Wolfgang Braun, der von einem himmlischen Zusammenstoß mit dem Drillinge bringenden Klapperstorch und seinem Schlitten beim TÜV berichtet. Physische Unpässlichkeiten und fehlende Größe in der Intimsphäre alternder Männer moniert Sylvia Nordmann als „emanzipierte Dame“ ähnlich zotig, wie sonst Männer über Frauen reden. Diese Scherze amüsieren manche Herren im Saal erkennbar minder.

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